Kreis Kusel
Marcel Baldauf und Dirk Wilking siegen beim Rallye-Eifel-Festival in Daun
Es ist für das Team Marcel Baldauf/Dirk Wilking (Theisbergstegen/Erzenhausen) das Ereignis des Jahres: die Teilnahme am Rallye-Eifel-Festival mit Start und Ziel in Daun. Unter 150 Teilnehmern holten sie den Sieg. Wenn diese Rallye für historische Fahrzeuge genannt wird, schlagen die Herzen der Rallyefans höher.
So auch beim 39-jährigen CAD-Konstrukteur Marcel Baldauf. Für ihn war es die dritte Teilnahme und der dritte Sieg. Erstmals auf dem Beifahrersitz saß der 48-jährige Ergotherapeut Dirk Wilking. „Die gemeinsame Fahrt in der Eifel hat sich zufällig ergeben“, erzählt Baldauf. „Wir sind uns bei der Trifels-Historik in Kaiserslautern in die Arme gelaufen“, erinnert sich Wilking. Zwischen den historischen Fahrzeugen kamen sie auch auf das Eifel-Rallye-Festival zu sprechen. Baldauf war sich sicher, dort wieder an den Start zu gehen und bei Wilking war sehr schnell das Interesse geweckt.
Baldauf begann seine motorsportliche Karriere im Jugend-Kart-Slalom und wechselte altersbedingt zum Automobil-Slalom. In beiden Sparten feierte er mehrfach die pfälzische Meisterschaft. Auto-Cross und Bergslalom sind für ihn heute weitere Herausforderungen. Dieses Jahr fuhr der 39-Jährige beim Bergslalom in Queidersbach bei seinem ersten Einsatz am „Ritschenkopf“ im Buggy zum Gesamtsieg.
Zwei Jahre vor Baldauf, 1987, kam Dirk Wilking zum Motorsport. Über viele Jahre saß er neben Michael Ecker aus Hauptstuhl auf dem Beifahrersitz im Honda Civic, darunter auch etliche Male bei der Deutschland-Rallye als Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft. Aus diesen Läufen ging das Team schon als Divisionssieger hervor und Dirk Wilking war 2013 Deutscher Rallyemeister seiner Division.
Volles Risiko gegangen
„Wir wollen gewinnen, deshalb nehmen wir an dieser Veranstaltung teil“, verkündete Marcel Baldauf schon vor der Veranstaltung. Nach zwei Siegen in Folge wollte er natürlich den Dreifacherfolg. Sie waren sich sicher, dass sie volles Risiko gehen müssen, um den Titel zu verteidigen. „Gerade das wollen die Zuschauer sehen und wird von den Juroren sehr gut bewertet“. Zum Bewertungsteam zählen teils in wechselnder Besetzung Rallye-Legenden. Darunter so namhafte Rallye-Asse wie Walter Röhrl oder der Schwede Stig Blomqvist.
Im Einsatz war das Team mit einem BMW 325 aus dem Jahr 1987. „Auch für das Fahrzeug war es eine Herausforderung, denn die Schotterstrecken und Sprungkuppen gehen schon recht stark auf das Material“, berichtet Baldauf. „Im Fahrzeug ist noch immer der erste Motor und der hat mittlerweile 360.000 Kilometer auf dem Buckel“, fügt der Pilot an. Einmal mussten die Mechaniker Björn Müller, Dominik Lang und Alfred Gramsch eingreifen, nach einem Sprung gab es eine leichte Verformung an der Karosserie. Ansonsten mussten sich die drei Begleiter mehr um die Reifen kümmern. „24 Räder haben wir mit in die Eifel genommen“, ergänzt Baldauf. Jedes Teil am Auto, das kaputt gehen kann, war im Materialwagen dabei.
Einen Tick besser sein
„Wir haben auf jedem Streckenabschnitt alles gegeben und das war auch wichtig“, erzählt der Westpfälzer. Denn die Teams wissen nicht, wo sich die Juroren zur Bewertung des Fahrstils platziert haben. „Wir mussten einen Tick besser sein als die Piloten mit den aufgemotzten Rallyefahrzeugen“, ergänzte Wilking. Im Vordergrund der Bewertung steht die spektakulärste Fahrt. Baldauf gehört in der Eifel schon mit zu den Publikumslieblingen. Selbst dem Streckensprecher ist er in guter Erinnerung. „Der hat mehr Mücken auf der Seiten- als auf der Frontscheibe“, verkündete der erfahrene Sprecher und verwies damit auf die Drifts des BMW. „Beim Abfahren mache ich mir schon Gedanken, wo ich den BMW so anstellen kann, dass es spektakulär aussieht“, verrät Baldauf.
Konzentration gefragt
Es wird nicht nur viel quer, sondern auch schnell gefahren. In manchen Passagen sind es dann doch so um die 150 Kilometer pro Stunde. „Wir wollen gewinnen, deshalb sind wir hier“, verkündete das Team schon bei der Begrüßung. Eine deutliche Ansage, und um das Ziel zu erreichen, „mussten wir an Limit gehen“. Darüber hinaus mussten sie viel zeigen, um die Zuschauer zu begeistern. Während Baldauf die Leistung des Fahrzeuges beherrschen muss, ist bei Wilking die Konzentration gefragt. „Es ist schon ein tolles Gefühl, bei der weltweit größten Veranstaltung mit historischen Fahrzeugen dieser Art am Ende als Sieger auf der Bühne zu stehen.“
Imposant die von Niki Schelle zelebrierte Siegerehrung mit einer tollen Stimmung. Auch in dem Wissen, dass am Start etliche Fahrer der Weltelite in ehemaligen Werksfahrzeugen am Start waren.
„Über Jahre habe ich durch ständige Bewerbungen versucht, in das Starterfeld aufgenommen zu werden“, erinnert sich Baldauf. Mit dem BMW 325 sind die Chancen recht schlecht, weil dieser Fahrzeugtyp keine großen Erfolgsmeldungen vorweisen kann. „Kein Geringerer als der zweimalige Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer (1980 und 1982) hat sich für meine Zulassung zum Start eingesetzt. Ihm bin ich heute noch sehr dankbar“, sagt Baldauf. „Jetzt bin ich dort so beliebt, dass sie auf mich warten.“
Neuaufbau notwendig
Die Dauerbelastung macht sich mittlerweile am BMW bemerkbar. 2020 ist natürlich die Herausforderung, erneut in der Eifel zu gewinnen. Aber am Rallyefahrzeug ist ein Neuaufbau notwendig. Um dies finanziell stemmen zu können, ist Unterstützung in vielfacher Hinsicht notwendig. Gebraucht wird gutes Material und dies muss ebenso finanziert werden wie die Veranstaltung selbst. Alleine das Startgeld beträgt 750 Euro.