Altenglan / Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Leben in Quarantäne: Besinnung aufs Wesentliche – zwei Menschen berichten

Auf seinen Schreibtisch, den er am Montag endlich wieder sehen wird, freut sich Roger Schmitt schon.
Auf seinen Schreibtisch, den er am Montag endlich wieder sehen wird, freut sich Roger Schmitt schon.

Wie lebt es sich, wenn man zwei Wochen lang das Haus nicht verlassen darf? Von Lagerkoller berichten weder Roger Schmitt noch Steffi Contes. Doch beide freuen sich, wenn sie sich wieder frei bewegen dürfen.

Brot backen zur Beschäftigung, Spieleabende, im Homeoffice das abarbeiten, was sonst liegen bleibt. Seit zwei Wochen ist Steffi Contes, Leiterin der von der Lebenshilfe betriebenen Integrativen Kindertagesstätte Kusel, in Quarantäne. Zuerst freiwillig, hatte sie doch Kontakt zu einer corona-infizierten Kollegin, dann, nachdem sie selbst positiv getestet worden war, auf Anordnung.

Mit ihr daheim sind Ehemann und drei Kinder, 16-jährige Zwillinge und eine 22-jährige Tochter, die in einer Einliegerwohnung wohnt. Wann sie wieder raus dürfen, wissen die Fünf noch nicht. Contes wohnt in Reichenbach-Steegen und im Landkreis Kaiserslautern darf erst aus Quarantäne raus, wer zweimal negativ getestet wurde. Am Freitag hätte der erste stattfinden können, da war der Kontakt schon zweieinhalb Wochen her – aber auf dem Gesundheitsamt war niemand zu erreichen. Contes hofft, dass die Freiheitsbeschränkung Ende nächster Woche dann tatsächlich ein Ende haben wird. Und sie danach wieder arbeiten kann, wir „wollen ja eine Notgruppe anbieten“.

Trotz Infizierung keine Symptome

Auffällige Symptome habe sie übrigens keine, berichtet die 54-Jährige. Sie hofft, dass sich kein Familienmitglied angesteckt hat. Etwas Schnupfen, das sei im Kindergarten ja normal im Winter, deswegen hätte sie niemals Verdacht geschöpft. Aber da war der Kontakt, auf den die Vernunftentscheidung der Familie folgte: Wir bleiben zuhause. Nicht auszudenken, meint Contes, was hätte passieren können: „Das hätte über die Kita weite Kreise ziehen können“. Nach anfänglicher Sorge vor schlimmen Folgen ist sie nun sehr hoffnungsvoll: „Ich bin froh, wenn wir so durchkommen.“

Überhaupt sei die Quarantäne gar nicht so schlimm. Jeder habe seinen Tag strukturiert: „Die Mädchen machen ihre Schularbeit, das machen sie gut“, berichtet die Mutter. Sie selbst arbeitet am Rechner – und nimmt sich im Haushalt auch mal Zeit für die Dinge, die man sonst so nebenbei und in Hektik erledige. „Back to the Basics“, Besinnung aufs Wesentliche, nennt sie das auch.

Hunger leiden musste auch niemand. Bei einer fünfköpfigen Familie sei Vorratshaltung sowieso angebracht. Der Gefrierschrank sei allerdings so langsam leer, am Montag wird eine Lebensmittellieferung der Schwester erwartet. Und dann ist es hoffentlich nicht mehr lange bis zum Ende des häuslichen Einschlusses.

Schmitt war in Tirol

Beim Telefonat am Freitagmittag waren es noch etwas weniger als zwölf Stunden, die Roger Schmitt und seine Frau Saskia von der „Freiheit“ trennten – und vom 18 Monate alten Enkelchen. Das hätten sie am meisten vermisst, berichtet der hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, der sich nach einem einwöchigen Skiurlaub in Tirol freiwillig in die zweiwöchige Quarantäne begeben hat. Schon an der Grenze hätten Anzeigetafeln darauf hingewiesen, zu Hause habe er direkt das Gesundheitsamt kontaktiert, das diese Maßnahme auch empfohlen habe. Symptome haben sich in dieser Zeit jedoch keine entwickelt – es wird also davon ausgegangen, dass zum Glück keine Corona-Infektion vorliegt.

„Wir haben das auch sehr stringent durchgehalten“, sagt Schmitt. Mal in den Garten, das ging schon, doch die vom Gesundheitsamt sogar erlaubten Spaziergänge hat sich das Ehepaar verkniffen. Die beiden haben das Grundstück nicht verlassen. Die Töchter und Schwiegersöhne haben vor der Tür abgestellt, was Mutter und Vater bestellt haben. „Abgerechnet wird, wenn alles vorbei ist“, meint Schmitt lachend.

Im Homeoffice weitergearbeitet

Am Montag geht es wieder zur Arbeit – und darauf freut sich der Beigeordnete. Das Homeoffice sei zwar stabil gelaufen – er lobt die Technik- und EDV-Abteilung dafür, dass alles so gut klappt –, aber „ich bin noch old school, ich vermisse meinen Schreibtisch. Da habe ich meine Unterlagen, kann schnell mal was nachschauen; kann was ausdrucken, aufstehen und zum Drucker laufen.“

Und wie lief es, so zwei Wochen eng aufeinander mit der Ehefrau? Wieder lacht Schmitt. „Wenn es wirklich mal Stress gab, haben wir uns zurückgezogen.“ Im Haus mit zwei Stockwerken – auf jedem ein Fernsehgerät – sei das gut möglich gewesen.

Ohne Symptome in Quarantäne: Kita-Leiterin Steffi Contes freut sich, im Homeoffice mal aufarbeiten zu können, was sonst liegenbl
Ohne Symptome in Quarantäne: Kita-Leiterin Steffi Contes freut sich, im Homeoffice mal aufarbeiten zu können, was sonst liegenbleibt.
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