Kusel RHEINPFALZ-Sprechstunde: Fast 40 Anrufer mit Fragen zur Impfung

Kaum Zeit zum Durchatmen: Dávid Sáfár war pausenlos am Telefon gefordert.
Kaum Zeit zum Durchatmen: Dávid Sáfár war pausenlos am Telefon gefordert.

Das war Schwerstarbeit für den Impf-Spezialisten Dávid Sáfár am Donnerstag am RHEINPFALZ-Telefon. Fast 40 Anrufer kamen durch, hatten Fragen rund um die Coronaschutzimpfung – zu Vorerkrankungen, zur Sicherheit des Impfstoffs und dazu, ob man sich impfen lassen kann, wenn man sich baldigst den Kinderwunsch erfüllen wolle.

Sáfár, am Kuseler Westpfalz-Krankenhaus als Oberarzt in der Inneren Medizin tätig und dort auf Infektionskrankheiten spezialisiert, hatte kaum Zeit zum Durchatmen. Schon deutlich vor dem eigentlichen Beginn der Sprechstunde klingelte das Telefon. Und nach jedem Anruf vergingen kaum fünf Sekunden, bis der nächste durchklingelte. Am Ende waren es fast zwei statt eineinhalb Stunden – dann musste der 34-Jährige zurück zum Dienst.

Aber: Er zog ein ausgesprochen positives Fazit. „Fast alle haben sich am Ende bedankt und gesagt: ´Jetzt lasse ich mich impfen’“, fasste er seine Eindrücke der zwei Stunden zusammen. Diese hätten das große Informationsbedürfnis der Menschen im Zusammenhang mit der Schutzimpfung gezeigt. Wir fassen hier die wichtigsten Themenkomplexe und Sáfárs Antworten zusammen:

Ich möchte schwanger werden. Kann die Impfung dem Embryo schaden oder wie lange vorher sollte ich mich impfen lassen?
Sáfár: Die zweite Impfung sollte vier Wochen vorher gemacht werden. Dann sollte das gar kein Problem werden. Und ich empfehle Ihnen die Impfung. Denn wenn Corona in der Schwangerschaft ausbricht, kann das, wie jede Viruserkrankung, den Embryo schädigen. Bei Corona vor allem durch den Sauerstoffmangel.

Es liegen Vorerkrankungen wie Rheuma, Morbus Crohn oder eine andere Autoimmunerkrankung vor. Soll ich mich impfen lassen und kann es zu einem Schub oder zu Reaktionen kommen?
Wenn man eine Autoimmunerkrankung hat, könnte jede Impfung einen Schub auslösen; nicht nur eine Coronaschutzimpfung. Denn wir pieksen damit ja das Immunsystem. Aber bislang gibt es noch keine Daten, ob und wie oft das bei der Coronaschutzimpfung vorkommt. Ich würde es vorher nochmals mit dem Haus- oder Facharzt abklären. Aber eines ist ziemlich sicher: Wenn eine Coronaimpfung einen Schub auslösen könnte, dann würde das eine Coronainfektion ebenfalls tun; und das vermutlich stärker. Daher würde ich eine Impfung empfehlen.

Ich habe kardiale Vorerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen.
Ich sehe da kein erhöhtes Risiko, eine kardiale Vorerkrankung ist kein Ausschlussgrund für eine Impfung. Im Gegenteil: Gerade bei solchen Vorerkrankungen ist es besser, gegen Corona geschützt zu sein. Die Impfung bietet einen 95-prozentigen Schutz. Und sollte man es dennoch bekommen, dann ist der Verlauf deutlich leichter.

Ich nehme blutverdünnende Mittel. Und: Wie hoch ist das Blutungsrisiko durch die Spritze?
Beides ist aus meiner Sicht kein Problem. Es werden ganz dünne Nadeln verwendet. Und es ist nicht zu erwarten, dass es wegen der Medikamente eine Reaktion gibt.

Ich habe eine Histaminintoleranz.
Es ist nicht bekannt, dass dies zu Komplikationen bei der Impfung führt. Aber Sie sollten das vorher angeben, damit die Kollegen im Impfzentrum das wissen. Nach der Impfung soll ja jeder noch 30 Minuten zur Beobachtung bleiben. Falls es wirklich eine allergische Reaktion geben sollte, können die Kollegen sofort reagieren.

Ich mache eine Chemotherapie oder habe eine Bestrahlung hinter mir.
Direkt während der Chemo sollte man sich nicht unbedingt impfen lassen. Aber ansonsten empfehle ich es Ihnen ganz dringend. Man muss nur wissen: Eine Chemo beispielsweise kann die Wirksamkeit des Impfstoffs hemmen.

Ich habe COPD oder eine andere Lungenkrankheit.
Genau dann ist eine Impfung besonders wichtig. Denn das Coronavirus greift die Atemwege an – also genau den Bereich, der ohnehin geschwächt ist. Wenn Sie irgendwo genau das Gegenteil gelesen haben, dann ist das dort schlicht und einfach falsch.

Es gibt Überlegungen, zwischen der ersten und der zweiten Impfung mit dem Biontech-Impfstoff mehr als die empfohlenen drei Wochen vergehen zu lassen. Das macht mir etwas Sorgen.
Der Hersteller muss ein solches Zeitfenster mit angeben beim Antrag auf Zulassung. Aber aus wissenschaftlicher Sicht sehe ich keine Gründe, wenn zwischen den beiden Impfungen etwas mehr Zeit vergeht. Man muss wissen: Zwei Wochen nach der ersten Impfung ist man schon weitgehend geschützt. Die zweite Impfung dient nur noch der Verstärkung.

Ich will mich auch gegen Pneumokokken impfen lassen. Wie lange muss ich nach einer Corona-Impfung warten? Und: Verträgt sich eine Grippeimpfung mit einer Corona-Impfung?
Die offizielle Empfehlung lautet, man solle vier Wochen warten zwischen zwei Impfungen. Aber ich persönlich sehe auch keine Gefahr, wenn der Abstand kürzer ist. Eine Grippeimpfung schließt keine anschließende Corona-Impfung aus.

Gibt es Unterschiede zwischen den Impfstoffen von Biontech und Moderna und kann man wählen?
Bei beiden ist der Zuverlässigkeitsgrad gleich hoch. Aus wissenschaftlicher Sicht sehe ich da keinen großen Unterschied in der Wirkweise. Wählen kann man nicht. Das Einzige, was garantiert sein muss: dass im Impfzentrum bei der ersten und der zweiten Impfung der gleiche Wirkstoff verwendet wird.

Wirkt der Impfstoff gegen die Mutationen?
Wie es im Moment aussieht, ja. Außerdem: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Möglichkeiten hat das Virus zu mutieren.

Greift die Impfung in mein Erbgut ein?
Nein. Mit diesem Impfstoff wird nur die Zelle angeregt, selbst Antikörper zu bilden.

Werden Sie sich impfen lassen?
Wie Sie vorher schon in der RHEINPFALZ lesen konnte: Ich bin von dieser Impfung voll und ganz überzeugt – und ich werde mich umgehend impfen lassen, wenn ich drankomme. Und: meiner Meinung nach sollte man Angst vor Corona haben, nicht vor der Impfung.

Kann ich mich liegend impfen lassen?
Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen. Aber da müssen Sie im Impfzentrum nachfragen.

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