Kusel Redaktion vor Ort: Leser beklagen Schmutz und Müll, Verkehrsregeln und schlechte Verbindungen

Ins Gespräch vertieft: Paul Rapp, Fritz Vorherr, RHEINPFALZ-Mitarbeiter Klaus Schummel und Redakteurin Michelle Pfeifer (von lin
Ins Gespräch vertieft: Paul Rapp, Fritz Vorherr, RHEINPFALZ-Mitarbeiter Klaus Schummel und Redakteurin Michelle Pfeifer (von links).

Herrliches Frühlingswetter stimmt milde. Und doch haben Leser gegenüber der RHEINPFALZ überwiegend ihrem Unmut Luft gemacht. So geschehen am Freitag auf dem Kochschen Markt.

Ja, das Städtchen dürfte sauberer sein: So ließe sich diplomatisch ausdrücken, was der ein oder die andere mit markigeren Worten beschrieben hätte. Das Erscheinungsbild der Kreisstadt liegt nicht wenigen Kuselern – und auch Bürgern aus dem Umland – offenkundig sehr am Herzen. Das hat sich am Freitag wieder gezeigt, als die RHEINPFALZ-Redaktion vor Ort auf dem Kochschen Markt Station gemacht hat.

Zwei Stunden lang haben Redakteurin Michelle Pfeifer und Redakteur Christian Hamm zugehört und selbst geplaudert, Kritik und Anregungen entgegengenommen sowie „Dubbetassen“ verteilt. Mit von der Partie war auch RHEINPFALZ-Mitarbeiter Klaus Schummel, der erst seit wenigen Wochen die Ausgabe mit seinen Beiträgen bereichert und zurzeit Augenzeugen der Geschehnisse in den letzten Tagen und Wochen des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren zu Wort kommen lässt.

Leser meint: „Kehren kann wirklich jeder“

Ist Kusel rein optisch zum Fremdschämen? „Ich habe mich wirklich fremdgeschämt“, erzählte Roland Benner von einer Begebenheit, die nicht lange zurückliegt. Besuch aus Nürnberg habe er nach Kusel mitgenommen – dem Mann sei das ein oder andere sofort ins Auge gefallen. In der Altstadt der Franken-Metropole sehe es aus wie geleckt, weiß Benner auch aus Anschauung. Kusel? Oh je.

Der heute in Wahnwegen beheimatete Benner war eigens gekommen, um seine Kritik anzubringen. Wobei der seit dem vergangenen Jahr für die Wählergruppe Votum im Kreistag sitzende Schellweilerer nicht etwa voll auf die Stadtspitze oder den städtischen Bauhof einhieb. Vielmehr forderte er, sinnbildlich wie tatsächlich, auch mal vor der eigenen Tür zu kehren. Denn „kehren kann jeder“, verdeutlichte Benner, der den Hinweis an Anlieger adressierte, ausdrücklich auch an manche Institutionen und Behörden, die sich kaum mehr um die Gehwege und Rinnen ihrer Sitze kümmerten.

Sauberkeit seit Jahren Dauerbrenner-Thema

Das Erscheinungsbild der Stadt ist seit Jahren ein Dauerbrenner-Thema. In dieselbe Kerbe wie Benner schlug auch Ursula Mühlhan. Sie wünscht sich ebenfalls mehr Sauberkeit. Müll an den Straßen, viel Unkraut und Dreck bemängelt sie. Dass der Bauhof das alles nicht allein stemmen kann, sei ihr bewusst. Dabei seien die Anwohner ja mitverantwortlich dafür, wie es vor ihrer Haustür aussieht, weist sie auf die Kehrpflicht hin. Härteres Durchgreifen seitens der Behörden oder zumindest eine eindringliche Erinnerung oder Aufforderung brächten da vielleicht schon Besserung, so die Kuselerin. „Wenn die Stadt dreckig ist, wird auch weiterhin einfach alles hingeworfen.“

Das Thema Müll treibt auch einen Leser aus Etschberg um. Er zeigt Fotos von gelben Säcken, die auf der Straße und den Gehwegen verteilt liegen. Ihn ärgere, dass sich die Kreispolitik letztlich für die Beibehaltung der leichten gelben Wertstoffsäcke und gegen die Einführung der gelben Tonnen entschieden hat. Auch er bemängelt, dass viel Müll wahllos in die Gegend geworfen werde. Elektrogeräte, Klos, alte Reifen – insgesamt 2,5 Tonnen Müll seien bei einer Müllsammelaktion entlang der Etschberger Gemarkungsgrenze eingesammelt worden.

Auch Personennahverkehr kommt zur Sprache

Die schwierigen Anbindungen des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis bemängelte das Ehepaar Weber aus Reichweiler. Von ihrem Wohnort aus komme man unter der Woche zwar recht gut mit dem Bus in die Kreisstadt, am Wochenende sehe das jedoch anders aus. Das Ruftaxi verkehre dann nur wenige Male – „und das eben meist auch nicht zu den günstigen Zeiten“, erklärt Otmar Weber. „Für Leute, die noch älter sind als wir, ist das durchaus schwierig“, ergänzt seine Frau Marion.

Besonders wenn man ein weiteres Ziel wie Kaiserslautern ansteuere, sei man ob der letzten Ruftaxi-Rückfahrt von Kusel nach Reichweiler doch sehr stark gebunden beziehungsweise eingeschränkt. Eine bessere Anbindung auch an den öffentlichen Nahverkehr benachbarter Landkreise und Städte würde sich das Ehepaar wünschen. Um etwa nach St. Wendel zu fahren, müsse man von Reichweiler aus erst nach Schwarzerden laufen.

Diedelkopf anno 2025: Mobilfunk nur hinterm Haus

Hans Heil sieht in Sachen Handyempfang in Diedelkopf großen Handlungsbedarf. Der sei nämlich praktisch kaum vorhanden. Um telefonieren zu können, müsse er jedes Mal hinters Haus gehen und selbst dann funktioniere es nicht immer. Im Jahr 2025 ein Unding für den Diedelkopfer. „Wir können noch nicht einmal auf 100 Meter telefonieren“, sagt er. Auch beim Glasfaserausbau sieht er noch eine Menge Luft nach oben. So müssten Anwohner mehr ins Boot geholt werden, wenn es darum geht, dass vor ihrem Haus Löcher in die Straße gegraben werden und dann womöglich – wie in seinem Beispiel – längere Zeit nicht geschlossen werden.

Auf dem Kochschen Markt hat die RHEINPFALZ am Freitag ihren Stand aufgeschlagen.
Auf dem Kochschen Markt hat die RHEINPFALZ am Freitag ihren Stand aufgeschlagen.

Einige Leserinnen und Leser schilderten komplexe Sachverhalte, die sie gerne beleuchtet wissen möchten: Die RHEINPFALZ wird da nachhaken, etwa im Fall von Wolfgang und Gertrud Roos, die unter anderem ein ernsthaftes Problem mit der Post haben, etwa auch bei einem Anliegen von Manfred Flaig. Jene drei haben übrigens auch die nicht enden wollende Geschichte von der Sanierung der Straße Am Vogelsang ins Gespräch gebracht. In diesem Zusammenhang monierte das Ehepaar Roos die Vorfahrtsregelung in der vielbefahrenen, womöglich bald noch intensiver genutzten Haischbachstraße. Dort gilt bei allen einmündenden Wohnstraßen rechts vor links, was nach Roos’ Worten bis heute tagtäglich zu haarigen Situationen führe.

Lob, Erinnerungen und Espresso

Der eine oder andere Leser wollte aber auch einfach nur mal ein paar lobende Worte loswerden, etwa für die Kuseler Geschäftswelt: Schließlich gebe es so einige tolle und vor allem einzigartige Geschäfte in der Kreisstadt „mit besonderem Flair“, lobte eine Leserin. Vieles werde negativ geredet und so das Positive aus den Augen verloren. Dabei gelte es, die positiven Seiten mehr herauszustellen. Es brauche keine Vielzahl an Geschäften, wenn es ein paar wenige richtig gute gebe, so ihre Auffassung.

Fast als ob er es gehört hätte, kam nicht lange später Heiko Emser mit einem Tablett. Der Betreiber der Kaffeerösterei an der Ecke zur Fußgängerzone kredenzte eine starke kleine Spezialität seines Hauses. Zwischenzeitlich waren das frühere Stadtratsmitglied Gerhard Berndt, der CDU-Stadtverbandschef Michael Daniel und Kusel-Kenner Rolf Dick ins Gespräch vertieft. Kunstkreis-Chef Michael Hamburger überbrachte Einladungen zu einer Vernissage. Als die „Redaktion vor Ort“ die Zelte abbrach, standen zu vorgerückter Mittagsstunde noch „alte“ Kuseler beisammen, die sich einiges zu erzählen hatten. Dem früheren Kommunalpolitiker und Soldaten Fritz Vorherr ging der Gesprächsstoff ebenso wenig aus wie Paul Rapp, mit 94 Jahren der Senior am Stand.

Angeregte Gesprächsrunden wünscht sich die RHEINPFALZ auch beim folgenden Termin von Redaktion vor Ort: am Freitag, 9. Mai, von 16 bis 18 Uhr auf dem Mehrgenerationenplatz in St. Julian.

Zwei Stunden lang machten immer wieder andere Besucher am Stand der Redaktion Station.
Zwei Stunden lang machten immer wieder andere Besucher am Stand der Redaktion Station.
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