Kreis Kusel Kuchen und WLan: Wenn der Digitalbotschafter zum Kaffeekränzchen kommt

Digitalbotschafter Peter Fritz (stehend) erklärt, seine „Schüler“ (von links) Cornelia und Udo Knobe, Karla Junk und Lilli Niebe
Digitalbotschafter Peter Fritz (stehend) erklärt, seine »Schüler« (von links) Cornelia und Udo Knobe, Karla Junk und Lilli Niebergall versuchen, die Tipps direkt auf ihren digitalen Geräten umzusetzen. Bei den Treffen gibt es viele Fragen, aber auch einiges zu lachen – und oft auch einen leckeren Kuchen.

Digitalbotschafter Peter Fritz wird öfter von Frauen zum Kaffeekränzchen eingeladen. Dann geht es aber weniger um Kuchenrezepte als um einen funktionierenden WLan-Schlüssel.

Peter Fritz ist einer der Digitalbotschafter (Dibo), die sich freiwillig dem Abenteuer verschrieben haben, Menschen in die digitale Welt zu begleiten. Aber nicht irgendwo im luftleeren Schulungsraum – manchmal sitzt er mitten in einer Gruppe von Frauen zum Kaffeekränzchen im Wohnzimmer, vor sich ein Stück Kuchen und im Raum schwirren 1000 Fragen umher. Manchmal ist die Hemmschwelle zu hoch – man hat sich einfach nicht in eine seiner Schulungen getraut und will seine Probleme lieber in der häuslichen Umgebung zur Sprache bringen.

Regelmäßig lädt Dibo Fritz zu seinen „Offenen Treffs“ nach Altenglan und Körborn ein. Dort kennen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer inzwischen beim Namen – und sie sind bald beim vertrauten „Du“. Die Kaffeemaschine läuft zuverlässig wie ein alter Diesel, irgendjemand hat garantiert etwas Süßes mitgebracht, und auf dem Tisch liegen nicht nur Servietten, sondern auch Smartphones und Tablets. Man freut sich auf das Wiedersehen genauso wie auf die neuen IT-Themen, die Dibo Fritz vorbereitet hat. Und ja – hier hat niemand Angst vor der Technik. Respekt vielleicht. Misstrauen gelegentlich. Aber Angst? Die wurde längst mit dem WLan-Passwort überwunden.

Siri ist nicht die Tischnachbarin

Einzelunterricht gibt es allerdings von Dibo Fritz nicht. Keine Privatsprechstunde mit digitalem Hausbesuch auf Zuruf. Denn gelernt wird gemeinsam. Es sollen sich kleine Gruppen zusammenfinden – Menschen, die voneinander lernen, miteinander lachen und im besten Fall merken: „Ach, das Problem hatte ich auch schon!“ Und genau darin liegt der Zauber: Wer nebendran sitzt, profitiert automatisch.

Wenn sich also eine kleine Runde zusammenfindet, kommt der „digitale Ritter“ auch mal ins heimische Wohnzimmer. Dann wird aus dem Workshop ein digitales Kaffeekränzchen. Einer fragt nach dem WLan-Passwort, die andere möchte Fotos verschicken, der Nächste hat aus Versehen die Sprache seines Tablets auf Spanisch gestellt („¿Dónde está mein Google?“). Und plötzlich lernen alle gleichzeitig – auch wenn manche Siri zunächst für ihre Tischnachbarin halten. Manchmal bekommt ein Foto den letzten Schliff, bevor es zum ersten Mal an die Kinder oder Freunde verschickt wird – mit leicht zittrigem Finger, aber stolz geschwellter Brust. Für routinierte Smartphone-Nutzer mag das banal klingen. Für die Teilnehmer der „Offenen Treffs“ ist es ein kleiner Triumph. Und diese Triumphe werden mit einem zufriedenen Lächeln gefeiert.

Tipps für Online-Shopping und Google Maps

Fragen, die bei diesen Zusammenkünften geklärt werden, gibt es mehr als genug. So wollen die Senioren beim Mittwochstreff mehr über das Thema Datensicherheit wissen. Die Landfrauen wiederum interessierten sich für die Tätigkeiten eines Digitalbotschafters und fragen nach Tipps für Online-Shopping, ohne Opfer von Phishing zu werden. Eine Teilnehmerin wollte sich über die Abzocke beziehungsweise die Sicherheit im Netz informieren. Die Bahn-Rentner erkundigten sich, wie Google Maps zu benutzen ist – nicht, weil sie direkt in Urlaub fahren, sondern um es bei Bedarf nutzen zu können. Die Bürgerbusfahrer wiederum bekamen iPads in die Hand gedrückt – und plötzlich war der Fahrplan nicht mehr im Handschuhfach, sondern in der Cloud.

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Vor allem, wenn Dibo Fritz in einem Raum mit zehn wissbegierigen Leuten steht, die alle ein anderes Tablet, ein anderes Problem und eine andere Lautstärke mitgebracht haben. Dann versucht der Seminarleiter, mit ruhiger Stimme durchzudringen – was schwierig ist, wenn neben ihm gerade jemand seine Lesebrille verloren hat und ein anderer laut ruft: „Mein Google geht nicht mehr!“ Die Wahrheit ist: Man kann nicht alle gleichzeitig abholen. Und manchmal bleibt jemand zurück, der unzufrieden und verwirrt ist – oder einfach satt vom Kuchen. Aber auch das gehört dazu.

Du musst nicht wissen, was ein Nerd ist

Warum man zu den Treffen hingehen sollte? Weil sie keine Schulungen im klassischen Sinne sind. Es sind Gelegenheiten, Fragen zu stellen, Antworten zu bekommen – und das ganz ohne Druck. Du musst kein Nerd sein. Du musst noch nicht mal wissen, was ein Nerd ist. Ob E-Mails, Whatsapp, Onlinebanking oder Gesundheits-Apps: Die Digitalbotschafter erklären alles in einfachem Deutsch. Geduldig, mit echten Geräten und mit dem beruhigenden Gefühl: Du bist nicht allein mit deinen Fragen. Manche Teilnehmer und Teilnehmerinnen kommen zu jedem der „Offenen Treffs“, manche sind nur einmal dabei. Denn neben dem Internet geht’s auch um Kontakt, Austausch und Lebensfreude; sowie um das gute Gefühl, die Dinge (wieder) selbst in die Hand nehmen zu können – ob Smartphone oder Tablet.

Natürlich können die Digitalbotschafter nicht zaubern. Und manchmal ist das Tagesziel eben nur, das Passwort zu finden. Oder ein Foto zu verschicken. Oder herauszufinden, dass der Computer gar nicht kaputt ist, sondern nur der Stecker nicht in der Dose steckt. Aber das macht nichts. Es geht nicht darum, perfekt zu werden, sondern selbstbewusst. Schritt für Schritt. Klick für Klick. Wenn du also schon mal gedacht hast: „Ich will nicht mehr jedes Mal meinen Enkel fragen“, „Ich hab da so ein Gerät – weiß aber nicht, was es will“ oder „Ich will online einen Arzttermin machen, aber irgendwie hab’ ich dann einen Flug nach Singapur gebucht“, dann bist du dort genau richtig. Die Digitalbotschafter sind keine Magier, aber sie sind da, um zu helfen. Mit Geduld, Humor – und manchmal einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen, frisch serviert von jemandem, der die Bedienung seines Smartphones gerade in den Griff bekommen hat. Und wer weiß – vielleicht bestellst du demnächst deine Bücher auch selbst. Oder sogar neue Kaffeefilter. Im Internet. Ganz ohne Stress.

Termine

9. März, 14.30 Uhr, Offener Treff, Wirtschaftsraum der Realschule Plus, Altenglan.

Die Serie

Peter Fritz ist einer der rheinland-pfälzischen Digitalbotschafter im Landkreis Kusel. Eine Übersicht ist im Internet zu finden: digital-botschafter.silver-tipps.de. Fritz bietet offene Treffs in Altenglan und Körborn an. In einer neuen monatlichen Serie berichtet Fritz von seinen Erlebnissen in den Gruppen, seinen Internetrecherchen und Themenschwerpunkten für Seniorinnen und Senioren. Autorin der Serie „Aus dem Leben von Dibo Fritz“ ist Anita Fritz, die Ehefrau des Digitalbotschafters.

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