Selchenbach / St. Wendel
Rekordverdächtig: Hans Kirsch ist seit 40 Jahren Vereinsvorsitzender
Schmied, Polizist, Gewerkschafter, Kommunalpolitiker: Es gibt viele Stationen, die Hans Kirsch bereits hinter sich hat. Mit 81 Jahren ist der Selchenbacher längst im Ruhestand, doch von Ruhe kann für ihn keine Rede sein. Seit 40 Jahren – und damit seit der Gründung – ist er Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Ostertal, der sich mit der Regionalgeschichte des gleichnamigen Gebiets befasst.
„Das hat viel mit Heimatliebe zu tun“, erklärt Kirsch sein langjähriges Engagement im Vereinsvorstand. Schon früh habe er sich für die Regionalgeschichte interessiert, was 1983 dazu führte, dass er sein erstes Buch veröffentlichte: die Chronik des St. Wendeler Stadtteils Saal, wo er als Sohn eines Bäckers zur Welt gekommen ist. Auch der 1954 dort geborene Lehrer Klaus Zimmer, der 2018 verstarb und zuvor einiges an Forschungsarbeit für den Heimat- und Kulturvereins leistete, habe daran mitgewirkt. „Wir hatten zwar die Geschichte von Saal erforscht, aber noch nicht die der anderen Dörfer des Ostertals“, sagt Kirsch.
Ausstellungen, Lesungen, Wanderungen
Am 6. Juli 1985 hatten sich 21 Männer und Frauen in einem Gasthaus in St. Wendel getroffen, um den Verein zu gründen. Von da an standen unter anderem Wanderungen, Kunstausstellungen, Bücherlesungen und andere Vorträge auf dem Programm. Bis heute ist der 1. November mit einer Kulturveranstaltung in Hoof ein regelmäßiger Termin im Vereinskalender. Für dieses Jahr sei ein kostenloser Vortrag über das Ostertal in der Nachkriegszeit geplant, kündigt Kirsch an.
Aktuell verzeichne der Verein rund 70 Mitglieder, von denen der Großteil im Saarland lebe. „Vor zehn Jahren hatten wir noch 85 Vereinsmitglieder“, sagt der langjährige Vorsitzende. Zwar dürfe sich der Verein regelmäßig über Neuzugänge freuen, doch gleichzeitig würden viele Mitglieder altersbedingt ausscheiden.
Einsatz für Denkmäler und Völkerverständigung
Welche Erlebnisse aus 40 Jahren besonders in Erinnerung geblieben sind? Hans Kirsch und seine Ehefrau Marianne Kirsch, ebenfalls im Vereinsvorstand engagiert, fallen sofort mehrere Beispiele ein: etwa die Entdeckung einer Römersiedlung am Heidenbösch bei Bubach oder der Erhalt einer historischen Dorfschmiede in St. Wendel, die laut dem Vereinsvorsitzenden „einmalig für das Saarland“ sei. 2018 wurde sie vom Landesdenkmalamt als „historisches Einzeldenkmal“ eingestuft, nachdem die Befürchtung im Raum stand, dass das Gebäude für einen Spielplatz abgerissen wird.
Ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte, der laut Kirsch in den USA für mediale Aufmerksamkeit sorgte: ein Versöhnungstreffen ehemaliger Kriegsgegner auf dem Buberg. 1944 musste dort ein US-amerikanischer Bomber notladen, nachdem er von einem deutschen Jagdflugzeug beschossen wurde. Mehr als 50 Jahre danach gelang es dem Verein, noch lebende Besatzungsmitglieder ausfindig zu machen. 1996 besiegelten die US-Amerikaner Ed McKenzie und John Blaylock mit dem Münchner Hans Berger auf Einladung des Vereins auf dem Buberg die Freundschaft.
Brückenbauer zwischen dem Ostertal und den USA
Enge Verbindungen in die USA haben Kirsch und der Verein außerdem wegen „Captain Daniel Little“. So lautet der Name eines Auswanderers, der 1739 in die USA emigrierte und später beim Militär in den Dienstgrad eines Captains erhoben wurde. „Es gibt in den USA eine Familienvereinigung mit 260 Mitgliedern, die sich zum Ziel gesetzt hatte, mehr über die Herkunft ihres Vorfahrens zu erfahren“, sagt Kirsch. 2017 hätten sich Vertreter zunächst an den damaligen Ortsbürgermeister von Konken, Fritz Emrich, gewandt, der schließlich den Heimat- und Kulturverein für die Ahnenforschung einschaltete.
Mitglieder des Vereins hätten anschließend etliche Archive durchwühlt und Dokumente durchgeblättert – und tatsächlich herausgefunden, dass Daniel Little 1731 als Johann Daniel Klein in Kusel geboren wurde. Laut Kirsch folgten daraufhin mehrere Besuche von Angehörigen der Großfamilie im Saarland und in der Westpfalz, um die deutsche Urheimat ihres Vorfahren kennenzulernen. „Es sind dadurch viele Freundschaften entstanden“, sagt Marianne Kirsch, die mit ihrem Mann immer noch mit Nachfahren aus Kalifornien im stetigen Austausch steht.
Auch entfernte Verwandte der Klein-Familie aus Bubach hätten inzwischen an den Jahresversammlungen der Großfamilie in den USA teilgenommen, sagt Kirsch. Für seinen Einsatz, „Cousins und Cousinen“ aus zwei Kontinenten zusammenzubringen, erhielt er erst vor wenigen Monaten im August eine Ehrentafel.
Letztes Projekt soll 2026 fertig werden
Wie lange er noch als Vorsitzender weitermachen möchte? Kirsch stellt in Aussicht, seine bis 2027 laufende Amtszeit als Vorsitzender planmäßig zu Ende zu führen – „dann ist für mich aber wirklich Schluss“. Ein großes Projekt möchte er bis dahin noch zu Ende bringen: den Abschluss der Chronik des mittleren Ostertals, die den Schwerpunkt der historischen Vereinsarbeit darstellt. Das Thema des fünften Teil der Reihe, die 1990 mit Klaus Zimmer als Autoren startete: die Geschichte des Ostertals von der Nachkriegszeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Zur Sache
Der Heimat- und Kulturverein Ostertal hat anlässlich seines 40-jährigen Bestehens ein neues Buch veröffentlicht: Unter dem Titel „40 Jahre Heimat- und Kulturverein Ostertal“ gibt es einen Einblick in Höhepunkte der Vereinsgeschichte von 1985 bis 2025. Das 340-seitige Werk kostet 30 Euro und kann bei Ewald Wailersbacher per E-Mail an familie.wailersbacher@t-online.de oder telefonisch unter 06856 660 bestellt werden.