Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Kuseler Wochenendkolumne: Task Force findet keine Mittel gegen Whiskey, Koks und Zukunftsängste

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Machtwechsel in Mainz, historischer Triumph für CDU-Mann Rubly: Wird jetzt alles besser? RHEINPFALZ-Redakteur Christian Hamm hat da doch so seine Zweifel.

So. Die Kreuzchen sind gemacht, die Stimmen ausgezählt. Wird jetzt alles besser? Oder sogar gut? Wohl kaum. Mehr Sorgen als die künftige Finanzausstattung der Kommunen bereitet beispielsweise Verkehrsteilnehmern der tägliche Blick nach oben.

Geht es Ihnen auch so? Schauen Sie wie automatisch auf die Preistafel, wenn Sie an einer Tankstelle vorbeikommen? Die Zahlenkolonnen würdige ich sonst keines Blickes, wenn sich nicht ein Stopp an der Zapfsäule abzeichnet, weil sich die Nadel dem roten Strich nähert. Nun mag die Zwei vorm Komma so manchen schwer verärgern. Nur: Die Spritpreise sind lediglich die Spitze eines Eisbergs, der da auf uns zudriftet und alles, wirklich alles zu erschüttern droht.

Machen wir uns nichts vor: Kommen die Kriegsparteien im Nahen Osten nicht schnellstens zur Räson, wird es zappenduster – weltweit. Dann wird sich der Verfall in unserem Land beschleunigen. Irren Preissprüngen an der Tanke werden ebensolche im Supermarkt folgen. Steigende Energiepreise werden noch mehr Firmen in die Knie zwingen und eine weitere Insolvenzwelle befeuern.

Rekordloch droht noch auszufransen

Das wirkt natürlich auch auf die öffentlichen Kassen – da droht das Rekordloch im Kuseler Kreishaushalt noch mal gewaltig auszufransen. Zurzeit fehlen 30 Millionen. Wie tief soll der Krater noch werden? Müsste da nicht sofort eine Task Force her, deren Mitglieder wichtige Worte verlieren, prüfen und erörtern, abwägen und Forderungen formulieren, aber nichts Konkretes auf die Kette bringen?

Task Forces für tagesaktuelle Herausforderungen und Kommissionen für all das, was nicht brandeilig erscheint: Mit derlei Gremien werden ja seit geraumer Weile in Berlin Stillstand und Rückschritt verwaltet. Mit wirkungsvollen Maßnahmen tut man sich dagegen schwer – viel lieber wird über absurde Vorschläge gestritten. Wenn sich nun auch in der Mainzer Koalition der abgewählte Partner in erster Linie profilieren möchte, sieht es trübe aus. Auch um das Versprechen, notleidende Kommunen besser auszustatten.

Politischer Spätberufener überzeugt die Wähler

Am größten ist die Not in der Westpfalz. Umso erstaunlicher, dass da die SPD so gute Ergebnisse erzielt hat. Wo die Ampel viel mehr Geld hat hinfließen lassen, gibt’s gar keine rot eingefärbten Wahlkreise auf den Ergebnisübersichten. Alles schwarz. Der Kreis Kusel ist rot. Aber nur bei den Zweitstimmen. Den Wahlkreis hat die CDU gewonnen – oder besser: ein einziger CDUler. Denn es war weniger die Partei oder deren Programm, es war die Persönlichkeit Otto Rubly, die überzeugt hat. Der Ex-Landrat hat Historisches geleistet: Er hat den im Musikantenland sieggewohnten Genossen glatt das Wahlkreismandat gemopst. Aus dem (Ruhe-)Stand.

Die Wähler trauen dem politischen Spätzünder aus Sand offenkundig zu, dass er im Landtag in allererster Linie die Interessen der Menschen im Kuseler Land vertritt – und nicht die Interessen der Partei. Mit der Masterplan-Westpfalz-Offensive hat Rubly Plan bewiesen und klar aufgezeigt, woran es krankt. Das „Weiter so“ des Genossen hat da weniger überzeugt.

Bekenntnis zur Bundeswehr wär’ nicht schlecht

Ein Wahlkampfthema droht indes in den Hintergrund geraten: Was passiert auf dem Windhof? Ein klares Bekenntnis zur Rückkehr der Bundeswehr würde auch der neuen Regierungskoalition gut zu Gesicht stehen. In Kusel gehen immer mehr Lichter aus, die letzten alteingesessenen Geschäfte verlassen die Innenstadt. Die Rückkehr der Truppe wäre ein Segen auch für Handel- und Gewerbetreibende in der Westpfalz. Die Aufnahmeeinrichtung lässt sich auch anderswo unterbringen – die Kuseler haben diese Belastung elf Jahre lang meist klaglos ertragen. Jetzt wäre mal Verschnaufen angesagt.

Zumal ab und an von alarmierenden Auswüchsen auf dem Windhof die Rede ist: In der Afa steht offenbar Alkohol- und Drogenkonsum auf der Tagesordnung. Das steht in keiner Polizeistatistik, das berichten ganz freimütig Bewohner, wenn’s hart auf hart kommt. So zu hören beim aktuellen Prozess um zweifache versuchte Tötung. Da haben Zeugen über tägliche Portionen Koks und Flaschen voller Whisky geplaudert, als sei es das Normalste auf der Welt. Schaut da vielleicht auch mal eine Task Force hin?

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