Lauterecken-Wolfstein
Nach der Wahl: Künftiger Bürgermeister Philipp Gruber lässt „Messer nicht in der Sau stecken“
Der Tag danach hat ja oft etwas Zerknautschtes an sich – lehrt die Erfahrung. Zumal, wenn es ein Montag ist, oft ein Tag zum Wegwerfen. Der Mann des Abends vom Sonntag war nun am Knautsch-Montag mit ganz profanen Dingen beschäftigt: „Wir müssen noch Plakate abhängen“, außerdem gelte es, Nachrichten zu beantworten. Nicht eben wenige, denn über Philipp Grubers Smartphone war eine kleine Nachrichtenflut hereingebrochen. Die schwappten ab dem Moment, da sich am Sonntagabend Grubers Wahlsieg abzeichnete. Viele wollten dem künftigen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein gratulieren.
Im Laufe des Abends wurden es mehr und mehr. Was schriftlich einging, das will der künftige Verwaltungschef schnell abarbeiten. Schon am Montagnachmittag wollte er damit beginnen. Dabei gab’s nebenbei noch anderes zu tun: Etwa Töchterchen Hannah in der Kita abholen. Sieht die Dreijährige den Papa fortan seltener? Na hoffentlich nicht. „Alles eine Frage der Organisation“, zeigte sich besagter stolzer Papa auch in dieser Angelegenheit optimistisch.
Die Familie freute sich mit dem angehenden Bürgermeister, der in gut sechs Wochen seinen beruflichen Mittelpunkt rund 25 Kilometer glanabwärts verlegen wird. Gruber hat’s dann näher zur Arbeit, wenn er sein neues Büro in der Lauterecker Schulstraße statt des angestammten in der Kreisverwaltung Kusel aufsucht. Dort ist er bislang noch für Spezialaufgaben wie Kreisentwicklung zuständig. Zur künftigen Wirkungsstätte hatte den Bürgermeister in spe am Sonntagabend sein Vater begleitet: Ernst-Günter Gruber schien nicht weniger nervös als sein Filius und stapfte eifrig Pfädchen in den Bodenbelag vor der Machtzentrale im Lauterecker Verwaltungshaus.
Beobachter gut gelaunt und zu Scherzen aufgelegt
Drinnen, wo linker Hand der Behördenleiter residiert und rechts der Büroleiter sein Hauptquartier hat, stand im Vorraum vorm Fenster ein großer Bildschirm, der die eintrudelnden Ergebnisse der Stichwahl abbildete, so wie sie auf der Internetplattform der Verbandsgemeinde mit geringer Zeitverzögerung präsentiert wurden. Zeitig vor Schließung der Wahllokale hatten sich dort, wo es arg eng zuging, die ersten Beobachter eingefunden, alle bestens gelaunt und zum Scherzen aufgelegt. Unter anderem war der frühere Lauterecker Beigeordnete Peter Kriese gemeinsam mit seiner Ehefrau mit von der Partie, Medienleute waren dort am Kritzeln, Knipsen und Posten. Auch Christian Sauers Wahlkampf-Kreativteam war zu sehen.
Die beiden Kontrahenten verfolgten, wie sich Grubers Sieg abzeichnete und zunehmend gewiss wurde. Knapp 40 Minuten, nachdem die Urnen geöffnet worden waren, vollzog sich auf symbolische Weise die Wachablösung: Der Unterlegene schüttelte dem Gewinner die Hand, Christian Sauer umarmte den Mitbewerber, hieb ihm auf den Rücken. Kurz darauf tat es ihm der Noch-Amtsinhaber gleich: Andreas Müller war zweiter Gratulant des Abends.
Allzu frühe Glückwünsche schüttelt Gruber ab
Na ja, streng genommen waren einige andere noch schneller. Denn vorm „Fernsehzimmer“ im Flur waren schon so einige Ortsbürgermeister auf Gruber zugekommen, die zuvor die Wahlunterlagen aus ihren Gemeinden abgegeben hatten. Klar, dass angesichts des komfortablen Vorsprungs der ein oder andere schon den Sieger beglückwünschen wollte, obwohl Gruber noch abwiegelte. Das aber wurde zusehends schwierig: FWG-Parteikollegen kamen strahlend herein, darunter VG-Beigeordneter Olaf Radolak. Auch „Votum für den Landkreis Kusel“ gratulierte: Kreistags-Fraktionschef Harald Leixner und Michael Heß schüttelten Hände. Darüber hinaus war eine Arbeitskollegin aus dem Kuseler Kreishaus in Lauterecken zur Stelle: Abteilungsleiterin Birgit Schnorr freute sich mit dem nun scheidenden Kollegen über dessen Erfolg.
Eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale aber war unversehens auch in Lauterecken Stille eingekehrt. Einige, die Grubers Wahlsieg mitfeiern wollten, hatten es nicht bis dorthin geschafft oder nicht schaffen wollen, stattdessen gleich in St. Julian Station gemacht. Im Ortsteil Gumbsweiler war Siegesfeier angesagt. Im Hof von Steinhauers Mühle war schon gut Betrieb. Drinnen in der Gaststätte kreisten bereits hochgeistig angereicherte Getränke.
Kredenzt hatte sie Ex-Landrat Otto Rubly. Der angehende Landtags-„Lehrling“ kann den Abgang Grubers eher gut verkraften, sein Nachfolger hingegen lässt seinen Kreisentwickler wohl mit anderthalb weinenden Augen gehen. Trotzdem war Landrat Johannes Huber nach St. Julian gekommen, um sich tapfer der Realität zu stellen: Für die Stabsstelle Kreisentwicklung, Förderwesen und Tourismus-Organisation braucht es neue Kräfte.
Gruber will aber nun nicht gleich hinwerfen, um etwa Urlaubsansprüche geltend zu machen. „Ich lasse das Messer nicht in der Sau stecken“, versicherte er. Vieles sei noch zu erledigen in den nur noch sechs Wochen bis zum Amtsantritt. Wie einst Helmut Kohl sagte: Heute wird gefeiert, und morgen wird wieder gearbeitet. So hält es auch Gruber, der am Sonntagabend auf dem Weg von der Verwaltung zur Mühle mit Vater Ernst-Günter noch schnell bei Mutter Uschi reingeschaut hatte. Die hatte wegen vorangegangener Knie-OP passen müssen. Gesellschaft aber war da: Grubers Schwiegereltern waren aus Langweiler angereist.
Sauer liegt richtig mit seinem Tipp
Zum Feiern war hingegen Christian Sauer am Sonntagabend wahrlich nicht zumute. Wenngleich: „Ja, natürlich hofft man. Aber es hat sich ja abgezeichnet, schon beim ersten Ergebnis“, sagte der Kaulbacher. „Ich habe mit meinem Tipp von 40 zu 60 richtig gelegen.“ Wie es nun für ihn weitergeht? „Das liegt nicht in meiner Hand. Der 50-Jährige geht davon aus, zumindest im Sommer noch sein 30. Dienstjubiläum bei der VG zu feiern. Ja, und dann?
„Das entscheidet ja die neue Führung im Haus“, sagt Sauer. In den Schmollwinkel will er jedenfalls nicht kriechen. Es gelte vielmehr: „Ich bin Beamter, als solcher wie ein Soldat. Wo immer ich jetzt eingeteilt werde, erfülle ich meine Aufgabe so gut ich eben kann.“