Kreis Kusel Klassik, Komik, Käsebande
Sie sind so etwas wie die Seele des Festivals, die Geschwister Anna Theresia, Julian und Valentin Steckel aus Pirmasens. Zwar machen sie längst fern der Heimat Karriere, doch einmal im Jahr, zum Euroclassic-Festival, kommen die gefeierten Solisten zurück, um für das Festival etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Diesmal gleich zur Eröffnung – und nicht in Pirmasens, sondern in Hornbach: Am 2. September um 19 Uhr heißt es schlicht „Geschwister Steckel und Freunde“.
Die Freunde sind natürlich auch Musiker. Wie viele kommen, ist eine Überraschung. Und eins der Stücke, das sie spielen, wahrscheinlich auch: Felix Mendelssohn Bartholdy war erst 16, als er sein Oktett in Es-Dur für vier Violinen, zwei Violen und zwei Celli schrieb. Es ist ein luftiges Stück, aber auch ein sehr schwieriges, das sich die Steckels ausgesucht haben. Genau die richtige Herausforderung. Dazu gibt es die zwei Divertimenti op 136 und 137, die ein anderer 16-Jähriger komponierte: Wolfgang Amadeus Mozart. Einen so jungen Auftakt gab es noch nie. Anna Theresia (geboren 1985), Julian (geboren 1982) und Valentin (geboren 1981) Steckel sorgen auch noch für einen zweiten Coup. 2007 stellten sie erstmals ein Euroclassic Festivalorchester (Efo) auf die Beine, mit befreundeten Musikern aus ganz Europa. Die Zusammensetzung ist jedes Jahr anders. Diesmal bietet das Efo am 3. Oktober, dem deutschen Nationalfeiertag, um 18 Uhr in Pirmasens neben Beethovens Sinfonie „Eroica“ und der „Coriolan“-Ouvertüre ein eher nachdenkliches Werk. Das „Concerto funèbre“ für Violine und Streicher von Karl Amadeus Hartmann (1902-1963). Hartmann, der auch nur für dieses Werk bekannt ist, schrieb es 1939, in den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs, und diese Stimmung ist auch zu hören. Es ist ein klangschönes Werk, und mit Antje Weithaas als Solistin und Leiterin des Orchesters (die Steckels treten da ganz bescheiden auf und spielen keine Soli) kann man auch hier ein Vergnügen erwarten. Die zweite Kontinuität des Festivals ist die A-Cappella-Nacht, die immer in Blieskastel über die Bühne der Bliesgau-Festhalle geht (und meistens schon nach wenigen Tagen Vorverkauf ausverkauft ist!). Sie macht den Steckels und dem Efo Konkurrenz, denn sie findet auch am 3. Oktober statt. Ab 19 Uhr sind drei Vokalgruppen zu hören, die zu den besten ihrer Art in Europa zählen, allen voran Maybebop. Die Bebopper waren schon zweimal in Blieskastel, gelten als Kult und sind die Lieblinge, wie sich im Vorjahr herausstellte, als das Publikum wählen durfte, wer kommen soll. Mit dem Frauenquartett Chilli da Mur aus Österreich und Acoustic Instinct, dem Beatbox-Duo aus Freiburg, sind zwei weitere Gruppen dabei, die Laune machen. Das gilt auch die für die Zweibrücker Top-Acts: den Jazzer und Komiker Helge Schneider, der am 4. September mit seinem Programm „Lass knacken Oppa“, komischen Sprüchen, Gedankenblitzen und musikalischen Gags die Besucher zum Lachen bringen will. Mnozil Brass, die siebenköpfige Blechbläsertruppe aus Österreich, macht etwas Ähnliches, auch sie hat keinen Respekt vor Traditionen, die sie mit schwarzem Humor kommentiert, wie man seit ihrem Euroclassic-Auftritt 2013 schon weiß (Zweibrücken, 16. September). Der dritte Abend in Zweibrücken, der in diese Richtung geht (12. Oktober), bringt drei Mitglieder der früheren Truppe Tango Five als Berta Epple wieder nach Zweibrücken: „Egal was kommt – Gänsehaut garantiert“ heißt ihr Programm. In Michael Quast, dem gebürtigen Kurpfälzer und deutschen Kleinkunstpreisträger (2001), hat sich Zweibrücken einen Kabarettisten als Moderator des Konzertes mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (15. Oktober) geholt. Das Programm mit „Pizzicato-Polka“ (Strauß), „Zirkus-Polka“ (Strawinsky) und „Typewriter“ (Anderson) ist schwungvoll-unterhaltsam – und ganz anders als der Abend mit dem selben Orchester am 24. September in Pirmasens. Dort steht Französisches an: Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faun“ und „La mer“, die „Escales“ von Ibert und einige Stücke, die der Star des Abends, der französische Akkordeonist Richard Galliano, selbst komponiert hat. Aber auch in Pirmasens geht es heiter und ironisch zu, etwa am 15. September, wenn der Kabarettist Jochen Malmsheimer und das Philharmonische Orchesterhagen das Publikum mit dem 21. Sohn von Johann Sebastian Bach bekanntmacht, der hoffnungslos unmusikalisch ist (und natürlich frei erfunden). Das Kinderstück in Pirmasens ist das Musical „Max und die Käsebande“ (26. September), eine Eigenproduktion der Pirmasenser Kinderkantorei und den Singklassen des Kant-Gymnasiums mit Rhythmusgruppe, Solisten und Klavier. Es geht darum, dass im Käsereich nach einem Putsch die Käsevielfalt bedroht ist und es nur noch Einheitskäse geben soll. In Blieskastel bieten die Blechharmoniker ein Musik-Comedy-Kinderprogramm mit Wanderliedern (9. September, 11.30 Uhr), aber auch eins für Erwachsene (9. September, 20 Uhr). Wer im November den grandiosen deutschen Sänger Max Mutzke in Pirmasens verpasst hat, kann ihn nun in Zweibrücken live erleben (7. Oktober), diesmal mit der SWR-Big Band, also eher mit jazzigem Sound. Ein Blick über die Grenze lohnt sich: in Meisenthal (Lothringen) bietet das Stück „4x4 Ephemeral Architecture“ einen Mix aus Zirkus, Ballett, Architektur und Musik mit dem Kammerorchester Camerata Alma Viva aus Straßburg und Tänzern aus London (24. September). Mit „Offenbach und die Diva Hortense“ gibt es ein humorvolles Spektakel für Sopran und Klavier (10. September, Saint-Louis-lès-Bitche) und mit „Berlin im Licht“ (9. Oktober, Bitsch) eine originelle Hommage an den deutschen Komponisten Kurt Weill mit der Taschenphilharmonie aus Straßburg.