Kusel
Mitarbeiter im Impfzentrum erzählen: Ganz viel Dankbarkeit
Christiane Leyser, Impfärztin
Für die 53-Jährige mit Hausarztpraxis in Kusel war es keine Frage, dass sie mit dabei sein würde, sobald das Impfzentrum seinen Betrieb aufnimmt. Denn Leyser war schon mit ihrer Corona-Praxis und eigenen Infektionssprechstunden eine der Vorreiterinnen im Landkreis. Nun kommt sie zweimal im Monat auf den Windhof, um dort für fünf bis sechs Stunden („an Wochenenden auch mal länger“) Impflinge aufzuklären.
Leyser führt ein kleines Büchlein mit allerhand Notizen und Anmerkungen. Dort hat sie auch grob skizziert, was sie den Impfbereiten auf dem Windhof jeweils mitteilt. Am Anfang steht das Abfragen, ob jemand beispielsweise Vorerkrankungen oder Allergien habe; oder sich in den zwei Wochen zuvor eine Zeckenimpfung habe geben lassen.
Danach erkläre sie den Ablauf der Impfungen, weise auf mögliche Nebenwirkungen wie Erkältungssymptome oder Kopfschmerzen hin; und den bei Impfungen vorübergehend etwas tauben Arm. Und sie klärt auf, dass bei Biontech eher nach der zweiten Impfung damit zu rechnen sei, bei Astrazeneca vermehrt bei der ersten. Wirklich starke Impfreaktionen hat sie bis dato noch nicht erlebt. Nicht im Impfzentrum und auch nicht in der Praxis, wo sie und ihre Kollegin Elena Jung ebenfalls impfen.
Allzu viele Fragen kämen in den Runden à acht Personen nicht, sagt sie: „Die Leute haben sich schon sehr viel selbst informiert.“ Dazu laufe ja vor der eigentlichen Aufklärung ein Film mit Hinweisen zu Impfung und eventuellen Nebenwirkungen.
Die Leute seien zwar zumeist gespannt vor der Impfung, aber „auch froh, dass sie jetzt endlich dran sind“, erzählt sie. Nörgler gebe es zwar hin und wieder. Doch die weit überwiegende Mehrheit sei sehr zufrieden, dankbar. Unangenehme Begegnungen hatte sie noch keine, was sie auch auf ein wenig Glück zurückführt: „Ich hatte bisher nur Biontech-Impfungen. Die Probleme kann es ja eher bei Astrazeneca geben.“
Was die Ärztin an der Arbeit genießt: „Da wird einem die ganze Organisationsarbeit abgenommen.“ Das größte Problem für den Einsatz der Hausärzte im Impfzentrum sieht sie an anderer Stelle: medizinische Fachangestellte mitzubringen, die dann die Impfungen übernehmen. Denn die Spritze setzt nicht der Impfarzt. Doch auch da ist sie bislang stets fündig geworden. „Wir wissen ja alle, dass wir nur mit den Impfungen aus der Pandemie rauskommen. Wir leisten unseren Beitrag.“
Steffen Krieger, Sanitäter
Der 44-Jährige ist im Hauptberuf am Kuseler Westpfalz-Klinikum tätig und leitet zudem die SEG im Katastrophenschutz des Landkreises. Er ist auf Wunsch der Kreisverwaltung derzeit vom Klinikum an das Impfzentrum abgeordnet. Ein Wunsch, dem er nur allzu gerne nachgekommen ist. Sein Job auf dem Windhof: Er muss sich um Geimpfte kümmern, wenn diese nach der Spritze gesundheitliche Probleme bekommen.
Aber: Allzu oft ist das nicht der Fall. Gerade einmal 25 Fälle mit Schwierigkeiten verzeichnet das Protokoll der Sanitäter seit dem Start des Impfzentrums Anfang Januar. Nur in zwei Fällen war es etwas Ernsteres. In beiden Fällen hatten die Impflinge allergische Reaktionen. Eine ältere Frau und ein junger Mann. In beiden Fällen war schnell wieder alles in Ordnung.
„Ansonsten ist es vor allem die Aufregung bei jenen, die geimpft werden oder schon geimpft sind“, beschreibt Krieger, der vor allem den Wartebereich nach der Impfung im Auge behält. 15 Minuten lang muss jeder nach der Impfung vorsorglich dort bleiben – erst dann darf er gehen.
Die Aufregung rund um die Impfung sorgt zuweilen dafür, erzählt Krieger, dass der Kreislauf ein wenig schlapp macht. Das Prozedere ist dann quasi automatisiert. Der Impfling wird ins Sanitätszimmer gebracht, damit Krieger ihn untersuchen kann. Blutdruck messen, gegebenenfalls sogar ein EKG machen. „Wir haben ja für Notfälle alles hier, haben hier stets einen voll ausgestatteten Rettungswagen vom Katastrophenschutz hier stehen.“ Zudem sei ja immer mindestens ein Impfarzt im Einsatz, der gegebenenfalls Unterstützung leisten kann, wenn sich die gesundheitliche Beeinträchtigung als etwas schwerwiegender herausstellt. Doch in den allermeisten Fällen ist nach einigen Minuten Ruhe und etwas Zureden alles wieder in Ordnung.
Krieger organisiert auch, dass stets ein Sanitäter da ist, wenn er einmal frei hat. Krieger hat zwar eine Vollzeitstelle – aber an sechs bis sieben Tage die Woche kann er natürlich nicht da sein. „Wir haben dafür eine eigene Whatsapp-Gruppe.“ Helfer zu finden für freie Zeiten, das sei bislang nie ein Problem gewesen.
Auch wenn im Schnitt täglich fast 300 Impfungen gesetzt werden, es also durchaus mal etwas hektischer werden kann, lobt Krieger die Arbeitsatmosphäre. „Das Team hier ist klasse.“ Wenn es sehr stressig wird, packt er daher gerne auch mal an anderer Stelle an – etwa samstags, wenn keiner der Impfkoordinatoren da ist.
Franziska Warnick, Check-in
Als die 28-Jährige aus Homburg („Ich bin aber ein echtes Kuseler Mädchen“) zum Gespräch kommt, hat sie einen Strauß bunter Rosen in der Hand. „Das hat mir gerade jemand geschenkt, der zur zweiten Impfung da war. Und er wollte mir eine Freude machen, weil ich so nett zu ihm war“, erzählt sie gleichermaßen stolz wie etwas schüchtern.
Das hat seinen Grund: Warnick sitzt am Check-in, der ersten Anlaufstelle im Impfzentrum. „Da sind die Leute, vor allem die Älteren, fast alle ziemlich aufgeregt. Und ich versuche, sie ein wenig zu beruhigen.“ Mancher überspiele seine Nervosität mit einem Späßchen: Mit dem Überreichen seiner Unterlagen komme dann häufig ein Satz wie „und bitte auch noch einen Schnaps“. Denen sage sie, dass der Schnaps schon kaltgestellt sei und gleich serviert werde. „Dann lachen alle, und die Nervosität ist weg.“
Warnick ist Mitarbeiterin der ersten Stunde im Impfzentrum. Zur Bürokauffrau ausgebildet in Ulmet, hat sie zuletzt bei einem Münzversandhandel in Pirmasens gearbeitet. „Da habe ich mich sofort beworben – und wurde eingestellt“, erzählt sie lächelnd. Und was hat sie an dem Job gereizt? „Ich habe gerne mit Menschen zu tun, und ich wollte meinen Beitrag gegen die Pandemie leisten.“
Das tut sie nun zusammen mit drei Kolleginnen am Check-in, der Anmeldung. Dort geben die Impflinge ihre Unterlagen mit der Registrierungsnummer ab, die mit den Daten im Computer abgeglichen werden. Sie bekommen ihren Laufzettel plus diverse Unterlagen für die verschiedenen Stationen der Impfung mit und werden von dort in den Wartebereich für die Aufklärung durch den Impfarzt weitergeleitet.
Gibt’s da zuweilen Probleme? Die 28-Jährige lacht: „Für mich gibt’s keine Probleme, sondern nur Lösungen.“ Wenn zum Beispiel jemand noch nervös und unsicher ist, ob er sich impfen lassen soll. Auch hier beruhigt sie: „Sie können ja gleich mit dem Impfarzt sprechen und es sich dann nochmal überlegen.“
Was ihr besonders gefällt: wenn Menschen besonders freundlich sind und sich dann später daran erinnern, dass auch sie freundlich behandelt worden sind. „Ich erinnere mich oft noch an jemanden, wenn er zur zweiten Impfung wiederkommt. Dann setzen wir unser damaliges Gespräch fast nahtlos fort.“ Und zuweilen gibt’s sogar Blumen. Oder Süßigkeiten als Dank. „Ich stecke hier ganz viel Herzblut hinein. Und ich glaube, das merken die Leute.“
Michelle Helm, Check-out
Für die 27-Jährige aus Gries hat sich alles wunderbar gefügt. Aus gesundheitlichen Gründen hatte sie ihren ersten Job als Physiotherapeutin nicht mehr ausüben können. Sie schulte zur Kauffrau für Büromanagement um und wurde im Herbst damit fertig. Genau passend für die Stellenausschreibung des Landkreises für das Impfzentrum.
„Es ist für mich eine tolle Kombination. Zum einen habe ich mit dem Gesundheitlichen zu tun, was ich ja auch mal gelernt habe. Und zum anderen habe ich viel Kontakt mit Menschen, was mir auch schon immer sehr viel Spaß gemacht hat.“ In ihrem Beruf mit Menschen zu tun zu haben, das sei ihr das Wichtigste.
Am Check-out, der letzten Station vor dem Verlassen des Impfzentrums, hat Helm gleich zwei Aufgaben. Sie überprüft die Unterlagen des Geimpften auf Vollständigkeit, sieht nach, ob alle Unterschriften auf den Dokumenten drauf sind, überprüft, ob auch wirklich das Etikette mit dem richtigen Impfstoff im Impfpass klebt.
All das scannt sie ein, und der Erst-Impfling bekommt auch noch einmal eine Bestätigung für seinen Folgetermin. Dazu überreicht sie ihm weiteres Informationsmaterial plus einen Zettel, auf dem er mögliche Nebenwirkungen in den Tagen nach der Impfung vermerken kann. Der ist wichtig für die zweite Impfung.
Ihre zweite Aufgabe: Gemeinsam mit dem Sanitäter beobachtet sie immer wieder den Wartebereich für die Geimpften, um sofort reagieren zu können, falls jemand dort einen Schwächeanfall bekommt. Vier Angestellte arbeiten am Check-out, Helm ist eine von zwei Vollzeitkräften.
Das Thema Zweittermin ist auch das einzige, bei dem es mal zu Ärger kam, wie sie sich erinnert. Weil bei einem Ehepaar der Computer die Zweitimpfung nicht auf denselben Termin gelegt, sondern auf zwei Tage hintereinander ausgeworfen hatte. Der Mann habe sich zunächst so sehr aufgeregt, dass er ankündigte, er und seine Frau würden auf die Zweitimpfung ganz verzichten. Am Ende, so erzählt Helm, habe sich doch alles noch irgendwie regeln lassen.
Ansonsten aber spricht die stolze Pferdebesitzerin von sehr vielen zufriedenen, dankbaren Menschen nach dem Impfen. Besonders rührend sei zu sehen, wie wacker sich auch Menschen aus Pflegeheimen hielten, die trotz Einschränkungen auf den Windhof kämen. „Da gehe ich abends hier immer mit einem sehr guten Gefühl raus, weil ich weiß, dass wir Menschen geholfen haben.“
Gerhard Valtin, Sicherheit
Ein Gedanke bereitet den 49-Jährigen aus Kaiserslautern jetzt schon ein wenig Sorgen: „Das wird ein trauriger Tag für uns alle im Team, wenn wir gegen Jahresende wieder aufhören, weil kein Impfzentrum mehr gebraucht wird.“ Denn die Zusammenarbeit mit den Kollegen an den anderen Impfstationen sei mit das Beste, was er erlebt habe: „Hier greift alles wie Zahnräder ineinander.“
Valtin hat Erfahrung in Sachen Sicherheitsdienst. Seit 1996 ist er in dieser Branche tätig. Als sein Arbeitgeber, WR Security, den Zuschlag für die Bewachung des Impfzentrums Kusel erhielt, sei er gefragt worden, ob er dort die Gruppenleitung übernehmen wolle. Er wollte und steht nun der Mannschaft vor, die tagsüber mit vier Leuten und nachts mit einer Kraft darüber wacht, dass die Sicherheit jederzeit gewährleistet ist.
Dabei unterscheiden sich Tag- und Nachtdienst gewaltig. Während es nach Ende des Betriebs vor allem darum geht, in Kooperation mit Polizeistreifen dafür zu sorgen, dass sich kein Unbefugter in die Halle Zutritt verschafft oder rundum etwas zerstört wird, ist es tagsüber vor allem ein Dienst am Menschen. „Wir sind der erste Anlaufpunkt, weil wir die Menschen am Eingang in Empfang nehmen, Fieber messen und sie zur Anmeldung geleiten.“
Auch ansonsten sorgen der begeisterte Hundetrainer und seine Kolleginnen dafür, dass sich niemand in der großen Halle an die falsche Impfstation verirrt, wollen die helfende Hand sein, die gerade nervöse ältere Impflinge in der großen Halle benötigen. „Natürlich ist für uns die Sicherheit das oberste Gebot. Aber wir packen auch dort mit an, wo gerade Hilfe gebraucht wird“, erzählt Valtin stolz. Gerade hat er gemeinsam mit dem Hausmeister ein vom Sturm umgefallenes Banner vor dem Impfzentrum wieder aufgerichtet und fixiert.
Gibt es doch einmal Ärger, dann sei oberste Devise: „Beruhigen, deeskalieren, in Ruhe mit den Leuten sprechen“, erzählt Valtin. Wie an einem der wenigen Tage, als sich Warteschlangen bildeten und die Menschen unruhig wurden. „Da hat dann einer angefangen zu fotografieren, obwohl er sogar vor dem großen Fotografierverbotsschild stand. Da mussten wir dann eingreifen.“ Immerhin sei es auch um den Persönlichkeitsschutz der anderen Wartenden gegangen. Doch im Großen und Ganzen sei bisher alles sehr freundlich geblieben. „Der Umgang mit den vielen Leuten, die hierher kommen – das ist das Tolle an meinem Job.“
Sandra Rühmann, Apothekerin
Mit die diffizilste Tätigkeit im Impfzentrum hat die 41-Jährige aus Pfeffelbach. Denn sie ist, wie an diesem Tag in der Frühschicht ihre Kollegin Kerstin Albert aus Bosenbach, eine der Apothekerinnen und damit zuständig dafür, dass der Impfstoff in die Spritze kommt. Und zwar möglichst viele Dosen aus einer Ampulle.
Es geht hier allein um Biontech. Um Ampullen, die zunächst für nur fünf Dosen ausgelegt, aber für bis zu sieben Dosen gefüllt ist. Mit den inzwischen vom Land gelieferten Spritzen mit geringem Totraumvolumen geht das leichter, sagt Rühmann. Und auch nur Biontech muss von Apothekern aufgezogen werden. Das ebenfalls in Kusel verimpfte Astrazeneca dürfen Arzthelferin oder Sanitäter selbst in die Spritze füllen. Der Grund: Biontech muss vorher vermischt werden.
Rühmann stand schon früh in Diensten des Impfzentrums – ein Engagement, das sie früh interessiert hat. Und dass dann auch noch der ortsansässige Landrat Otto Rubly bei ihrem Arbeitgeber in der Blumen-Apotheke in Schönenberg-Kübelberg angefragt hat, ob sie mithelfen könnte, hat die Sache noch beschleunigt.
Nun kommt sie mehrfach im Monat für vier bis fünf Stunden auf den Windhof, in das eigens eingerichtete Apothekerzimmer neben der ehemaligen Waffenkammer, in der der Impfstoff gelagert wird. Stets in Schutzkleidung, steril, um keinesfalls irgendetwas zu verunreinigen. Sie holt den Impfstoff aus dem Kühlschrank und bereitet ihn vor, ehe sie ihn aufzieht. „Ich habe mir da vorher schon meine Gedanken gemacht, was denn passiert, wenn ich mal stolpere und alles fallen lasse. Wer haftet dann bei dem so wichtigen Impfstoff?“, erzählt sie aus ihren Anfängen.
Heute läuft längst alles routiniert ab. „Wenn ich weiß, dass wir beispielsweise 160 Impfungen an diesem Tag geplant haben, dann ziehe ich nacheinander so etwa 140 auf.“ Dann frage sie nach, ob Leute ihren Termin nicht wahrgenommen haben und wie viele Spritzen noch gebraucht werden. Es soll ja nichts unnötig aufgezogen werden. Die gefüllten Spritzen liegen dann im Dutzend pro Schale für die Impfungen bereit.
Und auch wenn es sehr anstrengend sei, mehrere Stunden lang Impfstoff vorzubereiten und aufzuziehen („Da muss man sehr konzentriert arbeiten“), komme sie immer wieder gern ins Impfzentrum. Das betont auch Albert. Zwar habe sie keinen Kontakt mit den Impflingen, aber allein der Umgang des Teams untereinander mache immer wieder Freude.