Reipoltskirchen Ingweilerhof: Erst Hotel, dann Altenheim

Das heutige Seniorenzentrum befindet sich im langgezogenen Trakt im Vordergrund. Das Herrenhaus liegt gegenüber.
Das heutige Seniorenzentrum befindet sich im langgezogenen Trakt im Vordergrund. Das Herrenhaus liegt gegenüber.

Bereits seit 70 Jahren werden alte Menschen auf dem Ingweilerhof gepflegt. Doch das ist nur ein Kapitel in der Geschichte des Anwesens, das im Jahr 1339 erstmalig als „Ingemuodersweiler“ erwähnt wird.

Geplündert, zerstört und immer wieder aufgebaut – so veränderte sich das Aussehen des Ingweilerhofes in seiner fast 700-jährigen Geschichte immer wieder. Doch der jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzte Hof blieb, wie er heute noch ist: mitten im Grünen gelegen.

Seit mehr als 200 Jahren bewohnt Familie Schönbeck den Ingweilerhof. Ökonom Daniel Schönbeck ersteigerte um 1800, zur Zeit der französischen Besatzung, den Hof mit dem repräsentativen Herrenhaus, dazugehörende kleinere Wohngebäude, die Hofkapelle aus dem 16. Jahrhundert sowie Stallungen. Wo Letztere sich befanden, gegenüber des Haupthauses, ist im Jahr 2002 der Neubau des Seniorenzentrums entstanden. Zuerst mit 47 Plätzen, dann durch den Ausbau des Dachgeschosses mit 60 Plätzen.

Erstes im Kreis

Allerdings finden schon seit 70 Jahren alte Menschen auf dem Ingweilerhof ein Zuhause, in dem sie gepflegt werden: Als eine der ersten Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und als erste im Kreis Kusel erhielten die Schönbecks im Jahr 1951 – am 1. März – die Zulassung zum Betrieb eines Seniorenheims.

Vorausgegangen war eine Nutzung als Hotel. Ab den 30er Jahren kamen vornehmlich Gäste aus dem Ruhrgebiet ins Nordpfälzer Bergland und nächtigten in der Beletage, dem Obergeschoss des 1730 erbauten Herrenhauses. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Vertriebene aufgenommen. Nach den Familienzusammenführungen blieben ältere Menschen ohne Angehörige zurück – das Altenheim entstand.

Das war vor 70 Jahren noch eine ganz andere Sache als heute. Bis im Jahr 2002 neu gebaut wurde, lebten alle Bewohner – bis zu dreizehn Senioren – im Haupthaus. Dort wohnen Axel und Annette Schönbeck, in sechster Generation Hofbesitzer, die die Pflegeeinrichtung betrieben haben, bis Ende 2017 die Lilien Pflegegesellschaft mit Sitz in Wiesbaden den Betrieb übernommen hat.

Herausforderung Pflegefachkraft

Aktuell arbeiten rund 70 Menschen in dem kleinen Seniorenzentrum auf dem Ingweilerhof. Wie Einrichtungsleiter Marcel Goll-Gregorius mitteilt, war man in den 70 Jahren seit der Zulassung zum Betreiben eines Seniorenheimes stets auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen im pflegerischen Bereich. Man sei Kooperationen mit Partnern in der Region eingegangen und habe sich in themenspezifischen Gremien engagiert. „Dieser Fokus wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Pflege auf dem Hof spielen“, erklärt er. Aktuelle Herausforderung sei es, sich auf die neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft einzustellen.

Goll-Gregorius kündigt an, eine Feier zum Jubiläum soll es sobald als möglich geben: einen Umtrunk mit Angehörigen, Bewohner und Mitarbeitern.

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