Chartstürmer RHEINPFALZ Plus Artikel Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis stellt neue Produktion vor

Düster, düster, die Herren von Saltatio Mortis. In der Mitte posiert der aus Kaiserslautern stammende Sänger und Frontmann Jörg
Düster, düster, die Herren von Saltatio Mortis. In der Mitte posiert der aus Kaiserslautern stammende Sänger und Frontmann Jörg Roth (alias Alea der Bescheidene).

Das haben wahrlich noch nicht viele Bands geschafft: Gleich fünf Mal hintereinander direkt nach dem Erscheinen sofort auf dem ersten Platz der Album-Charts einzusteigen. Die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis hat mit ihrer aktuellen Produktion „Finsterwacht“ genau dieses Kunststück vollbracht. Das Gelingen hat wieder gute Gründe – plus noch ein paar Überraschungen, die den aktuellen Erfolg zusätzlich erklären.

Grundsätzlich gilt: Nach fast einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte spielt die Formation so stark und sicher wie kaum je zuvor. Dabei formt besonders der aus Kaiserslautern stammende Sänger und Frontmann Jörg Roth (alias Alea der Bescheidene) einen Großteil der auch jetzt veröffentlichten elf Titel. Er gibt ihnen damit einen hohen Wiedererkennungswert und der gesamten Band bei Auftritten ein prägnantes Gesicht.

Auch wenn das Ensemble allein schon dadurch überzeugen kann, kommen auf „Finsterwacht“ als überraschende und die Produktion abrundende Momente zum einen noch eine Vielzahl von künstlerisch inspirierenden und ergänzenden musikalischen Gästen dazu. Zum anderen – wenn auch nicht unbedingt dadurch – zeigt das deutlich fantasy-geladene neue Album mehr noch als sonst eine Vielfalt an Themen, stilistischen Elementen und dadurch erzeugten Atmosphären.

Rock trifft Dudelsack

Schon der namensgebende Opener hat es in sich. In Kooperation mit der befreundeten Band Blind Guardian geht es über neun Minuten lang zwischen hartem (Saltatio Mortis)-Rock und vom Dudelsack-Klang getragenen Mittelalter-Sound mächtig ab. Ein getragenes Intro und dann wieder deftige Rockpassagen kennzeichnen den nachfolgenden Titel „Schwarzer Strand“, bei dem die Gruppe Faun mitgewirkt hat. Die weiblichen Singstimmen wirken dabei in der männerdominierten Band besonders eindrucksvoll.

So richtig granitmäßig wird es bei den beiden englischsprachigen Titeln des Albums. Auf „We Might Be Giants“ füllen als Gäste die amerikanischen Vokalisten Peyton Parrish und Cristina Scabbia (letztere leider viel zu leise) die Gesangspartie. Und in „Carry Me“ hinterlässt die vielseitige, dadurch eben auch rockkundige US-Cellistin Tina Guo ihre Spuren. So geht es hörenswert weiter, oszilliert das Septett elegant zwischen traditionellen Mittelalter-Klängen à la Saltatio Mortis und extraharten Rock-Welten hin und her.

„Jetzt wird gesoffen“

Gelegentlich begibt man sich auf dem Album aber auch mal in etwas weniger anspruchsvolle, dafür umso flottere Gebiete: Beim mit der Band Knasterbart produzierten, derben Trinklied „Genug getrunken“ (Folgesatz: „Jetzt wird gesoffen“) und bei der salopp-deftigen Nummer „Aurelia“, eine Art Liebeslied, könnte man in einigen Passagen glatt locker mitklatschen und lauthals mitsingen.

Ansonsten aber sind die Werke der „Finsterwacht“ komplex durchkomponiert und geben in der Regel auch textlich in Sachen Stimmung und Aussage etwas her – so wie etwa im hymnenhaften Schlusstitel „Oh treues Herz“, das vom Abschied eines in den Krieg ziehenden Mannes handelt.

Orks, Hexen und Zwerge

Inhaltlich ist die jüngste Produktion des Septetts klar in Richtung „Fantasy“ ausgerichtet, thematisiert unter anderem Orks, Hexen und Zwerge. Letzteren ist zum Beispiel das Stück „Feuer und Erz“ gewidmet. Der Titel wurde im Übrigen hochprofessionell mit den Prager Symphonikern aufgenommen. Davon gibt es auf YouTube sogar ein starkes „Making of“-Video. Ähnliches Material und insbesondere etliche Video-Umsetzungen von „Finsterwacht“-Titeln in Spielfilmqualität findet man dort ebenfalls, allesamt bildgewaltig und sehenswert.

Wie groß die Nähe zum von der Band geschätzten Fantasy-Genre und speziell zur unter Spiele-Fans beliebten „Das Schwarze Auge“-Welt ist, zeigen allein schon die vielen „Goodies“, die dem Album in der aufwendigen „Finsterwacht“-Fanbox-Version beigefügt sind. Da gibt es nämlich neben der CD noch den in dieser Realität spielenden Roman „Die Feuer der Finsterwacht“ und ein passendes Pen-and-Paper-Rollenspiel (in beiden kommen Saltatio Mortis-Musiker vor), nicht zuletzt auch noch Autogrammkarten und ein spezielles Würfel-Set.

Neue Anhänger gewonnen

Das Warten hat sich also gelohnt. Vier Jahre nach ihrem letzten Album „Für immer frei“ hat Saltatio Mortis wieder etwas Besonderes geschaffen, hat Bewährtes und Neues sauber miteinander verbunden, hat alte Fans zufrieden gestellt und (wie man hört) auch neue Anhänger gefunden. Da ist ein sofortiger und optimaler Charteinstieg „nur“ ein äußeres Zeichen dafür, dass die Band weiterhin auf dem richtigen Weg ist.

Info

Das Album „Finsterwacht“ der Band Saltatio Mortis gibt es in verschiedenen Versionen im (Online)-Handel (Fan-Box) und über die bekannten Streamingportale. Weitere Informationen zur Band und ihrem aktuellen Album (sowie auch dessen Bezugsmöglichkeiten) gibt es auf der Homepage der Gruppe: www.saltatio-mortis.com.

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