Lohnweiler / Thallichtenberg
Museum auf Burg zu klein: Zinnfiguren suchen neues Zuhause
Kürzlich hat das Museum auf Burg Lichtenberg Zuwachs erhalten. Es ist der Nachlass von Karl-Heinz Lorenz (1933-2011) aus Lohnweiler, dessen Hobby das Gießen von vollplastischen Zinnfiguren war.
Die Tochter von Karl-Heinz Lorenz, Karin Forster, beschreibt ihren Vater als einen sehr aktiven Mann, der Mitglied im Gesangverein war und gerne wanderte. Vor allem aber sei er kreativ gewesen: „Er schnitzte gerne und malte Ölbilder, vor allem Gebirgslandschaften. Als aus Gesundheitsgründen das Malen für ihn zu anstrengend wurde, entdeckte er das Gießen von Zinnfiguren als neues Hobby. Es wurde in den nächsten 25 Jahren ein wichtiger Teil seines Lebens.“
Detailgetreu nachgebildet
Lorenz richtete sich dafür im Keller eine kleine Werkstatt ein. Dort benutzte er eine Kochplatte, um das Zinn zu schmelzen, sowie zwei kleine elektrisch geheizte Schmelztiegel. Die notwendigen Formen kaufte er anfangs. Später stellte er sie aus Silikon selbst her. Das Gießen erfolgte wegen der Dämpfe im Freien.
Die ersten Zinnfiguren waren 28 bis 30 Millimeter große Soldaten, vor allem aus der preußischen und bayrischen Geschichte. Über die historische Ausrüstung und die Uniformen hatte er sich anhand der Fachliteratur informiert. Die fertigen Figuren bemalte er sorgfältig und stellte sie zu Dioramen zusammen. Später wurde ein zweites Thema noch wichtiger. Als ehemaliger Bahnbeamter interessierte er sich für historische Lokomotiven, die er sehr detailgetreu nachbildete. Die fertigen Modelle wurden auf kleinen, beschrifteten Holzbrettchen aufgestellt.
Zur Feier des Tages einen Zylinder getragen
Auch die ersten Dampfwagen, die nicht auf Schienen, sondern auf der Straße fuhren, fehlen in der Sammlung nicht. Deshalb goss er auch Dampfwagen, wie sie Richard Trevithick gebaut hatte, bevor George und Robert Stephenson immer bessere Lokomotiven konstruierten.
Das aufwendigste Werk von Lorenz ist die Nachbildung der „Ludwigsbahn“, der ersten Eisenbahn in Deutschland, die 1835 zwischen Nürnberg und Fürth verkehrte. Das Zinnmodell nach zeitgenössischen Abbildungen ist etwa 95 Zentimeter lang. Es zeigt nicht nur die aus England importierte Lokomotive „Adler“, sondern auch den englischen Lokomotivführer William Wilson, der zur Feier des Tages einen Zylinder trug. In den zwei offenen und zwei überdachten Wagen sitzen viele Fahrgäste. Lorenz hat auch Figuren von dem staunenden Publikum gegossen, das in Kostümen seiner Zeit an dem spektakulären Ereignis teilnahm, darunter ein Reiter, eine Pferdekutsche und Musikanten, die die erste Zugfahrt feiern.
Figuren sollen Modell der Burg bevölkern
Seine Zinnfiguren hatte Lorenz in einer Reihe von Regalen in der Wohnung aufgestellt. „Sie war ein richtiges Museum“, erinnert sich Forster. Als sie die Wohnung umbauen wollte, musste sie jedoch eine andere Lösung finden. Ihr Vater hatte testamentarisch verfügt, dass die Sammlung zusammenbleiben sollte und seine Tochter für die Verwaltung bestimmt.
Inzwischen werden die Figuren auf Burg Lichtenberg aufbewahrt. Der Burgverwalter Andreas Rauch zeigt sich von der Sammlung beeindruckt und schätzt sie auf etwa Tausend kleinere Figuren und Hundert Lokomotiven. „Dafür hat Lorenz sicher viele Tausend Stunden gearbeitet“, erklärt er. „Aber leider reicht der Platz bei uns nicht und die Figuren passen auch nicht zu dem geplanten Konzept des Museums.“ Er wolle deshalb nur einige Figuren behalten, die Personen aus dem 16. Jahrhundert darstellen. Mit ihnen könnte ein Modell der Burg Lichtenberg, das sich bereits im Museum befindet, bevölkert werden.
Inzwischen hat sich Rauch mit Barbara Schummel beraten, die in Erdesbach ein Spielzeugmuseum eingerichtet hat. Aber auch sie hat keinen geeigneten Raum für die Figuren. Deshalb überlegen die beiden nun, welche Museen für die Sammlungen von Lorenz in Frage kommen. Bei den Lokomotiven wären zum Beispiel die technischen Museen in Speyer und Mannheim Optionen.