St. Julian
Redaktion vor Ort: Anerkennung und Kritik sowie ein wehmutvoller Blick zurück
Nette Unterhaltungen, interessante Gespräche, Plauderei mal in dieser, mal in jener Konstellation. Sogar das ein und andere „Wissen Sie noch ...?“, „Erinnern Sie sich, damals ...“ markierte den Einstieg in anregenden Gedankenaustausch. Und siehe da: Episoden von vorangegangenen Treffen sind tatsächlich gut haften geblieben. Die RHEINPFALZ-Aktion Redaktion vor Ort hat diesmal, in St. Julian, auch Gelegenheit geboten, mal in Erinnerung zu schwelgen.
Über reichlich Besuch an einem wunderschön-sonnigen Tag im Wonnemonat Mai hat sich das Team auf dem Mehrgenerationenplatz freuen dürfen. Sogenannte harte Themen standen diesmal weniger auf der Tagesordnung, Kritische Worte, Anregungen, auch Anerkennung aber wurden – wie gewünscht – geäußert. Übrigens: Kühle Getränke waren ebenso gefragt wie die RHEINPFALZ-Dubbetasse. Die Erinnerungsstücke waren bald allesamt vergriffen.
Klaus Becker hat darauf dankend verzichtet. Warum? Weil er längst schon Tassen besitzt. „Ich komme immer wieder gerne, wenn Ihr hier seid“, sagte der Glanbrücker, der auf einer seiner fast täglichen Zehn-Kilometer-Touren mit dem Fahrrad eigens einen Stopp einlegte. Nur um guten Tag zu sagen, wie der frühere Vorstand der Lauterecker Volksbank meinte. Immer mal wieder – und immer wieder gerne – hatte die Redaktion mit Becker zu tun. Das gilt auch für den ebenfalls in Glanbrücken beheimateten Lauftherapeuten und Berglauf-Trail-Erfinder Günther Bergs, der zusammen mit Ehefrau Heike vorbeigeschaut hatte.
Wie Becker ebenfalls mit muskelkraftbetriebenem Pedalgefährt kam Thomas Rheinheimer aus Offenbach-Hundheim zum Stand geradelt. Allerdings rollte er auf einem besonderen Exemplar an: einem Hochrad. Sonst jogge er auch immer wieder mal am Mehrgenerationenplatz vorbei, verriet Rheinheimer. „Der Platz ist toll geworden. Hier wurde mit dem Geld etwas Gescheites für die Allgemeinheit gemacht und es ist immer was los.“ Rheinheimer verwies auf die von ihm organisierte „Historische Radtour“, die am 19. Juli von Offenbach-Hundheim bis Erdesbach führe – mit Zwischenstation am Mehrgenerationenplatz.
Entwicklung noch längst nicht am Ende
An, auf und rund um diesen Platz ist zwar schon viel passiert, aber die Entwicklung ist noch nicht am Ende angelangt, wie Ortsbürgermeister Philipp Gruber aufzeigte. Kritisiert wurden etwa fehlende Toiletten. Das hat sich bald erledigt. Das Gemeinschaftsprojekt von Turn- und Sportverein und Ortsgemeinde mit dem Toilettenanbau am Sportheim sei auch dank viel ehrenamtlichen Engagements schon weit vorangeschritten.
Bemängelt wurden außerdem zu wenige Schattenplätze sowie fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren. Auch da wird laut Gruber Abhilfe geschaffen: Errichtet werden schon bald eine Nestschaukel, drei Schatteninseln und weitere Sitzgelegenheiten, investiert werden in all das rund 23.000 Euro. Die Betonklötze mit Slacklines schaffen zudem eine weitere Möglichkeit, aktiv zu werden. Die Maßnahme werde über das Leader-Programm zu 70 Prozent gefördert. „Und der Eigenanteil der Gemeinde kommt noch immer vom Schnelltestzentrum“, betonte der Ortsbürgermeister.
Frisbee-Golf, Warenautomat, Tischtennisplatten, Tischfußball wurden damit finanziert. Rund um den Anbau soll noch gepflastert werden und eine Sitzgruppe entstehen. Nahe des Anbaus wird ein Trinkwasserbrunnen errichtet. Da besonders viele Draisinenfahrer Halt in St. Julian machen, gibt es Überlegungen, die Haltestelle zu erweitern. „Das ist relativ wenig Aufwand.“
Rollt irgendwann noch ein Waggon an?
Neben all den Dingen, die schon verwirklicht oder neu angepackt sind, hegt Gruber allerdings noch einen Traum. Wie ließe sich der Platz noch krönen? Bislang reines Wunschdenken ist, irgendwie einen Eisenbahnwaggon an Land zu ziehen und ihn dauerhaft dort zu platzieren. Noch hat Gruber keine Ahnung, wie dies bewerkstelligt werden könnte.
Solcherlei Engagement bringt von allen Seiten Lob ein – geäußert auch am Freitag am Stand, diesmal von einem Gumbsweilerer, der sich zudem auch zufrieden mit der Themenvielfalt in der RHEINPFALZ äußerte. Eine Umstellung sei es allerdings gewesen, als die RHEINPFALZ am Sonntag bereits am Samstag mitgeliefert wurde. Der Leser sagte, er lege die siebte Ausgabe seither immer bis zum Sonntag zur Seite.
Bedauert wurde mehrfach die als zu gering empfundene Fußballberichterstattung. „Die niedrigen Klassen fehlen mir, stattdessen gerne etwas weniger Kultur“, befand ein Mann, der die Zeitung lieber „traditionell“ liest, während jüngere Semester, wie sein Sohn, digital Zeitung lesen. Auch Rudi Völkner, der zehn Jahre zweiter Vorstand des örtlichen Turn- und Sportvereins war, fehlen die ausführlicheren Fußballberichte. Zudem regte er Ortsangaben bei Spielgemeinschaften mit mehreren möglichen Spielstätten an.
Viel Leerstand heute und einst ein voller Kuhstall
Birgit Jung bedauert den zunehmenden Leerstand im Ortsteil Eschenau, in dem sie auch zu Hause ist. Auch dass man nicht wenige der rund 200 Einwohner gar nicht mehr kenne, weil sich der Ort zu einer „Schlafgemeinde“ gewandelt habe mit vielen Pendlern, die man kaum sehe, findet sie bedauerlich. Zudem zögen die Jüngeren für Studium und Arbeit weg. Dies habe auch Auswirkungen auf den „Wunner-Verein“, Kulturträger in Eschenau.
Der Verein Eschenauer Wunner hatte einst mit dem überregional bekannten Musikereignis „Rock im Kuhstall“ alljährlich Massen angezogen. „Da half jeder mit, heute wäre das nicht mehr zu stemmen“, sagt Birgit Jung mit wehmütigem Blick zurück. Doch nicht nur der Mangel an Helfern, sondern auch das Mehr und Mehr an Auflagen erschwere die Organisation von Festlichkeiten für die Allgemeinheit. „Aber zum 1. November beim Schlachtfest rennen sie uns noch die Bude ein“, berichtet Jung lachend. Während ein Besucher des Redaktionsstands anmerkte, die Kulturberichterstattung der RHEINPFALZ sei zu umfangreich, sei ihr selbst aufgefallen, dass beispielsweise keineswegs immer von Veranstaltungen in der Fritz-Wunderlich-Halle berichtet werde.
Die Erinnerung an „Rock im Kuhstall“ ließ Birgit Jung ebenso in Erinnerungen schwelgen wie ein früherer Besuch bei der Redaktion vor Ort: Damals habe sie einen Kuchen im Ofen vergessen, so sehr habe sie sich am RHEINPFALZ-Stand ins Gespräch vertiefen lassen. Der Kuchen war schwarz und nurmehr mülleimertauglich. Der Redaktion aber nahm sie dies nicht krumm. Im Gegenteil: Die Wahl-Eschenauerin versprach, bei einem nächsten Besuch eigens einen Kuchen zu backen. Prompt versorgte sie beim folgenden Stelldichein die Redakteure mit süßem Backwerk.
Zehnjähriger liefert die Idee zum Flohmarkt
Auch der Vorsitzende des Fördervereins des Mehrgenerationenplatzes, Michael Wiese, schaute beim blauen RHEINPFALZ-Pavillon vorbei, ehe noch die letzten Vorbereitungen für den Flohmarkt am Folgetag erledigt wurden. Zum zweiten Mal veranstaltete der Verein am Samstag vor Muttertag den Markt, der als fester Termin im Veranstaltungskalender Platz finden soll.
Dass sich diesmal circa 40 Teilnehmer angekündigt hatten, die Töpfe, Kleidung, Deko und Co. an den Mann und die Frau bringen wollten und damit doppelt so viele wie im Vorjahr, stimmte den Vorsitzenden sehr zufrieden. „Wenn nächstes Jahr noch mal 20 mehr kommen, reichen unsere Tische nur nicht mehr“, sagte er lachend. Die Idee, einen Flohmarkt auf dem Mehrgenerationenplatz zu veranstalten, stammte dabei von seinem zehnjährigen Sohn Max. „Er hat gesagt: ,Papa, wir könnten einen Flohmarkt machen“, erzählte der stolze Familienvater. Im Verein wurde der Gedanke besprochen und die weiteren Schritte eingeleitet.
Für den Verein ist der Flohmarkt eine weitere kleine Einnahmequelle, um ein paar Euro zu generieren, die wiederum in den Platz gesteckt werden. Der Erlös aus Standgebühr und dem Verkauf von Speisen und Getränken ist Wiese zufolge in diesem Jahr für die Anschaffung eines Sonnensegels für den Sandkasten vorgesehen. Weitere Einnahmen erzielt der Verein durch einen Verkaufsautomaten, der auf dem Platz steht, sowie einen Automaten mit Blumensamenbomben und Bällen für den Tischkicker.
Dippelbrüder zählen noch immer viele Mitglieder
Noch mehr Berichte über Vereine und deren Nöte würde Günter Hübner gern sehen beziehungsweise lesen. Der Dilljer ist Vorsitzender und Gründungsmitglied der ortsansässigen Dippelbrüder, die mit rund 200 Mitgliedern noch verhältnismäßig gut dastünden. Nicht zuletzt sei dies jedoch auch der Auflösung vieler umliegender Wandervereine geschuldet, deren Mitglieder sich dann den Dippelbrüdern angeschlossen hätten. Hübner mit Blick auf den Verein und die Wandertage, die dieser veranstaltet: „Solange wir gesund sind und noch genügend Helfer haben, machen wir das weiterhin.“