Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Manuel Lipstein demonstriert Cellospiel auf höchstem Niveau in der Dorfkirche Gumbsweiler

Ein großartiger Cellist: der erst 18-Jährige Manuel Lipstein. Foto: m. hoffmann
Ein großartiger Cellist: der erst 18-Jährige Manuel Lipstein.

Zwischen dem Herkulessaal München, der Hamburger Elbphilharmonie oder der Konzerthalle Peking ein Abstecher in die mit rund 60 Personen voll besetzte Dorfkirche Gumbsweiler, das war das Tourneeprogramm von Manuel Lipstein. Auf Vermittlung des Certosa-Musikverlags Körborn fesselte der 18-jährige Nachwuchsstar aus Bergisch- Gladbach fast zwei Stunden lang mutterseeelenallein das Publikum, das hoch konzentriert und begeisterungsfähig jede Nuance seines feinsinnigen Cellospiels in sich aufnahm und ihn am Ende frenetisch klatschend feierte.

Hoch motiviert ging Lipstein ans Werk, spielte meist mit geschlossenen Augen, auswendig und in sich selbst und sein Tun versunken. Hielt sich mit dem Vibrato der linken Hand bei den Werken alter Meister wie Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach auffällig zurück, behandelte den Bogen und die Saiten, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und zauberte bei Benjamin Brittens Suite Nummer eins für Violoncello solo aus den 1960er Jahren eine derartige Vielzahl an Emotionen und Stimmungen hervor, dass es für ein ganz großes Ensemble gereicht hätte.

Bis dahin waren es nur vier Saiten, die zum Klingen gebracht worden waren. Bei Britten mit eher ungewöhnlichen Spieltechniken, kam ein Satz durchgehend gezupft daher, an anderer Stelle kam auch schon mal das Holz zum Einsatz statt der Bogenhaare. Dass das tiefe Streichinstrument singen kann, mag mancher schon gehört haben. Aber dass es auch bitterlich weinen und selig schwelgen kann, erlebt man nicht alle Tage.

Auch wenn die von Bach, angeblich während einer Kutschfahrt komponierte Suite Nummer fünf in c-Moll immer mal wieder den Beinamen „Bibel der Cellisten“ erhält, ist es wohl wie mit dieser: der aufmerksame Student entdeckt immer wieder Neues, auch wenn er glaubt, längst jedes darin verborgene Detail zu kennen.

Ganz andere Töne schlug Lipstein zu guter Letzt im Verein mit seiner Mutter Andrea an der Gitarre ein. Auf nunmehr zehn Saiten zelebrierten die beiden regelrecht ein vielleicht in dieser Besetzung einmaliges Werk der Musikgeschichte, ein Potpourri im hochromantischen Stil mit Wiener Melodienseligkeit und ganz groß ausgebreiteter Schwelgerei in den wahrlich höchsten Tönen, wofür die beiden Musiker begeistert gefeiert wurden. Diese bedankten sich wiederum mit einem Stück des legendären Astor Piazzolla mit dem Titel „Nightclub 1960“, das einen beachtenswerten, großartigen Konzertabend beschloss.

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