INTERVIEW: Karl-Heinz Halter ist in der Fußball-Region bestens bekannt. Zusammen mit Hauptsponsor Marc Lanzenstiel erlebte er den Oberliga-Aufstieg und den Gewinn des Südwest-Pokals. 2017 dann die Trennung. Nun kehrt Halter zum SV Morlautern zurück. Wie lauten ihre Ziele?
Was sind die konkreten Aufgaben von Karl-Heinz Halter als „Sportlicher Koordinator Jugend und Aktive“?
Marc Lanzenstiel:Karl-Heinz Halter soll die Bereiche Jugend und Aktive verzahnen. Es gab bei uns keine durchgehend funktionierende Entwicklung von der Jugend hin zu den Aktiven über eine zweite oder dritte Mannschaft. Unser gut aufgestellter Jugendbereich soll durch ihn noch besser gute Spieler an Land ziehen, diese fachlich ausbilden und bei Laune halten. Dazu soll die Fortbildung der Trainer ausgebaut werden und auch die Vernetzung mit den Aktiven. So sollen auch Spieler der ersten Mannschaft an der Trainingsarbeit beteiligt werden. Halter kann im fußballerischen Bereich und bei organisatorischen Dingen begeistern und motivieren. Er soll seine wertvolle Erfahrung einbringen.
Die größte Baustelle war im letzten Jahr die zweite Mannschaft mit desolaten Auftritten mit teilweise zweistelligen Niederlagen. Jugendliche konnten dadurch keine Erfahrung sammeln, und Spieler der ersten Mannschaft wurden durch einen Einsatz in der Zweiten nicht gefördert, sondern haben diesen eher als Strafe empfunden. Keiner hatte Lust, zweistellig abgeschlachtet zu werden. Hier soll Halter einen kompletten Neuaufbau planen. Er soll eine wettbewerbsfähige Mannschaft mit jungen, hungrigen Spielern aufbauen, die auch bereit sind, sich über die Zweite nach oben zu empfehlen.
Karl-Heinz Halter: Die erste Mannschaft funktioniert. Da besteht wenig Handlungsbedarf. Ich sehe in Daniel Graf einen Trainer, der gute Arbeit leistet, mit den Spielern spricht und sportliche Erfolge vorweisen kann. Das Aufgabenfeld erste Mannschaft ist momentan, wenn nichts Außergewöhnliches passiert, für mich jetzt schon abgeschlossen. Der Unterbau bereitet mir aber Kopfzerbrechen und muss neu aufgebaut und gepflegt werden. Im Jugendbereich wurden schon gute Grundlagen geschaffen. Im A-Klasse-Team wird es zukünftig ein anderes Bild geben, und die Spieler werden auch wieder Spaß haben. Wir haben mit Dominik Fuchs, vorher Spielertrainer beim SC Siegelbach, die Trainerstelle sehr gut besetzt. Die Achse bilden der erfahrene Torhüter Marco Rheinfrank mit Diego Deho und Torsten Zinn, die den Verein und das Umfeld gut kennen. Sie sollen junge Talente führen, die hohe Qualität mitbringen und Perspektive nach oben haben. Auch ich sehe hier meine ersten Hauptaufgaben.
Wie war das Gefühl, den FV Bruchmühlbach zu verlassen und zum alten Verein zurückzukehren?
Halter: Der FV Bruchmühlbach war für mich von den Personen her eine sehr angenehme Station. Da ich aber noch nie so oft als Verlierer vom Platz gegangen bin wie in dieser Saison, ist mir der Abschied offen gesagt dann doch nicht so schwer gefallen. Ich kann bei Niederlagen nachts nicht schlafen. Natürlich hätte ich gerne weiter dort etwas aufgebaut. Ich werde aber nicht jünger und hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, eine andere Herausforderung abseits des Trainerjobs zu suchen. Aber es ist schon totales Neuland, wenn ich zu Saisonbeginn vor einer Mannschaft stehe und ein anderer die Ansprache hält. Das ist trotz vertrautem Umfeld ungewohnt. Aber genau dieser Herausforderung will ich mich stellen.
Wie waren die ersten Tage in einer nach langen Trainerjahren vollkommen neuen Funktion?
Halter: Ich bin froh, den Schritt gewagt zu haben, und bin ganz entspannt. Es macht total Spaß, Neuland zu betreten. Wer mich kennt, weiß, dass ich nahe dran bin am Geschehen und in meiner Funktion Gas geben werde und diese lebe. Ich habe kein Problem, mich nicht in der Trainerposition zu sehen, die mit Daniel Graf sehr gut besetzt ist. Ich schätze ihn sehr. Seine Arbeit beim SVM ist, wie auch vorher in Steinwenden, hervorragend. Ich freue mich sogar, dass mein Puls nicht mehr in jedem Spiel an der Außenlinie auf 160 sein wird. Das ist sogar gewollt. Ich habe bewusst die Trainerposition aufgegeben. Ins operative Geschäft werde ich nicht eingreifen. Definitiv auch nicht in Aufstellungen. Aber natürlich wird es einen Austausch geben, und als Sportlicher Leiter bin ich dann auch in allen sportlichen Belangen zuständig und berechtigt, auch Grundsatzentscheidungen zu treffen.
Die Neubesetzung polarisierte in der Öffentlichkeit und sogar im eigenen Verein. Viele meinen, dass eine gemeinsame Zusammenarbeit mit den drei „Alphatieren“ Graf, Halter, Lanzenstiel nicht funktionieren kann.
Lanzenstiel: Ich sehe diese Gefahr nicht. Ich habe mich schon immer komplett aus dem sportlichen Bereich rausgehalten und traue Graf und Halter zu, sich an ihren Verantwortungsbereich zu halten und diesen optimal auszuüben. Ich habe gesehen, dass im letzten Jahr im Verein vieles schiefgelaufen ist und wir dringend handeln mussten. Es gab trotz des sportlichen Erfolgs der ersten Mannschaft zu viele gravierende Baustellen. Warum habe ich dann wohl Halter zurückgeholt? Das ist ganz einfach! Keiner hatte sich um diese Baustellen gekümmert, und ich bin der Überzeugung, dass Karl-Heinz genau das kann und er die Dinge auch anpackt. Er kennt den Verein und ist fußballbekloppt wie ich. Wir glauben, dass er die Probleme lösen kann. Unsere Cheftrainerposition ist mit Daniel Graf kompetent besetzt. Hier besteht kein Handlungsbedarf. In den anderen Bereichen soll Karl-Heinz, der den Verein kennt wie kein anderer, möglichst bald professionelle Strukturen schaffen. Wenn ich sehe, welche Begeisterung er jetzt schon mit seiner Erfahrung aus dem Jugendzentrum bei den Jugendspielern entfacht hat, bin ich überzeugt, dass er auch für diesen Bereich der Richtige sein wird. Mir war klar, dass die Entscheidung für Halter sowohl im Verein als auch außerhalb polarisieren wird. Im Mittelpunkt steht für mich aber, dass wir alles tun werden, um unsere ehrgeizigen Kräfte für einen gemeinsamen Erfolg zu bündeln.
Halter: Ich bin kein Falschspieler und habe nicht die Absicht, alles an mich zu reißen und Unruhe zu erzeugen. Ich möchte wie alle Erfolg, so ein Verhalten wäre für keinen erfolgreich. Ich sehe mich durchaus als Teamplayer und als Arbeiter und bin mir auch nicht zu fein, mit den Jugendlichen mit der Harke bei Pflegearbeiten Unkraut zu jäten. Wenn ich Macht um jeden Preis wollte, hätte ich weiter als Cheftrainer gearbeitet. Ich möchte durchaus als starke Position wahrgenommen werden und brauche meine Freiheiten. Ich will aber keinem unserer Trainer reinreden, sondern eher dort, wo meine Erfahrung gefragt ist, unterstützen. Durch diese Funktion will auch ich für mich neue Perspektiven und Erfahrungen gewinnen und mich persönlich weiterentwickeln.
Wie sind die Erwartungen für die neue Verbandsliga-Saison?
Lanzenstiel: Wir hoffen, wieder eine gute Rolle zu spielen. Nach meiner Meinung haben wir uns trotz der Abgänge von Leistungsträgern noch verstärkt. Der Kader konnte trotz Corona großteils gehalten werden und steht. Die größte Konkurrenz wird mit aller Wahrscheinlichkeit der SC Idar-Oberstein sein. Wir sind guten Mutes und hätten nichts dagegen, am Ende ganz vorne zu stehen und aufzusteigen.
Halter: Die Jungs haben eine sehr gute Einstellung. Wir haben zusätzlich noch junge, hungrige Spieler bekommen, die ihr Können zeigen möchten. Beim Auftakttraining waren 22 Spieler anwesend, die alle fit aus der langen Pause zurückgekommen sind. Ich kenne ja den Kader und schätze ihn sehr stark ein. Meine ersten Eindrücke vom Team haben das noch bestätigt.