Kusel
Kuseler Herbstmesse: Erster Ausfall seit Ende des Zweiten Weltkriegs droht
„Gibt das einen Sinn?“ Diese Frage stellt Jochen Hartloff mehrfach, wenn man mit ihm über die Herbstmesse des Jahres 2020 spricht. Klar ist für ihn: Eine Mess, so wie man sie kennt, wird es ohnehin nicht geben. Eine mit dichtem Gedränge im Festzelt. Eine, die „von sozialer Nähe, nicht von sozialer Distanz lebt“, wie Kusels Stadtbürgermeister weiß.
„Hartloff: Gesundheit geht vor“
Schon nachgedacht, „lose gesprochen“ habe man in der Stadtspitze darüber, „ob man die Mess in einer anderen Form durchführen kann“. Aber mit der Verlängerung des Veranstaltungsverbots bis zum 31. August scheint auch das in weitere Ferne gerückt. Schon eine minimale Verlängerung des Verbots würde sämtliche Planungen zunichte machen.
Zudem: „Die Gesundheit der Besucher geht vor“, wie Hartloff unterstreicht. Selbst wenn ab 1. September wieder Veranstaltungen stattfinden dürften, weil die Maßnahmen greifen und die Infiziertenkurve sich über Sommer flacher entwickelt, dann müsse man sich dennoch fragen, ob es gleich ein solch großer Menschenauflauf wie bei der Herbstmesse sein müsse. Und man müsse sich fragen: „Wollen die Leute überhaupt auf die Mess, wenn sie kein gutes Gefühl dabei haben?“
Entscheidung erst im Mai/Juni
Natürlich müsse man sich im Stadtrat nun überlegen, wie eine solche abgespeckte Version der Herbstmesse aussehen könnte (Hartloff: „Komplett im Freien?“). Doch da bleibe in jedem Fall die Frage nach dem Sinn einer Herbstmesse mit Social Distancing.
Eine endgültige Entscheidung ist laut Hartloff „jetzt noch nicht notwendig. Die grundlegende Organisation steht zu großen Teilen, die Werbung läuft ohnehin erst später an“. Allerdings sehe er es „mit einer gesunden Skepsis“, ob es im Jahr 2020 eine Herbstmesse geben wird.
Bis zur Sommerpause müsse eine Entscheidung dann aber her. Für Ende Mai/Anfang Juni kündigt Jochen Hartloff Klarheit an. Bis dahin werde es aus wissenschaftlicher Sicht genauere Erkenntnisse geben, welche Effekte die bisherigen Maßnahmen haben und wie die sich die Fallzahlen entwickeln werden.
Auch die Schausteller im Blick
Im Mai solle auch erneut Kontakt zu den Schaustellern aufgenommen werden. Jenen drohe ja nun die gesamte Saison wegzubrechen. Aber auch für sie stelle sich die Frage, ob es Sinn ergibt. Ob sich der Aufwand mit Anfahrt, Auf- und Abbau lohnt für eine abgespeckte Messe. Eine, bei der womöglich nicht vier Personen in einer Gondel oder zwei Personen in einem Autoscooter sitzen dürfen. Denn selbst, wenn Großveranstaltungen ab 1. September wieder zugelassen würden, sei ja nicht klar, welche anderen Regeln noch in Kraft sind.
Da er die „große Mehrheit der Bevölkerung“ bislang als „sehr vernünftig“ im Umgang mit der Corona-Krise wahrgenommen hat, glaubt Hartloff, dass die Kuseler Verständnis aufbringen werden, so es denn nicht zur Herbstmesse kommt. Es wäre das erste Mal seit der Zwangspause während des Zweiten Weltkriegs. Falls es im September nichts wird, „dann sollte die Zielfinition die nächste Mess sein“, befindet Jochen Hartloff. „Ein Ausweichtermin, beispielsweise im Frühjahr, gibt meiner Meinung nach keinen Sinn.“