Kreis Kusel
Landrat Johannes Huber: „Ich bin Landrat für den ganzen Kreis Kusel“
Herr Huber, im Sommer haben Sie Ihre vorerst letzte Unterrichtsstunde als Lehrer gehalten. Wie war der Abschied von der Willi-Graf-Realschule in Saarbrücken?
Emotional. Das ist mir sehr nahegegangen, da ich mich an der Schule richtig wohlgefühlt habe. Kollegen, Schüler, Eltern – das hat einfach gepasst. Ich halte noch den Kontakt, beispielsweise kommen frühere Kollegen noch mal nach Brücken, um bei uns Äpfel zu ernten. Außerdem habe ich jemanden aus der Schule mitgenommen ...
Wie mitgenommen?
Die neue Kraft, die an der Seite von Kevin Kreutz das Vorzimmer des Landrats managt, war bis vor kurzem noch Sekretärin an der Willi-Graf-Realschule. Mir war es wichtig, noch jemanden mit dem Blick von außen im Vorzimmer zu haben. Außerdem besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis.
Ist Karin Ruschel, wie es Christa Dahl bei Otto Rubly war, gleichzeitig Ihre Fahrerin?
(lacht) Wie Otto Rubly will ich einen Großteil meiner Fahrten selbst bestreiten. Auf längeren Strecken wird mich künftig Kevin Kreutz fahren.
Bekommt der neue Landrat einen neuen Dienstwagen?
Tatsächlich ist der Vertrag des bisherigen Fahrzeugs ausgelaufen und wir haben einen Audi A5 geleast. Als Landrat mit einem B-Corsa vorzufahren, würde nicht passen, genauso wenig wie mit einer protzigen Limousine. Wir sind immerhin einer der am höchsten verschuldeten Landkreise. Das Fahrzeug ist auch nicht exklusiv für mich als Landrat, sondern kann auch von weiteren Mitarbeitern genutzt werden.
Über Geld sprechen wir später noch mal. Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die vergangenen Monate werfen, in denen Sie vertretungsweise die Verwaltung führten. Otto Rubly war seit August ja immer wieder im Urlaub ...
... und ich fast jeden Tag hier in der Kreisverwaltung. Seitdem bin ich mit vielen Abteilungsleitern schon ins Gespräch gekommen und habe mich vorgestellt.
Auch bei den Mitarbeitern?
In den Ferien hatte ich die Idee, einen Rundgang von Büro zu Büro zu machen. Das kostet allerdings viel Zeit, und in den Ferien waren auch viele im Urlaub. Einmal bin ich gefragt worden, wer ich eigentlich bin (lacht).
Hat der Mitarbeiter zufällig am 20. Oktober einen Termin beim Landrat?
(lacht) Nein, nein. Zum Kennenlernen habe ich ein anderes Format gefunden: Ge(h)spräche. Dabei will ich mit den Referaten wandern gehen und gemeinsam frühstücken. Ich will ungezwungen mit jedem ins Gespräch kommen, und die Gesundheitsförderung spielt mit eine Rolle. Überhaupt habe ich vor, Mitarbeiter nicht nur zu mir kommen zu lassen, sondern in ihre Büros zu gehen. Eine Erkenntnis der vergangenen Monate ist, dass mir Bewegung fehlt.
Dabei haben Sie ein schönes, großes Büro. Wird da viel umgestaltet?
Ein paar Ideen habe ich schon, aber das wird nicht von heute auf morgen passieren. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch wird aber recht schnell kommen, genauso wie Familienfotos und einige persönliche Erinnerungsstücke. Ich habe ein Wahlplakat mit Unterschriften aller, die den Wahlsieg mit mir gefeiert haben.
Gibt es noch weitere Erkenntnisse aus Ihrer Zeit als Urlaubsvertretung?
(lacht) Tatsächlich, ja. Ich habe als Lehrer gern strukturiert gearbeitet. Ein Projekt nach dem anderen. Das geht als Landrat nicht mehr. Der Noch-zu-erledigen-Stapel wird oft schneller größer, als ich ihn abarbeiten kann. Auf Termine bereite ich mich meist schon zu Hause vor, am Vorabend. Aber ich jammere nicht. Im Gegenteil: Diese Vielfalt an verschiedenen Themen und Menschen macht den Reiz aus!
Otto Rubly ist stets attestiert worden, dass er sich tief in Themen einarbeitet und damit nicht selten selbst die Fachleute in der Verwaltung verblüfft hat.
Das stimmt. So tief bin ich natürlich noch nicht drin, aber ich bin bereit, mich in die wichtigen Themen reinzufuchsen. Die Schlagzahl, die Otto Rubly vorgelegt hat, werde ich so nicht erreichen. Ich will ja meine Frau und meine Tochter noch sehen. Wenn das möglich ist, will ich mir den Mittwochabend für die Familie freihalten. Doch was die Themen angeht, fange ich ja auch nicht bei Null an.
Sie waren Ortsbürgermeister in ihrer Heimatgemeinde Brücken. Von dem Amt haben Sie sich verabschiedet.
Das hat mir immer großen Spaß gemacht, ich wäre gern Ortsbürgermeister geblieben. Aber auch als Vorsitzender des Bürgervereins kann ich mich noch einbringen. Mein Engagement für den Ort will ich gern beibehalten und auch mal samstags einen Arbeitseinsatz mitmachen.
Also lieber in Brücken Hecken schneiden als im Norden des Landkreises ein Fest eröffnen?
(entschieden) Nein! Ich hab mir vorgenommen, bei den Leuten zu sein, wann immer es geht. Das Schöne ist ja, dass sich sowas mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Letztens war ich mit meiner Tochter auf Terminen in Waldmohr, Krottelbach, Etschberg und in Wahnwegen. Das hat super gepasst – und meine Tochter hat was vom Landkreis gesehen.
Sind Frau und Kind dann immer mit dabei?
Zumindest immer mal wieder. Wobei für mich klar gilt, dass Privates und Job getrennt sind. Wer was von mir will, soll sich an mich wenden, nicht an meine Frau. Das habe ich auch als Ortsbürgermeister schon so gehalten. Und weil Sie vorhin den Norden des Kreises angesprochen haben ...
Ja?
Ich habe meinen Wahlkampf damals ganz bewusst in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein begonnen. Das ist mir wichtig zu erwähnen, weil ich mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ins Gespräch kommen wollte, um ein Gefühl für die Stimmung und die Themen der Menschen zu bekommen. Denn: Ich bin Landrat für den ganzen Kreis Kusel – und auch gerne im ganzen Landkreis unterwegs.
Lassen Sie uns über Geld reden. Otto Rubly hat’s trotz aller Bemühungen nicht geschafft, einen zumindest ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.
Das schafft für den Kreis Kusel niemand. Auch ich werde da keine Verbesserung hinbekommen, denn das wird an anderer Stelle entschieden. Unser Ansprechpartner ist das Land, da müssen wir uns hinwenden und auf unsere Probleme aufmerksam machen. Das Land kann dann mit dem Bund verhandeln. Ich bin froh, dass vor den Landtagswahlen gerade viele Fördergelder fließen – aber strukturell hilft uns das nicht.
Geht der Landkreis also nicht gut mit dem Geld um?
(lacht) Wenn das so wäre, wäre ein Landkreis in Rheinland-Pfalz verschuldet, vielleicht zwei. Aber wir sind damit nicht alleine. Die finanzielle Situation der Kommunen ist ein Dauerthema in der Landrätekonferenz. Die laufenden Kosten von ÖPNV, Jugend und Sozialem übersteigen unsere Einnahmen bei weitem. Wenn sich daran nichts ändert, kommen wir auf keinen grünen Zweig.
Blieben noch Einsparungen bei freiwilligen Leistungen. Beispielsweise beim Vitalbad.
Für Familien ist das Hallenbad eine ganz wichtige Sache. Wir können nicht jammern, dass Kinder kaum noch schwimmen können und gleichzeitig alle Schwimmbäder schließen. Ja, das Vitalbad kostet uns und die Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan viel Geld, aber es ist für mich nicht wegzudenken.
Sparen wir also beim Kulturprogramm, das ebenfalls eine freiwillige Leistung ist?
Das ist für mich als leidenschaftlicher Musiker ebenfalls nicht wegzudenken. Vielleicht gibt es mal für ein Jahr ein abgespecktes Programm, wenn das Dach der Fritz-Wunderlich-Halle saniert wird, aber diese Ausgaben sind zu stemmen. Übrigens war im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Karten so groß wie noch nie. Ich finde es toll, dass wir als Landkreis – zusammen mit der Verbandsgemeinde und der Stadt – so ein Programm zusammenstellen können. Das findet man sonst nur in größeren Städten.
Die Musikschule ist ebenfalls eine freiwillige Leistung ...
Also ich finde ein Kuseler Musikantenland ohne kommunale Musikschule schon eine schwierige Vorstellung. Die Einrichtung wird defizitär bleiben, aber durch die Gründung eines Vereins haben wir uns besser aufgestellt und versuchen, das Minus so klein wie möglich zu halten.
Bleiben zum Sparen eigentlich nur die beiden Burgen. Die Burg Lichtenberg zum Beispiel, deren Erhaltung ebenfalls auf freiwilliger Basis läuft.
Wir sind einer der wenigen Landkreise, die stolze Besitzer einer Burg sind. Die Burg Lichtenberg ist gerade erst barrierefrei ausgebaut worden, und sie ist ein Aushängeschild für die gesamte Region. Sollen wir die verkaufen? Da geht es ja schon los – wer kauft eine so große Burg?
Und was ist mit der Wasserburg?
Das ist ein Erbe, das mir nicht nur Otto Rubly hinterlässt. Burg und Schwesternheim sind zwar top ausgestattet, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es sehr schwierig ist, dort etwas umzusetzen.
Ebenfalls eine freiwillige Leistung, aber im Vergleich zu den genannten Beispielen ein eher kleiner Posten ist der Europäische Bauernmarkt. Wird es den mit Landrat Huber weiterhin geben?
Das werde ich nicht alleine entscheiden. Aber wenn ich an die beiden Jahre in Konken zurückdenke: Drei von vier Tagen waren richtig super. Und fürs Wetter kann niemand etwas. Bisher hat’s jeder Ort geschafft, einen eigenen Höhepunkt zu setzen. In Konken war es das Maislabyrinth, das es so vorher noch nicht gegeben hat.
Ich sehe aber auch, dass es schwieriger wird, Gemeinden zu finden, die das stemmen. 400 Helfer an dem Wochenende und darüber hinaus ein Jahr Vorbereitung, das ist schon ein Brett. Spricht aber dafür, den Markt weiter für jeweils zwei Jahre zu vergeben. Im zweiten Jahr lässt sich immer ein Lerneffekt sehen. Und nur selten ist der europäische Gedanke so erlebbar. Deshalb fände ich es schade, wenn der Markt einschläft. Zum Glück gibt’s zwei Interessenten, mit denen wir sprechen werden.
Otto Rubly ist am Freitag vor acht Tagen im Kreistag verabschiedet worden. Wenn Sie eine Eigenschaft von Ihrem Vorgänger übernehmen könnten, welche ist das?
Ähnlich wie bei Pius Klein, meinem politischen Ziehvater aus Brücken: immer ein offenes Ohr zu haben, wenn Bürger etwas wissen wollen. Diese offene Art ist mir wichtig. Und wenn es in der Verwaltung etwas gibt, was nicht läuft, sollen die Mitarbeiter das ansprechen und nicht kommentarlos schlucken.
Lassen Sie uns zum Schluss kurz in die Zukunft blicken. Welche Herausforderungen stehen im ersten Jahr Ihrer Amtszeit an?
Einen Haushalt aufzustellen, der im Kreistag eine möglichst breite Mehrheit findet, wird herausfordernd. Ebenso die Umsetzung des regionalen Zukunftsprogramms samt der Bauprojekte. Froh bin ich, dass das Engagement von Smart-City jetzt sicht- und greifbarer wird, Stichwörter: Fitnessparcours und Dritte Orte. Da tut sich gerade richtig viel.
Legt ein junger Landrat – Sie sind 39 Jahre und technikaffin – einen Fokus auf die Digitalisierung?
Natürlich wollen wir Schritt für Schritt digitaler werden. Zunächst werden wir Vorgänge verändern, die wir selbst in der Hand haben. Beispielsweise indem wir Anträge digitalisieren, wo das möglich ist. Künstliche Intelligenz sehe ich unter anderem beim Erstellen von Sitzungsprotokollen als sinnvoll an. Das kann entlasten.
Zur Person
Johannes Huber, Jahrgang 1986, lebt mit seiner Frau und einer Tochter in Brücken. 2006 hat er am Gymnasium Kusel sein Abitur gemacht und anschließend in Landau Lehramt studiert. Huber war zuletzt an der Willi-Graf-Realschule in Saarbrücken tätig, unterrichtete Biologie, Chemie, Physik, Erdkunde und Informatik. Zu seinen Hobbys zählen Trompetespielen und der Einsatz für seinen Heimatort. Dort war er seit der Kommunalwahl Ortsbürgermeister, zudem saß er für die CDU im Verbandsgemeinderat Oberes Glantal. Im Sommer 2024 wurde er zum Ersten Beigeordneten des Landkreises gewählt.