Kreis Kusel
Pfingstturnier des Eissportclubs Lauterecken: Strategie, Taktik und jede Menge Spaß
Der Lauterecker Eisstock-Club ist der letzte verbliebene Verein in Rheinland-Pfalz, der die Sportart aktiv betreibt. Beim Pfingstturnier am Sonntag waren Teams aus nah und fern zu Gast, unter anderem eine Nationalmannschaft.
Bereits zum 33. Mal hatte der Eisstock-Club Lauterecken über Pfingsten aufs vereinseigene Gelände eingeladen. Unter den acht Teilnehmern des Pfingstturniers sind beispielsweise Mannschaften aus Dortmund und Bad Nauheim, aber auch ein waschechtes Nationalteam: die besten Eisstockschützen des Herzogtums Luxemburg. Bei optimalen Bedingungen geben die Sportler alles, um ihre Eisstöcke möglichst nah an die Daube zu bringen.
Hoch über der Veldenzstadt thronen die drei Felder des EC Lauterecken. Um 9.30 Uhr startet am Sonntagmorgen das offene Turnier, bei dem in jeder Mannschaft vier Sportler unterschiedlicher Altersklassen und Geschlechter antreten können und das ganz im Zeichen des Fairplay steht, wie Turnierwart Axel Stenzhorn erläutert, der auch als Schiedsrichter zu Werke geht.
Der Eisstock muss nah an die Daube
Es ist sonnig, aber nicht zu warm, und ein laues Lüftchen lässt die Fahnen leicht wehen. Auch die Mauereidechsen wollen sich die angenehmen Temperaturen nicht entgehen lassen, doch jenen erteilt der Schiedsrichter umgehend einen Platzverweis. Wenngleich die Sportler ziemlich zielsicher und die Eidechsen schnell sind: Ein Zusammenstoß mit einen drei bis vier Kilogramm schweren Stock hätte wohl verheerende Konsequenzen für die Vierbeiner.
Eisstockschießen weist einige Ähnlichkeiten zum Curling auf. Gewischt allerdings wird auf den 28 Meter langen Asphaltfeldern selbstredend nicht. Ziel ist es, die Eisstöcke möglichst nah an der Daube zu platzieren, einem Gummiring, der an einen Eishockey-Puck erinnert. Zu Spielbeginn liegt die Daube mittig im roten Zielfeld, sie kann jedoch mithilfe der Eisstöcke verschoben werden. Das Spiel wird durch Taktik und Strategie bestimmt. Versuche, die Wege für den Gegner zuzustellen oder dessen Stöcke aus dem Zielbereich zu schießen, sind Denkansätze sowohl für den Mannschaftsführer – Moar genannt – als auch den ausführenden Spieler. Wichtige Handlungsoption: Wird die Daube aus dem Zielfeld geschossen, kommt sie wieder zurück in die Mitte.
„Klong“ sorgt für Ärger
Ein gutes Händchen und etwas Glück bei der Auswahl der Laufscheibe, die die Geschwindigkeit des Eisstocks beeinflusst, sind wichtig, denn oft entscheiden Millimeter. Gelegentlich wollen Spieler zu viel, dann gleitet der Eisstock nicht übers Feld, sondern rollt auf der Kante durch die Gegend. Haareraufen und Kopfschütteln folgen dann zumeist. Aber auch ein metallisches „Klong“ – ein Zusammentreffen zweier Eisstöcke – sorgt gelegentlich für Ärger. Dass die Sportler sich wie eine große Familie fühlen, ändert nichts daran, dass alle mit großem Ehrgeiz an den Start gehen. Da wird auch mal teamintern nach einem misslungenen Versuch geschimpft: „Das war einfach kein Wurf für einen Linkshänder.“
Am Mittag lassen sich zahlreiche Zuschauer Kaffee, Kuchen, Schwenkbraten und Forelle schmecken und genießen den Panoramablick hoch über Lauterecken. Wie in vielen Vereinen ist es nicht so einfach, Nachwuchs zu finden, doch dank zahlreicher und engagierter Mitglieder sieht sich der EC, der sein Sportgelände und sein Heim ausbaut, gut aufgestellt.
Dortmund am Tabellenende
Am Nachmittag feiert die SG Bad Nauheim/Heppenheim den Sieg. Zum ersten Mal in Lauterecken mit von der Partie ist das Team aus Ebhausen im Nordschwarzwald – auf Anhieb reicht es zu Rang zwei. Luxemburg II erreicht den dritten Rang vor Bad Friedrichshall und Luxemburg I. Die Spielgemeinschaften Mainz/Erfurt, Bad Nauheim und Dortmund belegen die letzten Plätze. Weil die Mannschaftszahl genau aufgegangen ist, konzentrieren sich sie Lauterecker voll und ganz auf ihre Gastgeberrolle.
Info
Ein Freizeitturnier mit zwölf Mannschaften wird am 20. Juli ausgetragen. Zur Tanzfläche werden die Spielfelder beim ersten erste Sommerfest mit Musik am 24. August. Wer Eisstockschießen ausprobieren möchte, kann immer sonntags zwischen 10 und 12 Uhr beim Training vorbeikommen. Stenzhorn empfiehlt den Familiensport, der bis ins hohe Alter gespielt werden kann, ab etwa zwölf Jahren.