Kusel
Jobcenter: 500 Langzeitarbeitslose vermittelt
104 der 406 Jobcenter in Deutschland werden von Kommunen selbstständig geführt – nicht in einer Kooperation mit der Agentur für Arbeit. Und das funktioniert im Landkreis Kusel gut. Auch wenn die Corona-Pandemie die Betreuung der Langzeitarbeitslosen nicht einfacher macht, können sich die Vermittlungszahlen der 63 Mitarbeiter in den Räumen der Tuchfabrik und den beiden Außenstellen in Waldmohr und Lauterecken sehen lassen.
Jährlich werden mit dem Sozialministerium in Mainz Zielquoten vereinbart, die der Eigenbetrieb des Kreises erfüllt hat. Bis Ende des Jahres sind rund 500 Langzeitarbeitslose erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert worden. „Wir konzentrieren uns verstärkt auf Kunden mit einer hohen Integrationswahrscheinlichkeit, was sich auszahlt“, erklärt Jobcenter-Geschäftsführer Peter Simon. Die Anzahl der Menschen im Langzeitbezug, die in 21 von 24 Monaten ohne Job waren, liegt bei 1648. Das sind fast 100 weniger im Vergleich zur Soll-Vorgabe, die mit dem Land vereinbart wurde.
Kontakt zu den Firmen
„Wir haben ein gutes Netzwerk“, antwortet Steffen Buschauer, der stellvertretende Leiter des Jobcenters, auf die Frage nach dem Erfolgsrezept. Rund zwei Drittel der Vermittlungen gehen auf das Konto der 16 Berater oder des zweiköpfigen Arbeitgeberservices, der den Kontakt zu den Firmen hält. Bei einem Drittel der Fälle kommt der Erfolg über Weiterbildungsträger zustande.
Der Kreis hat aktuell eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. 2,5 Prozentpunkte gehen auf das Konto des Bezuges von Arbeitslosengeld I, das die Agentur für Arbeit auszahlt. 1,6 Prozentpunkte fallen in die Verantwortung des Jobcenters.
Viele Single-Haushalte
Bei der Integration gab es einen Dämpfer während des Corona-Lockdowns. In diesen Phasen stieg auch die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften wieder an. Aktuell gibt es 1766 Bedarfsgemeinschaften (Vorjahr: 1902). In diesen Gruppen leben 3352 Personen (Vorjahr: 3709). „Wir haben einen sehr hohen Anteil an Single-Haushalten von rund 50 Prozent“, erklärt Steffen Buschauer.
256 Leistungsbezieher haben einen Job, verdienen damit aber so wenig, dass sie Anspruch auf Unterstützung haben. Außerdem gibt es 21 Aufstocker, die Arbeitslosengeld I von der Agentur für Arbeit bekommen und unter der Bedarfsgrenze liegen, so dass das Jobcenter ebenfalls unterstützt.
Wenig Sanktionen
Ob das von der Berliner Ampel-Koalition anvisierte Bürgergeld Auswirkungen auf die Arbeit des Jobcenters hat, ist noch offen. „Ich habe mit der Fachabteilung des Bundesarbeitsministeriums telefoniert, die wissen selbst noch nichts“, berichtet Peter Simon.
Die diskutierte Verschärfung von Sanktionsmaßnahmen spielt in Kusel keine große Rolle. Das Jobcenter muss selten zu diesen Mitteln greifen. 2021 gab es im Hinblick auf Sanktionen sechs Widerspruchsverfahren, im Jahr davor sieben.
Schwer vorstellbar ist für die Kuseler Verantwortlichen, in den ersten Bezugsmonaten auf eine Vermögensprüfung zu verzichten. „Theoretisch könnte dann ja ein Millionär Leistungen beziehen“, stellt Steffen Buschauer fest.
