Rope Skipping
Ins Abenteuer Japan gesprungen
Ein Samstagvormittag in der Turnhalle der Grundschule Schönenberg-Kübelberg. Es ist noch kühl draußen, aber drinnen kommt ein Grüppchen ganz schön ins Schwitzen. Fünf Rope Skipperinnen des TV Kübelberg lassen Beine, Arme und Seile fliegen. Die Seile rotieren so schnell, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Dabei ist das erst das Aufwärmtraining.
Selina Tynek (29), Arlinda Qoroviqi (30), Helene Wemmert (26), Chantalle Ludes (26) und Annalena Penk (26) geben alles. Sie wollen so fit und so gut wie möglich werden. Es ist der Endspurt für die Weltmeisterschaft in Japan. Dass sie sich dafür qualifiziert haben, können die Fünf manchmal selbst nicht glauben. Auch wenn sie es ganz tief in ihrem Herzen gehofft haben.
Es ging zunächst harmlos los, bei den Pfalzmeisterschaften in Niederwörresbach am 18. Januar. Da wurden sie Erster und qualifizierten sich damit für die Deutschen Meisterschaften Ende März in Fürth im Odenwald. Dort lösten sie das Ticket für die große Abenteuerreise. „Es war ein heimlicher Traum“, gesteht Selina Tynek. Alle hätten von Anfang an darauf hingearbeitet, sagt Annalena Penk. „Aber nicht verbissen“, fügt Arlinda Qoroviqi hinzu.
Freundinnen geworden
Die Fünf springen seit vielen Jahren zusammen, waren zunächst Sportkameradinnen und sind immer mehr zusammengewachsen und inzwischen dicke Freundinnen, die sich in- und auswendig kennen und gegenseitig unterstützen. Dreimal pro Woche treffen sie sich in der Halle, trainieren eineinhalb bis zwei Stunden und feilen an ihrer Performance. Wie die auszusehen hat, wissen sie: Sie werden in Japan das Programm zeigen, mit dem sie bei der DM das Ticket gelöst haben.
Die Vorgaben für den Wettkampf sind klar. Die Disziplinen stehen fest. Sechs waren es bei der DM. „Was man springt und wie ist frei, man kann auch die Musik selbst aussuchen“, erklärt Selina Tynek die Regeln für den Freestyle. „Jeder Sprung hat eine gewisse Punktzahl. Jeder zeigt, was er kann, versucht möglichst ohne Fehler zu springen. Für Fehler gibt es Abzüge.“ Trainerin Arlinda Qoroviqi war mit der Leistung ihres Teams bei den Wettkämpfen recht zufrieden, ist nur manchmal ein bisschen enttäuscht, weil die Kampfrichter – auch wegen der hohen Geschwindigkeit – nicht immer alle Tricks sehen würden. „Einen Videobeweis gibt es da leider nicht. Es zieht sich durch die Saison, dass man mit den Kampfrichtern hadert. Da gibt es auch Unterschiede je nach Bundesland“, sagt die Trainerin. Sie sieht noch so einiges an Arbeit auf dem Weg liegen, der den Wunschtraum erfüllt, dass Rope Skipping olympisch wird. Helene Wemmert weiß, dass ihr Hobby eine Nischensportart ist. Umso mehr freut sie sich darüber, wie sie die Welt erobert. „In Amerika, Australien und China ist Rope Skipping sehr verbreitet, auch in Hongkong und Japan, Schweden, Dänemark, Finnland, den Niederlanden’“, zählt Chantalle Ludes auf.
Die Fünf sind gespannt, was die Vertreter der anderen Länder bei der WM zeigen werden. Die Herangehensweise und der Stil sind da recht unterschiedlich. In Japan zum Beispiel setzten die Teams auf Schnelligkeit und Sprunghöhe. „Das sieht alles ganz leicht aus. Dort ist es aber nicht nur ein Hobby. Da wird das Ganze ganz anders gefördert. Die haben dreimal am Tag Training“, gibt Annalena Penk zu bedenken. Die Deutschen seien dafür bekannt, dass sie alles genau ausrechnen, die zeitlichen Abstände, die Punkte für die Schwierigkeitsgrade, ob sich das Risiko lohne, die Übung zu probieren.
Förderung Fehlanzeige
In Deutschland werde der Nischensport nicht gefördert. „Die Sportart ist nicht olympisch, es gibt keinen Kader und keine Förderung von der Sporthilfe. Selbst die Trikots müssen wir selbst bezahlen“, erzählt Selina Tynek und fügt an: „Der Verein unterstützt uns aber bei allem, was möglich ist.“
Das versucht er jetzt auch bei der Japanreise. Dass es zu der kam, war eine Riesenüberraschung. Zwei Tage nach der DM (Qoroviqi: „Ich habe stündlich meine Mails abgerufen“) kam die Nachricht, die die Ropeskipper zur Decke springen ließ: Sie dürfen nach Japan fliegen. Die Trainerin schickte sofort einen Screenshot an ihre Mädels, dann wurde nach Flügen gesucht. Dass die Reise nicht billig werden würde, war allen schnell klar. „Die Gesamtkosten liegen bei 12.000 Euro. Das ist schon ein Batzen“, sagt Selina Tynek. Der Verein wurde kontaktiert, sagte Hilfe zu. Firmen aus dem Ort unterstützen das Team. Den Rest zahlen die Sportlerinnen aus eigener Tasche. Damit das nicht zu viel wird, hatten sie noch eine weitere Idee: Sie starteten eine Spendenaktion auf einer Crowdfoundingplattform im Internet. Mehr als 2000 Euro kamen so noch mal zusammen. Dass sie den Rest selbst beisteuern müssen, ist die Sache für die Freundinnen wert. „Das ist ein Riesenerlebnis“, sind sie sich einig.
Von 24. Juli bis 5. August werden sie in Japan sein. Sieben Tage geht der Wettkampf. Bis dahin wollen die Fünf ihr Programm von der DM vertiefen, noch schneller werden, am Feinschliff arbeiten. „Und dann kommt es darauf an, die Nerven zu behalten in der großen Halle, wo alle per Livestream zuschauen können“, weiß die Trainerin, die wie ihre Teamkolleginnen schon internationale Wettkampfluft schnuppern durfte. 2017 war das Team bei der EM in Portugal, kam mit zweimal Silber und einmal Bronze zurück. Im vergangenen Jahr hätten sie sich für Amerika qualifiziert. „Das war zu teuer.“
Diesmal soll es mit dem großen Traum klappen, den sie schon hatten, als sie kleine Mädchen waren.