Krottelbach
Mehr Einnahmen durch einen Waldfriedhof
Alle Jahre wieder, dann, wenn Kommunen ihre Haushaltspläne aufstellen, mahnen ihre Verwaltungen, dass sich Friedhöfe wirtschaftlich selbst zu tragen haben. In der Verbandsgemeinde Oberes Glantal heißt das: Es wird ein Kosten-Deckungsgrad von mindestens 80 Prozent erwartet. Nur, wie soll das gehen, fragen sich kopfschüttelnd die Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder, wenn im Durchschnitt jährlich in der Gemeinde sechs bis sieben Einwohner sterben – zu wenige, um die Kosten zu decken. Zumal nicht jeder die Bestattung auf einem Gemeindefriedhof wünscht. Am Ende bleibt den Räten oft nichts anderes übrig, als die Nutzungsgebühren für Gräber weiter zu erhöhen.
Bis zu zwölf Urnen pro Baum
In der Möglichkeit einer Waldbestattung sehen die Krottelbacher die Chance, die Einnahmesituation zu verbessern. Ihren 117 Hektar großen Waldbesitz hatte die Gemeinde vor knapp drei Jahren an einen privaten Forstbetrieb aus der Eifel verpachtet. Jährliche Pachteinnahmen: 6500 und 7500 Euro. Und genau in diesem Wald soll nun auf einer Fläche von rund 5700 Quadratmetern ein Waldfriedhof entstehen. Anders wie es in Steinbach, oder in Altenkirchen und Dittweiler geplant ist, sollen nicht auf dem Friedhof unter dort stehenden oder noch zu pflanzenden Bäumen Urnenbestattungen stattfinden, sondern tatsächlich in einem Waldstück, zirka zwei Kilometer vom Ort entfernt gelegen. Der geplante Ruheforst mit einem Bestand von etwa 100 Bäumen – vorwiegend alte Eichen – liegt direkt neben einem Waldparkplatz an der Kreisstraße 11 zwischen Krottelbach und dem saarländischen Bubach. Finkbohner geht davon aus, dass an einem Baum zwischen sechs und zwölf Urnen beigesetzt werden können.
Von Kirchen erst abgelehnt
Die ersten Ruheforste entstanden vor gut 20 Jahren. Damals sprachen katholische Bischöfe von einer Konzeption, die zentrale Elemente einer humanen und christlichen Bestattungskultur vermissen ließen. Aber auch vonseiten der evangelischen Kirche kam Kritik. Sie betonte, dass Friedhöfe Orte im Nahbereich der Lebenden seien, Grabpflege und Zeichen des Gedenkens stünden für diese Verbundenheit. Durch Beisetzungen in entfernten Wäldern hingegen würden Menschen aus dem kulturellen Gedächtnis entlassen.
Heute hingegen sagt sie sogar, dass die Idee der Rückkehr des menschlichen Körpers in die Natur der christlichen Lehre nicht fremd sei. Was auch in der Grabesformel „Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zum Staube“ seinen Ausdruck finde. Geöffnet hat sich mittlerweile auch die katholische Kirche und erlaubt bei Baumbestattungen geistliche Begleitung. Indes schließen Judentum, Islam aber auch die Orthodoxe Kirche Einäscherungen und damit Waldbestattungen traditionell aus.
Planung fast abgeschlossen
Ob die Aussagen der beiden großen Kirchen bei der Entscheidungsfindung der Krottelbacher Gemeindevertreter mit eingeflossen sind, bleibt offen. Bisher offen sind auch die Kosten und Folgekosten für den Ruheforst. Gleichwohl zeigt sich Ortsbürgermeister Karlheinz Finkbohner zuversichtlich: „Bei unserem Projekt Waldfriedhof ist die Planung bis auf kleine Änderungen abgeschlossen, ich bin mir sicher, dass das Genehmigungsverfahren reibungslos laufen wird.“