Oberes Glantal
Nach 30 Jahren im Forstdienst: Werner Schramm geht in Rente
Der gebürtige Saarländer ist immer noch im Saarland zu Hause. Aus der Stadt Bexbach kommend, hat er es nicht weit in sein altes Forstrevier Glantal, wo er die vergangenen acht Jahre als Förster tätig war.
Förster zu werden, stand für ihn nicht von vornherein an erster Stelle. Einer Försterdynastie entstamme er nicht, betont Schramm. In seinem Fall sei es reine Leidenschaft gewesen.
Mit 20 Jahren begann er eine Laufbahn bei der Bundeswehr, verpflichtete sich für zwölf Jahre. Während dieser Zeit entdeckte er seine Leidenschaft für das Jagen. „Ich habe den Jagdschein gemacht und großen Spaß daran“, erzählt er. Seine Leidenschaft wollte er im Anschluss auch zum Beruf machen. „Damals war mir aber noch nicht bewusst, dass das Jagen nicht zum Aufgabenspektrum eines Försters dazugehört.“ Ein Studium der Forstwirtschaft nahm er schließlich an der Hochschule Rottenburg auf. Dadurch konnte er bereits nach zehn Jahren als Soldat freigestellt werden.
Wechsel nach Lauterecken
Nach vier Jahren Studium erhielt Schramm die Berechtigung, als Förster zu arbeiten. Er erzählt, dass er mit 18 weiteren Studienabsolventen nach Koblenz gereist ist, dem Sitz des damaligen Regierungsbezirks. „Dort haben sie uns zwei Listen gezeigt: die eine mit unseren Namen drauf, die andere mit freien Stellenausschreibungen.“ Einen Platz bekam Schramm sofort. Ihn verschlug es nach Boppard, wo er eine Weile blieb. In den Kreis Kusel kam er später, im Jahr 2000, damals ins Forstamt Lauterecken, um als Büroleiter zu arbeiten. Nach der Auflösung des Forstamtes und der Zusammenlegung mit dem Forstamt Kusel zwei Jahre später übernahm er das Revier im Süden des Landkreises.
Reviere größer, mehr Digitalisierung
Tendenziell sind die Reviere größer geworden, erklärt Schramm. Insgesamt fünf Gemeindewaldreviere gibt es im Kreis. Das bedeutet, dass die Kommunen Eigentümer des Waldes sind. Die Größe der Reviere variiert dabei. Das Forstrevier Glantal ist laut Schramm allein über 2000 Hektar groß, eine Folge der Zusammenlegung des Reviers Südkreis mit dem Revier Glan-Münchweiler. „Im Zeitalter der Digitalisierung ist man überzeugt, dass ein Förster für mehr Raum verantwortlich sein kann“, sagt er.
Aber auch der Arbeitsalltag des Försters hat sich verändert: Zu Beginn seines Schaffens habe Schramm noch viel Zeit draußen im Wald verbracht. „Die Aufteilung war etwa zu zwei Drittel draußen und ein Drittel am Schreibtisch“, sagt Schramm. Durch die Digitalisierung habe sich das mehr Richtung Schreibtisch verlagert. Prozesse wie die Entlohnung von Waldarbeitern, die Buchhaltung und Verkäufe finden nicht mehr auf dem Papier statt, sondern digital. Wichtige Maßnahmen im Wald werden nicht mehr per Hand festgehalten, sondern am Computer getippt. „Das ist nach wie vor sehr wichtig“, betont Werner Schramm. Er spricht in diesem Zusammenhang von Försterperioden, die „gut und gerne 30 bis 40 Jahre dauern.“ Ziel ist, dass ein Nachfolger zu jedem Zeitpunkt prüfen können muss, was sein Vorgänger im Wald gemacht hat.
Personalmangel in der Forstwirtschaft
Wie in anderen Branchen leidet auch das Förstertum unter dem Fachkräftemangel. „Das ist ein Problem“, sagt Schramm. Seine Stelle im Forstrevier Glantal sei zuerst intern ausgeschrieben worden. „Da haben wir aber niemanden gefunden.“ Die Gründe dafür sind aus Schramms Sicht vielfältig. „Das Revier ist durch viele kommunale Waldbesitzer geteilt.“ Heißt: Jede Kommune hat eigene Regeln und muss individuell bedient werden. Ein Fortschritt in dieser Hinsicht sei die Gründung des Forstzweckverbandes, die Schramm begleitet hat. „Das ist ein Zusammenschluss von bis zu 14 Gemeinden, die ihre Betriebe zu einem zusammengelegt haben.“ Folgen seien ein Bürokratieabbau und vereinfachte Prozesse.
Aber auch die Größe des Reviers könne mögliche Nachfolger abschrecken. „Hinzu kommt, dass das Waldgebiet zerstückelt ist“, berichtet Schramm. Es handle sich nicht um ein zusammenhängendes Gebiet, sondern „ein bisschen Wald hier und ein bisschen da. Das ist im Vergleich zu anderen Revieren nicht immer attraktiv“.
Erst eine externe Ausschreibung habe einen Nachfolger gebracht. Der neue Förster heißt Nicola Herrmann und stammt ebenfalls aus Bexbach im Saarland. Gelernt hat er in Bayern. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Schramm. Auch nach seinem Wechsel in die Pension wolle Schramm seine Kontakte halten. „Ich bin erreichbar“, sagt er. Und solange sich die Rente weiterhin wie Urlaub anfühle, sei alles gut.

