Lauterecken
In Coronazeiten kommen mehr Leute zur Blutspende
Geduldig harren die potenziellen Spender aus. Immer wieder werden kleine Gruppen oder Paare von einer Mitarbeiterin, die mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet ist, in das Gebäude gebeten. Eine junge Frau geht wieder. Spenden durfte sie heute nicht. Während die erste Messung an der Tür noch eine Temperatur unter 37,5 Grad angezeigt hatte, war diese an der zweiten Messstation zu hoch. „Liegt wahrscheinlich an der Mütze“, vermuten sie und die DRK-Mitarbeiter, aber man geht zu Coronazeiten auf Nummer sicher und hält sich an die strikten Vorgaben. Wer in den vergangenen vier Wochen im Ausland war, Kontakt zu Infizierten oder Verdachtsfällen hatte oder wessen Temperatur zu hoch ist, wird nicht zur Spende zugelassen.
Wichtigste Regel: Abstand halten
In der Küche, wo gewöhnlich nach der Spende ein Imbiss angeboten wird, warten dieses Mal die Spendewilligen, um sich zu akklimatisieren – selbstverständlich mit Abstand. Nach wenigen Minuten werden sie herausgebeten. Wer sich nicht zu 100 Prozent gesund fühlt, wird aus Sicherheitsgründen direkt aussortiert. Erst mal wird die Temperatur gemessen. Passt diese, wird erneut auf die Abstandsregel von mindestens zwei Metern aufmerksam gemacht und man wird aufgefordert, die Hände zu desinfizieren.
An der Anmeldung nimmt die Mitarbeiterin, durch eine Plexiglaswand geschützt, die Daten auf und verteilt die Fragebögen. Wie gewohnt können diese im Flur ausgefüllt werden. Noch vor dem Arztgespräch wird erneut die Temperatur gemessen und der Hämoglobintest absolviert. Auch diese Mitarbeiterin ist zusätzlich mit einer Plexiglaswand geschützt. Kontaktlos misst sie die Temperatur, es folgt die Messung des Eisenwertes. Ob der kleine Pieks am Finger oder Ohr gemacht wird, kann der Spendenwillige gewöhnlich selbst entscheiden, doch dieses Mal muss jeder den Wert am Finger messen lassen, weil so der Abstand größer bleibt und die Hand sich gut unter der Plexiglaswand durchreichen lässt.
Ist auch diese Hürde erfolgreich genommen, steht das Arztgespräch an. Dort werden in gewohnter Weise die Antworten der Fragebögen durchgegangen sowie Blutdruck und Puls gemessen. „Mein Puls war erst total hoch, das lag vielleicht an dem Schutzschild im Gesicht des Arztes“, scherzt eine Frau, bevor sie den Motoraum betritt und dort Blut spendet.
Mehr Spender als üblich
Gewöhnlich spenden in Lauterecken rund 80 Menschen, am Dienstag waren es etwa 100, darunter auch zehn Erstspender – ein ebenfalls hoher Wert. Die Bereitschaft sei gerade jetzt sehr hoch, bestätigte auch Wendelin Neumayer im Spenderaum. In den vergangenen zwei Wochen sei die Spenderzahl bis zu 40 Prozent gestiegen, und weil der neue Ablauf etwas längere Wartezeiten bedeutet, wurde nicht selten auch etwas länger gearbeitet, verriet er. Der Abstand zwischen den Liegen, auf denen es sich die Spender bequem machen, ist etwas größer. „Es ist wie beim Einkaufen, Kontakt meiden ist das A und O.“
Desinfektionsmittel als Geschenk
Auch bei der Spende sind selbstverständlich alle Mitarbeiter mit Handschuhen und Mundschutz ausgestattet, ansonsten ist alles wie immer. Kurz nachdem geklärt ist, ob die Kanüle links oder rechts gelegt werden soll, folgt der übliche Ablauf.
Nach der Spende und einer Ruhephase werden die Blutspender mit einem Lunchpaket aus dem hinteren Bereich des Motoraumes verabschiedet, sodass sie den sich anmeldenden Menschen nicht begegnen. Passend zur aktuellen Lage gab es neben einem gut bestückten Lunchpaket mit Brezel, Sprudel, Schokolade, Mandarine und Osterei als Geschenk ein Desinfektionsmittel.
Patrick Kuhn, der seine 62. Spende tätigte, besucht gewöhnlich das Spendenlokal in St. Julian. Als er von dem Termin in Lauterecken erfuhr, kam er vorbei. „Das war mal was außer der Reihe“ meint er, denn „die Maskerade macht schon Eindruck“. „Es tut nicht weh und wer weiß, ob man nicht selbst irgendwann mal darauf angewiesen ist“, daher spendet er regelmäßig Blut – besonders auch in diesen Zeiten.