Kreis Kusel Musikalischer Geschichtenerzähler

Hatte seinen ersten Auftritt in einer Kirche: Michael Fitz.
Hatte seinen ersten Auftritt in einer Kirche: Michael Fitz.

Michael Fitz: Schauspieler, Musiker, ein bekanntes Gesicht und eine bekannte Stimme. 60 Jahre wird der frühere „Tatort“-Carlo diesen Herbst, Premieren erlebt er aber immer noch. Das umjubelte Konzert am Samstagabend in der evangelischen Kirche in Brücken war eine.

Noch nie habe er in einer Kirche, die noch als Gotteshaus genutzt wird, gespielt, sagt der Bayer zur Begrüßung. Rund drei Stunden ist Fitz für seine Fans da – als Geschichtenerzähler, Sänger und Verkäufer seiner Alben. Er macht alles in eigener Regie, ist alleine unterwegs, mit dem Auto. Immerhin müsse er dieses Mal nicht gleich nach dem Auftritt weiter zu einem Drehtag, erzählen Manuel Bücker und Achim Pauli von der Agentur Anderswelt, die Fitz zum zweiten Mal nach 2016 in den Kreis Kusel geholt hat. Er übernachtet in Waldziegelhütte. „Für mich ist das etwas ganz besonderes. Es ist toll, wenn die Leute quasi von Haus aus andächtig sind“, begrüßt Fritz rund 130 Zuschauer. „Ich nehme an, die Kirche ist auch sonst so gut besucht...“. Die Ansagen und Geschichten zwischen den Liedern kommen in bayerisch gefärbtem Hochdeutsch, die Texte aber sind reiner Dialekt. „Es reicht, wenn sie anfangs von sieben Wörtern zwei verstehen“, scherzt Fitz. Der Rest erschließe sich über die Musik. Und die, gespielt mit vier akustischen Gitarren, ist abwechslungsreich. Fitz versteht sich nicht nur aufs gesprochene Wort, sondern auch aufs gesungene – und vor allem aufs Gitarrenspiel. Fingerpicking, Blues, Akustikrock, Spanisches – von Stück zu Stück wechseln die Rhythmen und Genres. Dass Fitz das Publikum mit den Moderationen auf seine Themen hinführt, ist trotzdem hilfreich. Manchmal macht er es etwas langatmig von hinten durch die Brust ins Auge, stets aber mit viel Humor – zur Freude des Publikums, das auch mal zwischendrin applaudiert und öfter herzlich lacht. Es sind die Alltagsgeschichten, das Zwischenmenschliche, die Widersprüche in uns allen, die Fitz thematisiert. Wertschätzung, Anerkennung, Angst, Vergänglichkeit, Liebe, Zaudern, Beziehungskisten – bis in die Zugaben hinein singt der schlanke Barde mit der runden Brille mal zugespitzt mal angedeutet von Dingen, die jeder auf den Kirchenbänken kennt. Mit der Dunkelheit wird die Atmosphäre noch ein bisschen dichter. Ein paar Lieder hat Fitz auch 2016 schon im Programm gehabt, er interpretiert sie leicht verändert, den „Schleudersitz“ etwa, „Ich geh nicht aufs Eis“, „Heut“. Im Original sind die Titel natürlich bayerisch, aber das kann der Pfälzer nicht wirklich gut schreiben. „Jetzt auf gleich“, das Titelstück seiner aktuellen Produktion kommt erst gegen Ende. Den Einstieg macht „Der Besuch“, ein Stück, in dem sich Fitz mit seiner persönlichen Willkommenskultur auseinandersetzt. Die scheint ausbaufähig. Das Pfälzer Ohr jedenfalls glaubt verstanden zu haben, dass ein Besucher bei Familie Fitz damit rechnen muss, schnell mal zum Schrankaufbauen herangezogen zu werden. Das Konzert mit Michael Fitz war nach einem jazzigen Adventskonzert das zweite nicht originär geistliche, das Manuel Bücker in seinem Heimatort in der evangelischen Kirche veranstaltet hat. Die Unterstützung der Kirchengemeinde sei fabelhaft, der Raum größer als der Diamantschleifersaal, der nur für 95 Personen zugelassen ist, und fast ebenerdig zu erreichen. Weitere akustische Konzerte ab und an könne er sich vor Ort gut vorstellen, sagt Bücker. So wird vielleicht auch Michael Fitz mal wieder zu Besuch sein – und für seine Musik und seine Geschichten geliebt werden, auch wenn er keinen Schrank aufschlägt.

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