Altenglan RHEINPFALZ Plus Artikel Leben und Tod des Alt-Nazis Fritz Berni

Fritz Berni.
Fritz Berni.

1946 starb in Altenglan ein gerade einmal 45-jähriger Mann an Tuberkulose. Dass es sich um einen Mann mit bewegter, vor allem aber sehr unrühmlicher Vergangenheit handelte, wusste vermutlich kaum einer. Denn Fritz Berni war der erste Führer der pfälzischen SS.

Am 20. Februar 1946 verstarb in Altenglan „in seiner Wohnung in der Bahnhofstraße“ ein 45-jähriger Mann namens Friedrich Georg Berni. Dem Standesamt wurde der Todesfall am nächsten Tag angezeigt, und zwar von einem Vetter des Verstorbenen, der in Mühlbach wohnte. Hätte der Standesbeamte die Angaben genau überprüft, wäre ihm aufgefallen, dass der Verstorbene in Altenglan gar nicht gemeldet war.

Für die genannte „Wohnung in der Bahnhofstraße“ waren vier Personen amtlich registriert: die Ehefrau Berni, zwei Kinder des Ehepaares und die Mutter des Verstorbenen. Seit März 1945 lebten diese in der Wohnung; als früherer Wohnsitz war Metz angegeben, mit Zwischenaufenthalt in Mühlbach. Das lässt darauf schließen, dass die Familie im Herbst 1944, als die amerikanischen Truppen auf Metz vorrückten, geflüchtet war und im Kreis Kusel, wo Verwandte lebten, eine Bleibe gefunden hatte.

Doch warum waren Ehefrau, Kinder und Mutter in Altenglan angemeldet, Friedrich Georg Berni aber nicht? Das hing wohl mit seinem Vorleben zusammen, denn Berni war ein Alt-Nazi und der Gründer der pfälzischen SS; sein Vorstrafenregister war ziemlich lang.

Geboren wurde Friedrich Georg Berni, später allgemein „Fritz“ genannt, im März 1900 in Pirmasens. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Bauschlossers, anschließend auch den eines Elektrikers. Auf diesen Gebieten arbeitete er nach Ende des Ersten Weltkriegs als Handwerker. 1923 floh er vor einer drohenden Verhaftung durch Franzosen und Separatisten ins rechtsrheinische Gebiet, von wo er im folgenden Jahr wieder zurückkehrte. Politisch stand er auf Seiten der nach dem so genannten Hitler-Putsch zunächst verbotenen, 1925 aber wieder zugelassenen NSDAP.

Die ersten SS-Trupps

In der Pfalz entstanden 1925/26 die ersten kleinen SS-Einheiten – vielleicht Trupps von acht bis zwölf Mann – in Neustadt, Ludwigshafen und Pirmasens. Solche Gründungen entsprangen in erster Linie der Eigeninitiative lokaler Aktivisten. In Neustadt war es Ernst Ludwig Leyser, in Ludwigshafen ein Ludwig Butz, und in Pirmasens sammelte Fritz Berni etliche Mitstreiter um sich, obwohl er selbst zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht der SS angehörte. Im August 1926 ernannte NSDAP-Gauleiter Josef Bürckel seinen Vertrauten Berni, der einige Monate vorher in die Partei und dann auch in die SS eingetreten war, zum Gau-SS-Führer.

Außer in Pirmasens gingen die frühen Trupps jedoch bald wieder ein; eine Weiterentwicklung wurde vor allem durch Verbote von Seiten der französischen Besatzungsmacht für längere Zeit behindert. Erst ab 1929 erfolgten neue Gründungen, zunächst wieder in Neustadt. 1930 erhielt Fritz Berni von der NSDAP-Reichsleitung den Auftrag, in der Pfalz weitere SS-Stürme zu bilden. Dies gelang auch in Ludwigshafen, Kaiserslautern, Zweibrücken, Grünstadt und Frankenthal.

Im Juli 1930 wurde Berni mit der Führung der SS-Standarte 32 (Pfalz) beauftragt, die im Oktober desselben Jahres in „SS-Standarte 10“ umbenannt wurde. Fritz Berni arbeitete mittlerweile eng mit dem Ludwigshafener SS-Führer Theodor Eicke zusammen, der vor allem in der Vorderpfalz starke Aktivitäten entwickelte.

Bombenattentat in Pirmasens

Im Sommer 1931 explodierte in Pirmasens, wo es in der NSDAP innerparteiliche Streitigkeiten gab, Sprengstoff am Haus des NSDAP-Bezirksleiters Ramm, ohne allerdings großen Schaden anzurichten. Der Verdacht, die Bomben gebaut und zur Explosion gebracht zu haben, fiel zunächst auf Fritz Berni, der auch zweimal in Untersuchungshaft kam. Auch innerparteilich wurden Untersuchungen angestellt, und Berni wurde wegen „Missachtung eines Parteibefehls“ aus der NSDAP und der SS ausgeschlossen.

Seine Nachfolge als SS-Standartenführer in der Pfalz trat im November 1931 der bereits genannte Theodor Eicke aus Ludwigshafen an, unter dem die pfälzische SS zunächst kontinuierlich und dann rasant zu wachsen begann. Im Februar 1932 gab es in der Pfalz drei SS-Sturmbanne mit insgesamt 890 SS-Mitgliedern.

Am 6. März 1932 wurde Theodor Eicke in seiner Wohnung in Ludwigshafen von der Polizei festgenommen. Fritz Berni hatte ein Geständnis abgelegt, er und Eicke hätten die Pirmasenser Sprengsätze gebaut. Im Untersuchungsgefängnis legte Eicke nun ebenfalls ein Geständnis ab, in dem er aber – außer Berni – keine weiteren Nationalsozialisten belastete. (Heute ist durch Forschungen bekannt, dass Eicke schon im August 1931 von Bürckel den Befehl zur Herstellung der Sprengbomben erhalten hatte.)

Die pfälzische NSDAP begann sogleich, sich von Eicke zu distanzieren, um Hitlers „Legalitätskurs“ nicht zu gefährden. Wahrheitswidrig verbreitete die Gauleitung, Eicke sei aus der Partei ausgeschlossen worden, und überhaupt habe er keine führende Position gehabt. Aufgrund dieser Äußerungen verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Eicke und Bürckel noch mehr, als es bisher schon war. Eicke, ein treuer Anhänger Himmlers, hatte sich früher schon gegen Bürckel gestellt, der mehrfach versucht hatte, die regionalen SS-Verbände in seine Gewalt zu bringen.

Mitte Juli 1932 fand der Bomben-Prozess vor dem Amtsgericht Pirmasens statt. Eicke sagte auch jetzt aus, die Gauleitung habe nichts von dem Bombenbau gewusst. Berni verweigerte die Aussage. In dem Prozess wurde auch Bernis Vorstrafenregister bekannt: 1923 Verurteilung wegen Sachbeschädigung, 1926 wegen Körperverletzung, 1931 wegen Körperverletzung mit Todesfolge (150 Mark Strafe) und 1932 erneut wegen Körperverletzung.

Berni und Eicke wurden wegen illegalen Sprengstoffbesitzes zu einer Gefängnisstrafe von je zwei Jahren verurteilt. Da die beiden bisherigen pfälzischen SS-Führer nun im Gefängnis saßen, musste Heinrich Himmler einen neuen Führer der SS-Standarte 10 ernennen: es war der aus Nordbaden stammende Willy Schmelcher, der später – von 1935 bis 1942 – Polizeipräsident in Saarbrücken war.

Streit auch im Dritten Reich

Eicke und Berni brauchten jedoch ihre Strafen gar nicht beziehungsweise nur zu einem kleinen Teil abzusitzen. Auf Veranlassung des bayerischen Justizministers Gürtner, später Reichsjustizminister unter Hitler, gewährte das Amtsgericht Pirmasens Eicke schon nach kurzer Zeit „Haftaufschub aus gesundheitlichen Gründen“. Auf Weisung Himmlers setzte sich Eicke nach Italien ab, von wo aus er der Ludwigshafener Polizei eine höhnische Postkarte schickte.

Die Fehde zwischen Bürckel und Eicke war noch nicht beigelegt, als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht kam. Eicke blieb vorerst in Italien, bis eine Amnestie für politische Verbrechen im März 1933 ihm eine sichere Rückkehr erlaubte. Sofort ergriff Bürckel, der nun um sein Leben fürchtete, Gegenmaßnahmen. Er beauftragte den Kaiserslauterer SS-Sturmbannführer Rocker, Eicke durch die Ludwigshafener Polizei in Schutzhaft nehmen zu lassen, was auch geschah.

Nun ließ Bürckel seinen Widersacher tatsächlich aus der Partei ausschließen und sogar in eine psychiatrische Anstalt in Würzburg einweisen. Auch Himmler schloss Eicke vorübergehend aus der SS aus, sorgte im Juni 1933 aber für seine Entlassung und wies ihm eine neue Aufgabe außerhalb der Pfalz zu: das Kommando über das Konzentrationslager Dachau. Ein Jahr später ernannte Himmler Eicke zum Inspekteur aller Konzentrationslager in Deutschland.

Sofort wieder straffällig

Fritz Berni wurde am 10. März 1933, nach acht Monaten also, vorzeitig aus dem Zuchthaus Ebrach entlassen. In Pirmasens stieg er sogleich als Führer der Hilfspolizei wieder ins politische Geschäft ein. Bei der dortigen Stadtverwaltung erhielt er eine Anstellung als Oberwerkmeister des städtischen Fuhrparks.

Während einer Weihnachtsfeier im Dezember 1936 – alle Beteiligten waren alkoholisiert – erschoss Berni einen Mitarbeiter (und SS-Mann) bei dem Versuch, ihm eine Bierflasche vom Kopf zu schießen. Wieder erfolgte der Ausschluss aus NSDAP und SS, außerdem kam Berni auf Weisung Himmlers im KZ Dachau für eine Woche in „Schutzhaft“.

Das Landgericht Zweibrücken verurteilte Berni im Januar 1937 zu zwei Jahren Gefängnis. Nur wenig später reichte Gauleiter Bürckel für seinen Vertrauten ein Gnadengesuch ein, das im Juli 1937 vom Reichsjustizminister Gürtner noch abgelehnt wurde, aber schon zwei Monate später setzte der Minister Bernis Strafe zur Bewährung aus.

Nach der deutschen Besetzung Frankreichs im Juni 1940 verlegte Berni seinen Wohnsitz nach Metz, wo er sich als Kaufmann bezeichnete. 1941 nahm die NSDAP ihn wieder als Mitglied auf, und im Jahr danach erhielt er auf Intervention des Gauleiters Bürckel sogar sein goldenes Parteiabzeichen wieder zurück. Im Herbst 1944 musste er dann aber samt Familie Metz verlassen, weil die US-Truppen vor dem Einmarsch standen. Nun galt es, den Rückzug nach Deutschland anzutreten, und der führte ihn erneut in die Pfalz. Unangemeldet lebte er nach Ende des Krieges in Altenglan, wo er schließlich an Lungentuberkulose verstarb.

Literatur und Quellen:

  • Maier, Franz, Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. Mainz 2007.
  • Weise, Nils, Eicke. Eine Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS. Paderborn 2013.
  • Unterlagen des Archivs der Verbandsgemeindeverwaltung Kusel-Altenglan, Melderegister, Sterberegister.

Theodor Eicke
Theodor Eicke
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