Essweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Mülldeponie Schneeweiderhof: In vier Jahren kein Platz mehr

Eine mobile Schlackenaufbereitungsanlage auf dem Schneeweiderhof.
Eine mobile Schlackenaufbereitungsanlage auf dem Schneeweiderhof.

Seit 1992 betreibt der Kreis die Mülldeponie auf dem Schneeweiderhof. Wie lange noch, ist derzeit offen. Im bisherigen Ausbaustadium ist 2025 Schluss. Landrat Otto Rubly will sich von Experten Rat holen.

Es ist ein Rechenexempel. 2021 werden in Eßweiler rund 11.400 Kubikmeter Müll abgelagert, das entspricht rund 16.000 Tonnen. Ende des Jahres wird die Deponie noch eine Restkapazität von 46.400 Kubikmetern haben. Das reicht für vier weitere Jahre.

Die ursprüngliche Betriebserlaubnis sieht einen dritten Erweiterungsabschnitt in zwei Schritten vor – über 354.000 und über 140.000 Kubikmetern. In der Fläche gerechnet geht es um 12.600 und 18.000 Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein Fußballplatz ist knapp 7000 Quadratmeter groß.

Rückstellungen über zehn Millionen Euro

Eine solche Erweiterung setzt aber eine neue Basisabdichtung voraus. Die Kosten dafür schätzt Deponieleiter Thomas Weber auf mindestens drei Millionen Euro. Zwar hat der Eigenbetrieb Rückstellungen von über zehn Millionen Euro gebildet, dafür muss er auch in der Bilanz kalkulatorische Zinsen berechnen. Dadurch werden die Müllgebühren höher, da sie – wie auch beim Wasser – kostendeckend kalkuliert werden müssen.

Die Alternative: Der Kreis steigt aus, verzichtet auf eine eigene Deponie und liefert seinen Müll bei einer anderen Deponie an und muss dann dafür dort zahlen. Auf den ersten Blick die einfachste Lösung, wenn nicht die Deponie auf dem Schneeweiderhof weiter besetzt bleiben müsste.

Acht Mitarbeiter vor Ort

Derzeit gibt es dort acht Mitarbeiter. Auch nach einer Schließung müsste regelmäßig Gas abgefackelt und Sickerwasser gereinigt werden. „Bei der Nachsorge reden wir von einem Zeitraum über mindestens 30 Jahre“, erklärt Thomas Weber. Hinzu komme, dass der Eigenbetrieb vom Schneeweiderhof aus den Austausch der Mülltonnen im Kreis organisiert. Dafür müsste dann vermutlich ein neuer Standort gesucht werden.

„Ich habe da keine Priorität für die eine oder andere Lösung“, sagt Landrat Otto Rubly. Mit der Frage, Deponie erweitern oder schließen, müssten sich Fachleute befassen. Er will den Fraktionsvorsitzenden des Kreistages demnächst vorschlagen, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um beide Seiten gegenüberzustellen. Die Kosten für diese Untersuchung schätzt Thomas Weber auf rund 40.000 Euro.

An private Verbrennungsanlagen

Ursprünglich war der Schneeweiderhof eine klassische Haus- und Sperrmüll-Deponie. Dann wurde das neue Abfallwirtschaftskreislaufgesetz 2005 eingeführt. Hausmüll durfte nicht mehr einfach abgekippt werden, sondern musste zuvor mechanisch-biologisch vorbehandelt oder verbrannt werden. Erst fuhr Kusel seinen Müll daraufhin zur mechanisch-biologischen Vorbehandlung nach Kaiserslautern, mittlerweile geht er aber an privatwirtschaftliche Verbrennungsanlagen. Die dabei entstehende Schlacke wird auf dem Schneeweiderhof abgelagert.

Um die damit freien Kapazitäten zu nutzen, nimmt der Kreis gegen Bezahlung Materialien an, die keine Gase bilden: belastete Böden, kohle- und teerhaltigen Straßenaushub sowie Gleisschotter. Für diesen „Fremdmüll“ gibt es für 2021 Verträge über 13.000 Tonnen. Die Schlacke, die aus dem Verbrennungsofen zurückkommt, wiegt nur rund 3000 Tonnen.

Nicht nur Schlacke ablagern

Da könnte ein Betreiber ja auf die Idee kommen, weniger Baumüll anzunehmen, um sich weitere Kapazitäten für die Schlacke zu erschließen? Fachmann Thomas Weber schüttelt den Kopf. Der Schotter und die Schüttgüter seien wichtig, um verschiedene Schicht aufbauen zu können. „Schlacke allein lässt sich nicht einbauen, das kippt am Hang weg“, erklärt er.

Was für die Erweiterung spricht: Mittlerweile darf die Abdichtung der einzelnen Schichten dünner sein. Dafür gibt es neue Standards. Wenn die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd einen entsprechenden Bauantrag genehmigt, ließe sich das künftige Ablagerungsvolumen nochmals ausweiten.

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