Wolfstein
Redaktion vor Ort: Bahn kommt bei Lesern im Lautertal schlecht weg
Klar doch: Auf den Süden richten sich die hellsten Strahler, der Norden bleibt ein schwarzes Loch. Die übliche Kritik – im Südkreis übrigens stets mit umgekehrten Vorzeichen formuliert – hat einmal mehr nicht fehlen dürfen. Der erste Besucher hat die RHEINPFALZ mit dem gängigen, wenngleich nicht zu belegenden Vorwurf konfrontiert. Danach aber gab’s ein thematisches Kunterbunt, das locker Stoff für zwei Stunden bot, intensive Gespräche und launiges Geplauder geradezu heraufbeschwor. Zum letzten Mal in diesem Jahr hat die Redaktion am Dienstagvormittag vor Ort den Kontakt mit Leserinnen und Lesern gesucht – und in Wolfstein gefunden.
Die Leser selbst spannten den Bogen – und sie spannten ihn weit. Sei es, dass Jochen Ehnes die bevorstehende Einöller Kerwe pries und für die Stein-Stemm-Meisterschaft am Freitagabend kräftig die Werbetrommel rührte, sei es, dass sowohl die Königsland-Campingplatz-Pächter als auch ein Leser aus Deimberg Probleme rund um die Digitaldaten-Autobahn aufs Tapet brachten. Antonia und Achim Jung haben Probleme mit ihrer Glasfaseranbindung, Werner Gehres kämpft mit Nachwehen von Schlamperei beim Breitbandkabelausbau. Über diese Themen werden wir nun in den kommenden Tagen noch Näheres berichten.
Armin Maldfeld hatte Kritik an die Adresse der Bahn im Gepäck. Oft sei die Lautertalbahn verspätet. „Im Regelfall sind es zehn bis 20 Minuten, und dann wundern die sich über die schlechte Auslastung ...“ Damit nicht genug: Die Bahnsteige entlang der Lautertalstrecke mussten erhöht werden, aktuell wird daran noch in Lohnweiler gearbeitet. Es sei viel Geld investiert worden, auch von den Gemeinden, da ohne Ausbau die Haltepunkte zu verwaisen drohten. „In Kaiserslautern an Pfaffwerk und Hauptbahnhof passiert allerdings nichts, und es fahren auch fast nur alte Züge. Keine Chance für Rollstuhlfahrer“, bemängelt Maldfeld, der auch auf ein konkretes Problem in Wolfstein hinweist: Der Pfad zwischen Kuhbrücke und ehemaliger Gärtnerei, zwischen Lauter und Gleisen, gehöre der Bahn. Das Problem: Mit jedem Hochwasser werde etwas von der Böschung weggespült. Das gefährde den Weg wie die angrenzende Stützmauer. „Wenn die Mauer mal einstürzt, sind die Gleise weg.“ Die Bahn müsse doch im eigenen Interesse dort aktiv werden. „Aber es tut sich nichts“, so Maldfeld.
Auch Hans Immetsberger richtet Kritik an die Bahn: Sein Grundstück grenze an die Strecke, bei stärkerem Regen laufe das Wasser nicht mehr ab, weil die Durchlässe zur Lauter hin dicht seien. Früher habe die Bahn einen Graben ein-, zweimal jährlich ausgehoben, doch das sei vorbei. Zweimal hatte Immetsberger bereits Wasser in der Garage stehen und sich selbst um Hochwasserschutz gekümmert, „auch wenn mancher das belächelt hat“.
Bemängelt wurde, dass in Wolfstein Parkraum aktuell knapp sei, dabei seien an der B270 Flächen vorhanden. Das Haus Molter sei schon im Januar abgerissen worden, der Platz aber noch gesperrt. Stadtbürgermeister Christian Nickel versicherte, dass es dort bald weitergehe und der vorgesehene multifunktionale Platz angelegt werde.
Einige Leser hatten Lob im Gepäck, so Herbert Donauer aus Oberweiler-Tiefenbach oder Gabriele und Hartwig Zapp, die sich jeweils auf einen speziellen Beitrag bezogen. Im Fall Zapp war es beider Liebesgeschichte, über die die RHEINPFALZ am Valentinstag berichtet hatte. Mittlerweile hatte das Paar Goldene Hochzeit.
Dankbar zeigte sich Margot Will vom Förderverein der Stadtbücherei für so einige Veröffentlichungen, viele positive Aspekte Wolfstein lobte auch Monika Klein, die wegen ihrer Arbeitsstelle beim CJD ins Städtchen am Königsberg gezogen ist. „Der neue Stadtbürgermeister ist noch aktiver auf Facebook als sein Amtsvorgänger Herwart Dilly, und das finde ich super.“ Einzig die Gastronomie sei nicht ganz so, wie sie sein könnte. „Und wenn die Züge immer fahren würden, wäre das sehr gut“.
Herwart Dilly selbst hat am Stand vorbeigeschaut, auch so einige andere, die guten Tag sagen wollten und sich Zeit für eine Plauderei nahmen, darunter die früheren Ortsbürgermeister Rudi Geiß aus Kreimbach-Kaulbach und Rainer Hem aus Neunkirchen/Potzberg. Mit Blick auf die bevorstehende 750-Jahr-Feier hatte Rainer Fries einen Kalender mitgebracht, der computerbearbeitete Motive aus Wolfstein zeigte, so wie sie einst ausgesehen haben mögen.
Allerdings hat RHEINPFALZ-Autor Herwig Buntz, der ebenfalls gekommen war, schon beim ersten Blick auf Alt-Wolfstein einen Fehler gefunden. Daraufhin entspann sich eine kleine Diskussion: Wie viele Ecken hat der Bergfried? Vier? Oder sechs, wie auf dem Kalenderblatt? Buntz weiß es genau: „Der Grundriss des Turms ist fünfeckig – das kommt selten vor.“