Altenglan
Mit Geschick und Kreativität: Michael Diehl, bester Jungmeister unter den Steinmetzen
Warum er den Beruf des Steinmetzes und Steinbildhauers so gerne ausübt? „Es ist einfach ein sehr traditionsreiches Handwerk, das viel Fleiß und Geschick, aber auch Kreativität erfordert“, erklärt Michael Diehl. Bereits im vergangenen Juni hatte er die Meisterprüfung abgelegt – als Bester seines Jahrgangs. Sein Meisterstück: „Ein Stehtisch, der Elemente aus Kalk- und Sandstein, Edelstahl und Glas vereint“, berichtet Diehl.
Auf die feierliche Übergabe des Meisterbriefs muss Michael Diehl allerdings noch warten. Die Zeremonie hätte kürzlich im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern stattfinden sollen, wurde aufgrund der Corona-Pandemie aber abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben. „Es wäre schon schön gewesen, die Kollegen aus dem Kurs wiederzutreffen, aber die Situation ist halt nun mal so. Schade, aber nicht zu ändern“, sagt Diehl.
Firma gegründet
Seit 2011 arbeitet Diehl bei Natursteine Glöckner im saarländischen Hangard. „Wir machen hauptsächlich Restaurationsarbeiten. Mit der Bildhauerei habe ich dort weniger zu tun“, sagt Diehl. Bei seinem Arbeitgeber will er auch bleiben, wird künftig eine Meisterstelle bekommen. Den Gedanken, sich selbstständig zu machen, hatte er auch schon – und hat ihn zumindest teilweise bereits umgesetzt. „Ich habe, sozusagen als zweites Standbein, bereits eine kleine Firma gegründet, und will so weitere Erfahrungen sammeln“, beschreibt Diehl seinen Blick in die Zukunft. Seine feste Stelle aufgeben will der 28-Jährige aber zumindest vorerst nicht. „Vielleicht irgendwann mal, das hat aber keine Priorität“, sagt der frisch gebackene Meister. „Es ist allerdings schön, zumindest die Möglichkeit dazu zu haben.“
Im Meisterkurs lernten die Schüler alles, was es braucht, um einen Betrieb führen zu können. „Die Prüfung bestand aus vier Teilen. Einem praktischen Teil, der Theorie und den Fächern Pädagogik und Kostenrechnung“, erklärt Diehl.
Handwerk und Technik
Die körperlich anstrengende Arbeit eines Steinmetzes wird zwar heutzutage durch Maschinen erleichtert, dass die aber irgendwann die Arbeit eines Steinmetzes ganz übernehmen können, glaubt Diehl nicht. „Natürlich hat sich auch in unserem Handwerk viel getan, was Maschinen und Technik angeht“, weiß der Jung-Meister. „Das ist auch alles ganz nützlich und erleichtert die Arbeit – aber ohne einen erfahrenen Handwerker bringen auch die besten Maschinen nichts.“
Faszination Notre Dame
Auf die Frage, ob er gerne mal an berühmten Baudenkmälern, wie zum Beispiel dem Kölner Dom arbeiten würde, muss Diehl nicht lange überlegen. „Dort ist es nahezu unmöglich reinzukommen“, weiß der Handwerksmeister. „Aber wenn mir jemand die Möglichkeit geben würde, zum Beispiel beim Wiederaufbau von Notre Dame zu helfen, würde ich ohne großes Zögern auch mal für ein Jahr nach Frankreich gehen.“
Generell bekomme man einen ganz anderen Blick für Denkmäler aus Stein, wenn man den Beruf des Steinmetzes beziehungsweise Steinbildhauers erlerne. „Man schaut schon genauer hin und versucht zum Beispiel zu erkennen, wie Probleme gelöst wurden oder in welchem Stil das Denkmal erstellt wurde“, berichtet Diehl. „Aber man erkennt beispielsweise auch, ob gepfuscht wurde“, fügt er lachend hinzu.