Lohnweiler
Kurioses Geschäftskonzept: Frau betreibt Modeladen bei sich zuhause mit Terminshopping
Vor knapp fünf Jahren hat sich Nadine Eckert ihren Traum vom eigenen Geschäft erfüllt und bringt neben italienischer Mode auch Schmuck und Accessoires in ihren Verkaufsräumen in den eigenen vier Wänden an die Frau. Zwei Räume mit einer Gesamtfläche von rund 30 Quadratmetern reichen aus für das Modeatelier „Kunterbunt Nadine Eckert“ – einige Dekoartikel präsentiert die 41-Jährige im vorgelagerten Flur.
Das Angebot richtet sich sowohl an Teenager, als auch an ältere Kundinnen. Daneben gebe es zahlreiche Dekoartikel, Taschen und Modeschmuck. Für Kinder bestehe eine kleine Auswahl an Kleidung und es gibt einen Tisch mit Spielsachen. Männermode sei „nicht so gelaufen“, berichtet die Inhaberin, daher habe sie diesen Bereich aussortiert. Zu ihren Stammkundinnen zählten Frauen aus Homburg, Pirmasens, Idar-Oberstein und Bad Kreuznach, sagt Ecker.
Kein Kaufzwang bei Shoppingtermin
Es gibt keine klassischen Öffnungszeiten, zu denen Kunden vorbeikommen, sondern Terminshopping für Einzelpersonen, aber auch kleinere Gruppen, um unverbindlich im Sortiment zu stöbern. „Es gibt natürlich keinen Kaufzwang“, berichtet Eckert. Rund 1000 Artikel finden sich in den Verkaufsräumen – von Größe 34 bis 56 gibt es Angebote. Auch ein Ständer mit Fünf-Euro-Artikeln steht bereit.
Was nach einer Weile nicht zum Normalpreis verkauft wurde, befindet sich einige Zeit dort. Geht es auch dann nicht über die Ladentheke, spendet Eckert die Ware an das Team Plan B, das Bedürftige im Kreis Kusel unterstützt.
Selbstbedienungshäuschen schon recht beliebt
Seit Kurzem steht Interessenten vor ihrem Geschäft von 8 bis 20 Uhr ein Selbstbedienungsverkaufshäuschen zur Verfügung. Das betreibe sie „aus Spaß an der Freude“, informiert Eckert. Bezahlt wird über Paypal oder man wirft das Geld passend in die Kasse. Das Angebot erfreue sich schon einiger Beliebtheit, sagt die Ladenbetreiberin. Ihre Sorgen um Diebstahl oder Vandalismus seien nicht allzu groß, denn der Bereich werde videoüberwacht.
Während der Einzelhandel in der Pandemie zu kämpfen hatte, könne sich die 41-Jährige nicht beklagen. Die Kostensteigerungen und Folgen der Inflation bekomme Eckert aktuell noch nicht zu spüren, selbst der Onlineriese Amazon sei kein größeres Problem. In wirtschaftlicher Hinsicht habe sie einige Vorteile, da sie keine Mitarbeiter und keine Miete bezahle und ihr Zuhause ohnehin beheizen müsse.
Medizinische Fachkraft mit Affinität zum Verkauf
Ihre Affinität zum Verkaufen hatte Eckert schon in ihrer Kindheit entdeckt, als sie mit ihren Eltern auf Trödelmärkten viel Spaß beim Beraten der Kundschaft hatte. Dennoch orientierte sie sich beruflich anders und absolvierte eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Seit 2012 arbeitet sie im Westpfalzklinikum Kusel, aktuell in Teilzeit im Sekretariat der Orthopädie. Unterstützt wird die Mutter, Ladeninhaberin und Teilzeitkraft tatkräftig von ihrem Mann.
Die Einzelhändlerin sieht ihren Laden und den damit verbundenen Aufwand nicht als „Arbeit“ an, wenngleich viel mehr dahinterstecke, als nur Waren zu verkaufen. Schließlich gehe es auch um die Präsentation, Terminvereinbarungen und den ganzen Papierkram, der sie manchmal bis in die späten Abendstunden beschäftige. Ihre Ware bekommt sie wöchentlich von deutschen Großhändlern.
Einblicke in das wechselnde Sortiment, Angebote und Aktionen bietet Eckert auf Facebook auf ihrer Seite „Kunterbunt Nadine Eckert“ sowie über Whatsapp. Dort werden auch die Shoppingtermine vereinbart.