Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Lauterecken: Bläseroktett präsentiert Kinderoper „Hänsel und Gretel“ voller Spannung

Erzählerin Christiane Palmen, eigentlich Solo-Flötistin der Deutschen Staatsphilharmonie, fesselte durch ihren mitreißenden Vort
Erzählerin Christiane Palmen, eigentlich Solo-Flötistin der Deutschen Staatsphilharmonie, fesselte durch ihren mitreißenden Vortrag. Foto: ESAYERsayer

„Hänsel und Gretel“ heißt nicht nur ein bekanntes Kindermärchen, sondern auch eine romantische Oper von Engelbert Humperdinck. Oboistin Petra Fluhr hat eine Bearbeitung für Bläseroktett mit Kontrabass erstellt, die sie zusammen mit Kammersolisten der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz am Samstagabend in der evangelischen Kirche in Lauterecken vorstellte. Die Erzählerrolle übernahm Christiane Palmen.

Die malerischen Melodien der Bläser überraschten durch die satte Fülle ihres Klangbildes, man vermisste als Zuhörer das Orchester überhaupt nicht. Und viele der bekannten Kinderlieder fanden sich in diesen vollen Klängen wieder, in weichem Fluss oder voll metallisch-eherner Kraft. Auch Erzählerin Christiane Palmen, eigentlich Solo-Flötistin der Deutschen Staatsphilharmonie, fesselte durch ihren mitreißenden Vortrag, der die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute aufleben ließ.

Der Übermut der Kinder, die sich im Spiel von ihrer Not ablenken, der Ärger der gestressten Mutter, die Hänsel und Gretel zum Beerensuchen in den Wald hinausscheucht, schließlich die Sorge der Eltern um die Kinder, die der Knusperhexe in die Hände fallen könnten, wurden sowohl in den farbigen Melodien mit den bekannten, an Volkslieder angelehnten Themen, wie in der Stimme der Erzählerin wieder lebendig.

Grelle Akkorde kündigen die Hexe an

Ein bezauberndes lautmalerisches Panorama ließen die Bläser in einem atmosphärisch dichten Idyll mit sonoren, farbigen Klängen entstehen, das die Nacht der Kinder im Wald beschrieb. Christiane Palmen erzählte dazu vom Taumännchen. Die Entdeckung des Lebkuchenhauses durch die Kinder spiegelte sich in einer breit flutenden und doch liedhaft eingängigen Melodie. Grell einbrechende Akkorde symbolisierten das plötzliche Auftauchen der Hexe. Ihre unterschwellig bedrohliche Freundlichkeit brachte Christiane Palmen mit falschen Untertönen in ihrer Stimme so überzeugend zum Ausdruck, dass den Zuhörern eine Gänsehaut über den Rücken lief. Auch das musikalische Idyll wurde immer wieder von schrillen, fanfarenartigen Tönen unterbrochen, so dass schnell klar wurde: Hier kann doch etwas nicht stimmen. Die harmonische Engführung in Verbindung mit einer gassenhauerartigen Melodie und einem stampfenden Rhythmus fing die Heimtücke der Hexe in Klängen ein, die unter die Haut gingen.

Ein triumphierendes Motiv erzählte vom Sieg der Kinder, forsche Bläserthemen in weich fließenden Klängen mit munteren Drehtanzrhythmen und kraftvollem Ausdruck lösten die dramatischen Momente in überschäumende Lebensfreude auf. Und wie brachte Christiane Palmen die Moral von der Geschicht so treffend auf den Punkt: „Merkt des Himmels Strafgericht – böse Werke taugen nicht!“

Originalpartitur bearbeitet

„Diese Fassung der Oper 'Hänsel und Gretel' ist entstanden, weil ich das Bedürfnis hatte, das zu machen“, erzählte Oboistin Petra Fluhr, die diese kammermusikalische Version über eine Dauer von anderthalb Jahren erarbeitet hat. Uraufgeführt wurde sie 2015 in der Philharmonie Ludwigshafen. „Es gibt von anderen Opern auch solche Harmoniemusikfassungen, Mozart zum Beispiel hat sie für etliche seiner Werke selbst erstellt – bevor es ein anderer macht. Wenn damals ein Fürstenhof sich kein ganzes Orchester leisten konnte, waren solche Fassungen für Bläser und Kontrabass üblich“, erläuterte Fluhr. „Dann aber geriet diese Praxis in Vergessenheit. Von einer romantischen Oper wie ,Hänsel und Gretel’ existierte keine derartige Fassung. Sie bot aber die Chance, das mit über zwei Stunden für Kinder eigentlich zu lange Werk deutlich zu raffen. Man hat die Originalpartitur und überlegt sich: Was will ich behalten? Dann wirft man die Füllsel raus, der Rumpf bleibt“, beschrieb Fluhr ihre Herangehensweise.

Obwohl sie mit ihrer Version bewusst Kinder ab etwa zehn Jahren ansprechen will, betonte sie, dass ihre Bearbeitung keine Kinderfassung ist. „Die haben meist nur die Kinderlieder drin, der Hexenritt ist oft nicht dabei. Ich wollte aber auch die dramatischen Sachen und die romantischen Farben erhalten.“

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