Quirnbach RHEINPFALZ Plus Artikel Markttag-Jubiläum: Ein erfolgreiches Konzept, das weiter wächst

Der Regen schreckt nicht ab: Hier wird bei Gemüsehändler Yusut Godeoglu aus Ramstein-Miesenbach eingekauft.
Der Regen schreckt nicht ab: Hier wird bei Gemüsehändler Yusut Godeoglu aus Ramstein-Miesenbach eingekauft.

In Quirnbach wurde am Donnerstag ein Jubiläum gefeiert: Zum 200. Mal fand der Markttag statt. Was vor vier Jahren mit einem „machen wir mal vorerst“ begann, hat sich etabliert. Zum Erfolgsrezept gehört der gesellige Teil mit „Verzählches“.

Es war der 20. Juni 2019. Die gerade mit 82 Prozent per Urwahl wiedergewählte Ortsbürgermeisterin Stefanie Körbel eröffnete den kleinen Wochenmarkt am und im Bürgerhaus, der im Rahmen der Initiative Quirnbach inTakt „vorerst“ jeden Donnerstag stattfinden sollte. Schon damals kamen mehr als 100 Besucher, um das Angebot von frischen Produkten von Händlern aus der Region zu nutzen.

Gleichwohl waren es nicht nur die Wurst- und Backwaren, das frische Obst und Gemüse, das überzeugte – sondern auch der „Markttreff im Bürgerhaus“, der die meist älteren Besucher angezogen hatte. Bei besagtem erstem Markttag war es noch der Brückener Mundartdichter Guido Defland, der bei Kaffee und Kuchen mit einer kleinen Kostprobe in bestem „Hinnerpälzisch“ aus seinem Gedichtband „Grooäbbel“ für Unterhaltung sorgte.

„Wer nur einmal im Monat einlädt, wird scheitern“

Heute blickt Körbel auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Auf einen Markttag, der selbst in den Jahren der Pandemie jeden Donnerstag stattfand, wenn auch mit Einschränkungen. „Im Vorfeld machten wir uns natürlich Gedanken: Schaffen wir es, einen solchen Markt einmal wöchentlich an einem Tag und zu in einem bestimmten Zeitrahmen zu organisieren?“, berichtet Körbel rückblickend.

Die Ortsbürgermeisterin ist überzeugt davon, dass Kontinuität sehr wichtig ist, um letztendlich erfolgreich zu sein: „Die Leute wollen nicht lange überlegen, wann der nächste Markt in Quirnbach stattfindet. Sondern es ist klar: Jeden Donnerstag ab 14 Uhr ist in Quirnbach Markt. Wer nur ein- oder zweimal pro Monat zu einem Wochenmarkt einlädt, der wird scheitern.“

Nicht nur Waren des täglichen Bedarfs

Der kleine Markt ist in den vergangenen vier Jahren gewachsen: Anfänglich gab es nur Brot, Wurstwaren, Obst und Gemüse. Neben süßen Brotaufstrichen, frischen Leinölen und ebenso frischen Landeiern, bietet heute selbst eine Schuhhändlerin ihre Ware feil. Weiter stellt eine Ausstellerin ihre kunstvollen Näh- und Handarbeiten aus. Selbst Gravurwünsche auf Kugelschreibern konnten am Donnerstag erfüllt werden. Für den nächsten Markttag (am Mittwoch wegen des Feiertags am Donnerstag) will eine Händlerin gar Oberbekleidung anbieten. Ein Ankleideraum sei bereits aufgebaut worden – mit Tischtennisplatten, verrät Steffi Körbel.

Treffpunkt auch für Bürger umliegender Orte

Ein anfangs geplantes Konzept für den Markttag habe sich jedoch nicht durchsetzen können, sagt die Ortsbürgermeisterin – beziehungsweise wurde deutlich aufgelockert. „Wir wollten im Bürgerhaus mit Vorträgen über bestimmte Themen unsere Gäste mit Informationen versorgen.“ Tatsächlich habe man schnell erkennen müssen, dass Themen wie Patientenverfügung, Pflegegeld, oder eine polizeiliche Aufklärung über Trickbetrüger zwar interessant sind. Doch wollten sich die Leute noch viel mehr unterhalten – oder wie man auf pfälzisch zu sagen pflegt: „Die Leit wolle verzähle.“ Was allerdings Ortsbürgermeisterin Steffi Körbel nicht davon abhält, hin und wieder zu ihrem Akkordeon zu greifen, um spontan einige Volkslieder anzustimmen.

Zu den Marktbesuchern gehören auch Renate (85) und Alois Klein (86), das rüstige Ehepaar aus Nanzdietschweiler besucht bereits seit vielen Jahren den Markt. Beide Senioren schätzen nicht nur die frischen Waren. Sie seien auch begeistert von der Möglichkeit, sich hier ein bisschen unterhalten zu können. Mitten im Gespräch lässt sich Renate Klein für einen Moment entschuldigen: „Ich sehe gerade eine Bekannte aus unserem Ort, die muss ich unbedingt begrüßen…“

Kaffee, Kuchen und gemütliches Beisammensein gehören am Markttag stets dazu. Es serviert Gudrun Stoffel (rechts).
Kaffee, Kuchen und gemütliches Beisammensein gehören am Markttag stets dazu. Es serviert Gudrun Stoffel (rechts).
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