Ruthweiler
Neben der Straße: Fahrbahnteiler erinnert an bayerisch-preußische Grenze
Es lohnt sich, einen Blick auf die Verkehrsinsel zu werfen, denn sie dürfte einzigartig im Kreis sein. Sie entstand vor etwa 40 Jahren und wurde vor 15 Jahren von zwei engagierten Bürgern umgestaltet, so dass sie drei verschiedene Bezüge zum Dorf enthält.
Umgestürzter Stein als Symbol
Am auffälligsten ist eine Ansammlung von behauenen Steinen. Auf ihnen entdeckt man die Buchstaben KB, KL und FL mit der Jahreszahl 1819. Die Steine sollen an die Landesgrenze erinnern, die früher zwischen Diedelkopf und Ruthweiler verlief. Im Wiener Kongress war ein eigenes Territorium geschaffen worden, um den Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld zu entschädigen. Er erhielt die 8,25 Quadratmeilen große „Herrschaft Baumholder“, die seit 1819 „Fürstentum Lichtenberg“ hieß. 1834 verkaufte er die Exklave an das Königreich Preußen, das damit zum Nachbarn des Königreichs Bayern wurde.
Ein umgestürzter Stein drückt aus, dass Grenzen verschwunden sind, während ein neuer Stein auf aktuelle Grenzen verweist. Auf einem Stein liest man auf der Rückseite die Buchstaben LA. Sie beziehen sich aber nicht auf ein Land, sondern sind ein bescheidener Hinweis auf Lothar Schwarz und Alfred Weber, von denen die Gestaltung stammt.
Ein Stück Dorfgeschichte
In der Mitte der Verkehrsinsel verläuft eine geschwungene Buchshecke. Sie soll den Aalbach veranschaulichen, wie der Pfeffelbach in Ruthweiler genannt wird. Die Hecke verbindet die Grenzsteine mit zwei weiteren Steinen, von denen einer in Dachform behauen ist. Auch diese Steine sind ein Stück Dorfgeschichte, denn sie stammen von der alten Brücke über den Aalbach, die nach ihrem Abbruch hier einen würdigen Platz gefunden haben.
Die originelle Anlage ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Ruthweiler nicht nur mit seinem Archiv an die Geschichte der Gemeinde erinnern will.