Kreis Kusel Mit Edelsteinen malen

Claudia Bumke erschafft Kunstwerke aus Büchern durch Schneiden und Falten.
Claudia Bumke erschafft Kunstwerke aus Büchern durch Schneiden und Falten.

Bereits zum sechsten Mal fand nahe der Kirche die „Kunst in alten Mauern“, ausgerichtet vom Kulturverein Kappeln, statt. Sechs Künstler aus nah und fern zeigten eine Bandbreite an Techniken und Motiven, die von Edelsteinmalerei bis zu Falttechniken mit Büchern, reichte. Neben dem Ambiente und der Geselligkeit, lobten Besucher vor allem, dass den Künstlern beim Arbeiten über die Schulter gesehen und zahlreiche Fragen gestellt werden konnten.

Die Künstler warteten mit bekannten Techniken und Stilen, aber auch mit außergewöhnlichen Arbeiten auf. „Ich wusste nicht, was das sein soll“ bekam beispielsweise Edelsteinmalerin Susanne Lind aus Idar-Oberstein häufiger zu hören. Unter Edelsteinmalerei konnte sich mancher Besucher nichts vorstellen. Lind bearbeitet Edelsteine in einem Mörser, um Farbpigmente zu erhalten, die dann mit Kasein, einer Art Kleber aus Milch, auf die Leinwand aufgetragen werden. Dabei ist Experimentierfreude und Geduld gefragt, denn nicht jeder bunte Stein bringt auch Farbe auf die Leinwand. Vor rund fünf Jahren hat sie auch Violetttöne gefunden; ein Amethyst beispielsweise werde nach dem Reiben weiß, weil er zu quarzhaltig sei. Ihre Werke waren eher abstrakter Natur; so kann in „Verknüpfung der Welt“, bei dem sie Steine aus jedem Erdteil verarbeitete, jeder Betrachter sehen, was er möchte. Ähnlich in der Technik und doch wieder ganz anders, sind die Werke von Arno Ring aus dem hessischen Bebra, der Bilder aus Sand „malt“. Deutlich zu erkennen sind in zwei seiner Werke die Wartburg oder das Wappen der Gemeinde Kappeln. „Ich habe 120 Farben Dekosand, mische aber auch wie ein Maler die Farben“, die er meist mit Holzleim aufbringt, erklärt Ring. Seine gegenständlichen Motive können jede Form annehmen, selbst 3-D-Objekte hat er schon gefertigt. Der Hesse hatte mit rund 300 Kilometern den weitesten Anfahrtsweg, aber durch Verwandtschaft im Ort, war ihm Kappeln bereits bestens bekannt. Im selben Raum, nur einmal um die Ecke, ging es zu einer Künstlerin, die ebenfalls sehr filigran arbeitet und viel Respekt für ihre Geduld einheimste. Gemeint ist Claudia Bumke, die Kunstwerke aus Büchern in der Orimoto- und Kirimototechnik ausstellte und, wie Lind und Ring, ihre Technik präsentierte. Durch millimetergenaues Schneiden und Falten ist es der Meisenheimerin möglich, quasi alle erdenklichen Figuren und Schriftzüge im Buchschnitt darzustellen. „Das ist ja eine Heidenarbeit, aber cool“ – Kommentare dieser Art bekam sie von Jung und Alt zu hören, als sie einen Tannenbaum in stundenlanger Arbeit entstehen ließ. Illuminiert wurden ihre Arbeiten durch die Lichtinstallationen von Arne Hennig, der selbst mit großformatigen Ölgemälden an den Stallwänden für einige Glanzpunkte sorgte. Landschaften und Tierdarstellungen in Aquarell- und Ölfarbe präsentierte Gerlinde Schäfer aus Idar-Oberstein. Im Keller zeigte Marita Fleck aus Lauschied „Gefühle in Ton“ mit meist lustigen und heiteren Figuren aus Ton. Ein paar Meter weiter, entlang schöner Gärten, gelangten die neugierigen Besucher auch zur Kunstschreinerei von Stefan Weiß, der Einblicke in seine Arbeitswelt bot. Sandra Schappert vom Kulturverein, die sich um die Künstler kümmerte, war sehr zufrieden mit dem Besucherzuspruch trotz eher herbstlichem Wetter. Im schön dekorierten Wiesengarten trotzten die Besucher dem Wetter bei einem Gläschen Wein. Lob fand Schappert für die Grundstücksbesitzer. Würden die Besitzer nicht die Scheunen zur Verfügung stellen, wäre die Veranstaltung in dem besonderen Ambiente nicht möglich. Positiv am Standort ist auch die kurze Strecke zum Gemeinschaftshaus, wo neben Mittagessen auch Kaffee und Kuchen angeboten wurden. Musikalisch unterhielt das Bläserquintett „Querblechein“. Künftig soll die Kunstausstellung im Drei-Jahres-Rhythmus im September stattfinden, denn auch in Kappeln will man die freiwilligen Helfer nicht mit zu vielen Veranstaltungen überlasten.

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