Kreis Kusel Nach Kritik: „Die Befragung entspricht gängigen wissenschaftlichen Standards“
Für die Umfrage im Vorfeld der Landratswahl im Kreis Kusel hat das Institut für Communication & Marketing-Research (CMR) 500 Personen befragt, was für eine repräsentative Stichprobe in regionalen Umfragen üblich ist, erklärt Werner Dieing, Vorstand von CMR. Gegenüber der RHEINPFALZ hatte ein Landratskandidat mehrere Kritikpunkte geäußert.
Stichprobengröße versus Grundgesamtheit: Laut wissenschaftlichen Standards reiche eine Stichprobe von 400 bis 600 Personen bei einer homogenen Zielgruppe (hier Wahlberechtigte in einem Landkreis) aus, um ein repräsentatives Stimmungsbild zu erstellen, sofern die Auswahl zufällig erfolgt ist.
Die Größe der Stichprobe müsse nicht proportional zur Grundgesamtheit sein. Dieing: „Selbst bei Millionen Wahlberechtigten kann eine Stichprobe von 500 bis 1000 Personen valide Ergebnisse liefern, da die statistische Genauigkeit nicht linear mit der Grundgesamtheit wächst.“
Festnetzanschlüsse im ländlichen Raum: Dass nur Rentner mit Festnetzanschluss befragt worden seien, „ist nicht korrekt“, betont Dieing. Im Gegensatz zu urbanen Gebieten, wo Mobilfunknutzung dominanter sei, nutzten viele Haushalte in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Kusel weiterhin Festnetzanschlüsse. „Diese sind oft Bestandteil von Internet- und Telefonpaketen und werden von Menschen aller Altersgruppen genutzt“, so Dieing, „die Annahme, dass nur Rentner über Festnetz erreichbar sind, ist daher nicht zutreffend.“
Repräsentative Erreichbarkeit: Eine Telefonumfrage über Festnetzanschlüsse könne im ländlichen Raum eine breite Bevölkerungsgruppe abdecken, da sowohl jüngere als auch ältere Menschen in diesen Regionen häufig über Festnetz erreichbar sind. Dieing betont: „Studien zeigen, dass in ländlichen Gebieten die Abdeckung durch Festnetzanschlüsse hoch genug ist, um repräsentative Ergebnisse zu erzielen.“
Soziodemografische Ausgewogenheit: Der Marktforscher erklärt weiter: „Um sicherzustellen, dass die Umfrage repräsentativ ist, wurden die Ergebnisse nach soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Wohnortgröße gewichtet.“ So würden alle Bevölkerungsgruppen angemessen berücksichtigt. Dieing: „Die Umfrage ist repräsentativ für die Wahlberechtigten des Landkreises und wurde nach wissenschaftlich anerkannten Methoden durchgeführt.“
Geografische Abdeckung: Ein weiterer Kritikpunkt war, dass wohl nicht aus jeder Gemeinde im Landkreis Kusel Menschen befragt worden sind. Dieing: „Es ist nicht notwendig, aus jedem einzelnen ,Dorf’ Personen zu befragen, um ein repräsentatives Bild für den gesamten Landkreis zu erhalten. Entscheidend ist, dass die Stichprobe soziodemografisch ausgewogen ist (zum Beispiel nach Alter, Geschlecht und Wohnortgröße).“ Das werde durch die Stichprobenziehung und durch das Gewichtungsverfahren sichergestellt. Die Umfrage berücksichtige die gesamte Bevölkerung des Landkreises Kusel und bietet daher ein realistisches Abbild der Meinungen.
Repräsentativität und Zielsetzung: Die Umfrage ist repräsentativ für die Wahlberechtigten im Landkreis Kusel. Sie erhebt jedoch keinen Anspruch darauf, eine Wahlprognose zu liefern – das war auch nicht das Ziel. Stattdessen liefert sie ein Stimmungsbild, das Einblicke in die Meinungen und Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger gibt, so Dieing.
Bedeutung von Umfragen: „Umfragen sind ein bewährtes Instrument der Meinungsforschung und bieten Entscheidungsträgern wertvolle Einblicke in die Stimmung der Bevölkerung“, sagt Dieing. Er hat unter anderem politische Wissenschaft in Mannheim studiert und war im Anschluss zwei Jahre in den Vereinigten Staaten. Nach einer Station in einem mittelständischen Marktforschungsunternehmen hat sich Dieing mit seiner heutigen Frau vor mehr als 30 Jahren selbstständig gemacht.
Umfragen seien eine Ergänzung zu anderen Formen der Bürgerbeteiligung und kein Ersatz für Wahlen oder umfassende Bürgerdialoge. Auch große nationale Umfragen wie das Politbarometer arbeiten mit Stichproben von etwa 1000 Personen und gelten als repräsentativ für Millionen Wahlberechtigte.
Fazit: Dieing: „Die durchgeführte Befragung entspricht gängigen wissenschaftlichen Standards für regionale Erhebungen und liefert ein repräsentatives Stimmungsbild. Es handelt sich dabei nicht um eine Wahlprognose, sondern um einen Einblick in die Meinungen der Bevölkerung im Landkreis Kusel zum Zeitpunkt der Befragung.“
Blog zur Wahl
Am 23. Februar wählen die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Kusel den Nachfolger von Landrat Otto Rubly (CDU). Alles Wissenswerte zur Wahl, Fakten, Umfragen, Geschichten und mehr finden sich im RHEINPFALZ-Wahlblog.
