Kreis Kusel
Landratswahl: Welche Themen die Kandidaten schnellstens anpacken wollen
Eine Frau und vier Männer wollen die Nachfolge von Landrat Otto Rubly (CDU) antreten. Etwas über eine Woche hatten die Kandidaten – und gegebenenfalls ihre Teams – Zeit, sechs Fragen der Redaktion schriftlich zu beantworten. Und das in maximal 30 Zeilen. An diese Vorgabe haben sich alle gehalten und pünktlich die Antworten beigesteuert. Eine Auswahl der eingegangenen Leserfragen wird die Redaktion den Kandidaten um das Amt des Landrats im nächsten Schritt persönlich stellen. Doch zunächst die Antworten der Kandidaten auf die Frage „Was sind die beiden wichtigsten Themen, die Sie als Landrat anpacken wollen?“ – in alphabetischer Reihenfolge.
Jürgen Conrad, SPD: Es gibt eine Vielzahl von Themen, die für verschiedene Menschen und Gruppen unterschiedlich wichtig sind. Und die müssen alle angepackt werden. Wenn ich denn aber nur zwei benennen soll, dann wären das folgende: Für alle Bereiche wichtig, sozusagen von übergeordneter Bedeutung – oder wie man heute sagt, ein Querschnittsthema –, ist sicher die Unterhaltung und stetige Verbesserung unserer Infrastruktur. Dies gilt sowohl für die „analoge“ (Straßenerhaltung, Öffentlicher Personennahverkehr, Gebäudemanagement, Energieeffizienz etc.) als auch für die „digitale“. In enger Zusammenarbeit mit den Kommunen, aber auch mit Land und Bund müssen wir diese Aufgaben stemmen. Wenn uns das gelingt, bedeutet das praktische Wirtschaftsförderung und Verbesserung der Lebensqualität der Menschen gleichermaßen.
Ein zweiter, mir sehr wichtiger Themenbereich ist Schule und Bildung. Unsere „Rohstoffe“, aus denen wir eine erfolgreiche Zukunft gestalten können, sind die Bildung, Kompetenz und Kreativität unserer Jugend. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass unsere Schulen, insbesondere die, für die der Landkreis als Schulträger Verantwortung trägt, bestmöglich und modern ausgestattet sind.
Kandidaten im Porträt: Jürgen Conrad.
Thomas Danneck, Votum für den Kreis Kusel: Es gibt viele Herausforderungen für unseren Kreis. Zwei Themen, die ich als zentral erachte, sind die Verbesserung der Finanzausstattung und der Ausbau unserer Infrastruktur mit einem besonderen Fokus auf die Wirtschaftsförderung. Die Finanzausstattung der Kommunen in Rheinland-Pfalz ist nicht weiter hinnehmbar. Zentrale Aufgaben können nicht oder nicht zufriedenstellend bewältigt werden. Gemeinsam mit anderen strukturschwachen Kommunen werde ich mich dafür einsetzen, dass die Mittel auf Landesebene gerechter verteilt werden. Ohne deutliche Verbesserungen der Finanzausstattung können viele notwendige Investitionen in die Zukunft unserer Heimat nicht getätigt werden.
Eine starke Wirtschaft ist entscheidend für die Weiterentwicklung unseres Landkreises. Neben der Unterstützung der bestehenden Betriebe ist es mir daher ein Anliegen, neues Gewerbe, insbesondere aus zukunftsfähigen Sektoren, anzusiedeln. Um Unternehmen in die Region zu holen, ist eine moderne digitale Infrastruktur unverzichtbar. Deshalb werde ich den Ausbau von Breitband und die Erweiterung digitaler Angebote vorantreiben.
Johannes Huber, CDU: Ganz klar, das sind der Ausbau und die Sanierung unserer Kindertagesstätten und Schulen sowie die flächendeckende Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Als junger Familienvater ist mir die Vernetzung und Ausweitung des Angebots in Kindertagesstätten und Schulen besonders wichtig. Die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen muss höchste Priorität haben. Mit den notwendigen baulichen Verbesserungen muss ein Angebot geschaffen werden, das den Anforderungen des Lehrens und Lernens im 21. Jahrhundert entspricht.
Ebenso liegt mir die Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung am Herzen, insbesondere der Erhalt des Krankenhauses in Kusel und die Bekämpfung des Ärztemangels. Dank der Initiative „Ärzte für die Westpfalz“ und der Kooperation mit der Semmelweis-Universität in Ungarn sind wir hier auf einem guten Weg, 26 Studierende sind bereits in Pécs. Es ist wichtig, die Früchte dieser guten Arbeit zu ernten und die derzeit nicht besetzten Arztpraxen wieder zu besetzen, um die medizinische Betreuung unserer Bürgerinnen und Bürger zu sichern.
Wer Johannes Huber kennenlernen will, kann das hier tun.
Catalina Monzon, AfD: Als Ärztin liegt mir die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung sehr am Herzen. Wir brauchen dringend Haus- und Fachärzte, über 45 Prozent der Hausärzte sind über 65 Jahre. Bei den Fachärzten ist ein Viertel über 60. Der ländliche Raum muss für junge Ärzte attraktiver werden. 70 Prozent der Studienabgänger sind Frauen, sowohl sie als auch die Männer legen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das Klinikum gilt es auch zu erhalten. Das Programm „Ärzte für die Westpfalz“ ist ein guter Anfang. Die Erfüllung des Versorgungsauftrages ist immer noch Ländersache und daher ist das Land in der Pflicht. Die überzogenen Forderungen der Krankenhausreform halte ich für fatal und rechtswidrig, diese gehören an die Realität angepasst.
Der Landkreis Kusel hat in Deutschland eine der höchsten Verschuldungen und kaum eigene Einnahmen. Wir sind einer der ärmsten Landkreise mit vielen Pendlern. Ich sehe Möglichkeiten, die Wirtschaft hier zu stärken und Ausgaben zu senken. Die Erschließung von Gewerbegebieten, Ansiedlung von innovativen Industrien, Förderung von Tourismus- und Freizeitindustrie sind einige Stellschrauben, an denen gedreht werden kann.
Das Porträt von Catalina Monzon ist hier zu finden.
Helge Schwab, FWG: Ich möchte gerne zu einem gesunden gesamtgesellschaftlichen Klima in unserem Landkreis beitragen: Insbesondere liegen mir die Entbürokratisierung (Bürokratierückbau!) und die damit verbundene „kundenfreundliche“ Verwaltung sowie ein verlässlicher Beitrag zur finanziellen Entlastung unserer Kommunen, den Lebensräumen unserer Bürgerinnen und Bürger, sehr am Herzen. Denn nur wenn wir die Abgaben- und Steuerlast der Menschen wieder senken, ist eine eigenständige Gestaltungsmöglichkeit in unseren Ortsgemeinden erst wieder richtig möglich.
Und selbstverständlich werde ich, wie bisher auch, ganz genau zuhören, wo in unseren heimischen Betrieben der Schuh drückt. Gleichwertige Lebensbedingungen für die Bürgerinnen und Bürger in allen Verbandsgemeinden muss das gemeinsame Ziel des Kreistages sein. Eine gezielte Unterstützung der Ortsgemeinden – durch Entlastung, aber auch durch interkommunale Zusammenarbeit und die damit verbundenen Synergieeffekte – müssen wieder Lust auf Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinderäten machen.
Hier geht’s zum Porträt von Helge Schwab.