Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Landkreis testet sechs Fahrraddraisinen mit Elektroantrieb - Eigenbau spart Geld

Rasante Fahrt
Rasante Fahrt

Nicht nur die Konferenz-Draisinen sollen künftig mit Strom statt Muskelkraft unterwegs sein. Der Landkreis testet derzeit neue E-Draisinen, Marke Eigenbau. Mit einem prominenten Testfahrer.

Die seit 2018 angekündigte Elektrifizierung von Fahrraddraisinen auf der Strecke zwischen Altenglan und Staudernheim geht voran. Sechs E-Viersitzer laufen im Testbetrieb.

Wenn alles klappt, können sie in der Saison 2021 gebucht werden. Geld für Neuanschaffungen von E-Draisinen hat der Landkreis keins, aber laut Landrat Otto Rubly eine motivierte Draisinenwerkstatt. Diese arbeite an der Nachrüstung der vorhandenen Fahrraddraisinen. „Bravourös“ habe ein Prototyp im Herbst 2019 die rund 40 Kilometer entlang des Glans mit ihm sowie Philipp Gruber und Philipp Schultheiß an Bord gemeistert, formuliert Testfahrer Rubly. Gruber und Schultheiß sind beim Landkreis für die Draisinenstrecke verantwortlich.

Aufgebracht hatte das Thema der E-Bikes auf der Schiene die SPD-Kreistagsfraktion. Angesichts der gut gebuchten drei elektrifizierten Siebensitzer, die als „Konferenzdraisinen“ seit 2013 auf der stillgelegten Bahntrasse laufen, fragten die Genossen jüngst sich und den Landrat, ob es sich nicht lohnen würde, weitere E-Draisinen anzuschaffen.

Tüftler in der Werkstatt

Nachfrage bestehe, sagt Rubly, doch: Fast 20.000 Euro würde ein neuer E-Siebensitzer kosten – utopisch für den hoch verschuldeten Kreis. 2013, als die jetzt noch fahrenden drei Konferenzfahrzeuge mit E-Motor angeschafft wurden, waren es noch 14.500 Euro, für die es auch noch einen ordentlichen Zuschuss aus dem europäischen Leader-Programm gab. Doch der Landkreis ist zumindest bis 2022 nicht mehr Teil einer solchen Förderregion, nur die Verbandsgemeinde Oberes Glantal noch.

Vor diesem Hintergrund war es nahezu ein Glücksfall, dass die Steuereinheit der E-Siebensitzer 2017 zu schwächeln begann und Draisine 102 in der Folge sogar rein auf Muskelkraft-Antrieb umgestellt werden musste. Ersatz hat der Hersteller nach Angaben des Landrats nicht beschaffen können. Schließlich sei in einem Kooperationsprojekt eine neue Steuereinheit im Kreis Kusel entwickelt worden. Das machte zwar eine Firma, doch die technischen Schwierigkeiten bescherten dem Werkstattpersonal der Draisine viel Erfahrung in Sachen Elektro-Draisine. Und so begann man, an einer Nachrüstung der vorhandenen Viersitzer mit einem E-Antrieb zu tüfteln, statt teuer einzukaufen.

Für betagte Ausflügler

Inzwischen liegt laut Rubly die Betriebserlaubnis für den Eigenbau vom Landesbetrieb Mobilität in Koblenz vor, und sechs Viersitzer sind für 2500 Euro pro Stück nachgerüstet und bereits im Testbetrieb. Sie werden nach dem Zufallsprinzip an die Besucher ausgegeben. Bisher laufe das Modell sehr zuverlässig, die Rückmeldungen seien positiv, „so dass wir die Draisinen im nächsten Jahr explizit als Elektro-Fahrrad-Draisine vermieten können“, erläutert Rubly. Vor allem für betagtere Ausflügler werde die Strecke dadurch interessanter. „Dank sei unseren Tüftlern, die dem Landkreis viel Geld sparen.“

Der Frage, wie die neuen E-Draisinen mit Strom aus erneuerbarer Energie betrieben werden können, will sich der Landkreis laut Rubly in der Winterpause widmen.

Einwurf: Senioren unter Strom

Not macht erfinderisch. Wenn kein Geld in der Kasse ist, wird improvisiert. Seit 20 Jahren fahren die Drasinen durch das Kuseler Land. Eine Auffrischung der Touristen-Attraktion ist überfällig. Was liegt da näher, als auf den Zug der E-Mobilität mit aufzusteigen und vor allem bei Senioren damit zu werben.

Batteriebetrieben
Batteriebetrieben
Mitarbeiter Thomas Glück setzt Battere in E-Draisine
Mitarbeiter Thomas Glück setzt Battere in E-Draisine
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