Wiesweiler
Ostergeschichte „to go“ zwischen Blumen und Bienen
Wie war das nochmal mit dem Hahn in der Ostergeschichte? Und was genau ist am Ölberg geschehen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen sind im Wiesweilerer Kirchhof zu finden. Doch auch wer die Erzählungen aus der Bibel kennt, kann sich an den mit viel Liebe fürs Detail illustrierten Szenen rund um die Karwoche erfreuen.
Die Idee, den Rundweg um die Kirche mit den Stationen aus dem Leben Jesu zu gestalten, ist während der Pandemie in der Kirchengemeinde entstanden. Damals mussten die Ostergottesdienste abgesagt werden – um eine Alternative zu bieten, haben 2021 erstmals viele helfende Hände den Osterweg organisiert, berichtet Presbyterin Konstanze Klein. Das Angebot unter dem Motto „Geh mit Jesus“ sei auf so positive Resonanz gestoßen, dass nun bereits zum fünften Mal die Ostergeschichte vom Ölberg bis zur Auferstehung kindgerecht, aber dennoch alle Generationen ansprechend zu erkunden ist.
Garten im Sinne von „Schöpfung bewahren“
Mittlerweile hat sich das Angebot laut Klein noch weiterentwickelt – vor allem um blühende Komponenten. Beim Projekt „Zukunftscheck-Dorf“ arbeiten Kirche und Ortsgemeinde zusammen, das katholische Ehepaar Angelika und Bernhard Wiencierz hat sich vor allem der Bepflanzung angenommen. Der Garten ist naturnah gestaltet, ganz im Sinne von „Schöpfung bewahren“ – daher dürfen neben Wildkräutern wie Löwenzahn auch Disteln und Co. wachsen. Was die Natur hervorbringt, ist willkommen und wird ergänzt durch eingebrachte Blumen wie Tulpen und Narzissen, die für Farbkleckse rund um die Kirche sorgen.
Jahreszeitlich bedingt blühen immer wieder andere Pflanzen, erklärt Bernhard Wiencierz, zudem wurde der Fokus auf biblische Pflanzen gelegt. So sind Feige, Weinstock, ein Olivenbaum, Apfelbäume und Rosen neben vielen unterschiedlichen Bienenweiden zu finden. Frisch ausgesät wurde passend zur Ostergeschichte Silberblatt, auch Judasblatt genannt. Zudem gibt es Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen im naturnahen Garten mit Insektenhotel, Tränken, Vogelhäuschen und anderem mehr einladen. So können Gäste das Ambiente im Kirchhof genießen, während Bienen von Blüte zu Blüte fliegen, Vögel zwitschern, Eidechsen an den Bruchsteinmauern umherflitzen und das im Kirchturm lebende Turmfalkenpaar seine Runden dreht.
QR-Codes führen zu passenden Liedern
Weiterentwickelt wurden aber auch die Oster-Stationen, deren Figuren – wenn auch in anderer Anordnung und Kleidung – man von der jährlichen Weihnachtskrippe kennen könnte. Wo zu Beginn laminierte Blätter zur Geschichte in Holzkisten auslagen, stehen heute robuste Schilder, versehen mit QR-Codes, mit denen am Smartphone passende Lieder aufgerufen werden können. Viele Ehrenamtliche hätten das Projekt vorangebracht, die Einsätze seien quasi nicht zu zählen und dauerten weiter an – zum Beispiel gebe es im Sommer eine Gießgruppe. „Uns macht das Spaß, es ist keine Arbeit“, erzählt Anette Jost, die das Projekt zusammen mit Klein von Beginn an betreut. Doch die Aktion stehe und falle mit den Helfern, darum seien die beiden froh um die Unterstützung von Heidi Schneider, Udo Zöllner, Harald Brand und Thomas Baumhardt. Konstanze Klein, Lehrerin an der Grundschule in Meisenheim, hat noch weitere Ideen – wie einen Laufzettel, damit Kinder zusätzlich kleine Aufgaben lösen könnten.
Das Gästebuch zeugt von Besuchern aus nah und fern. „Viele steuern nach der Offenbacher Abteikirche unseren Garten an“, weiß Wiencierz. Klein selbst hat schon Ausflüge mit ihren Schulklassen von Lauterecken über den Radweg nach Wiesweiler unternommen, um das Klassenzimmer gegen den außerschulischen Lernort zu tauschen. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann zudem den nahe gelegenen Spielplatz aufsuchen. Übrigens: In diesem Jahr wird es in Wiesweiler keinen Oster-Gottesdienst geben – dafür ist die Alternative „to go“ für jeden frei zugänglich und wird auch über die Feiertage hinaus offenstehen.