Erdesbach RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich dachte zunächst, ich träume“: Wie eine Frau den Einbruch in ihr Haus erlebt hat

Mitten in der Nacht stand der Täter am Bett der Frau und forderte Geld.
Mitten in der Nacht stand der Täter am Bett der Frau und forderte Geld.

In einer Novembernacht brach ein Mann in das Haus einer Frau aus Erdesbach ein. Sie erzählt der RHEINPFALZ, was damals geschah – und lobt die Arbeit der Polizei.

Es geschah Mitte November vergangenen Jahres. Und noch immer merkt man Elisabeth Meyer* an, wie sehr diese Herbstnacht ihre Spuren hinterlassen hat (*Name von der Redaktion geändert). Die Frau ringt immer wieder mit den Worten, wenn sie über die Geschehnisse von damals spricht. In jener Nacht drang ein Mann in ihr Haus ein. Sie wachte auf, weil sie Geräusche vernahm – und sah den Einbrecher plötzlich neben ihrem Bett stehen. „Ich dachte zunächst, dass ich träume“, berichtet Meyer. Was sie sah, war jedoch kein Traum, sondern Wirklichkeit. Der Mann hielt sie nicht fest, er bedrohte sie auch nicht mit einer Waffe. Doch er forderte Geld.

Elisabeth Meyer lebt in Erdesbach in einem großen Haus, das sie sich mit ihrer Schwester teilt. Die Schwester war am Tag zuvor verreist, Meyer war allein. „Der Hausteil meiner Schwester war nicht beleuchtet“, sagt die Erdesbacherin. „Von außen sah es wohl so aus, als sei im ganzen Haus niemand da.“

Kein Raubtier, sondern ein Räuber

Nächtliche Geräusche sind für Meyer an sich nichts Ungewöhnliches, erzählt sie. „Auf dem Dachboden ist öfter mal ein Marder unterwegs.“ Was sie in jener Nacht hörte, schrieb sie daher auch dem Tier zu: „Das Geräusch war mir ja fast schon ein bisschen vertraut.“ Doch das Rascheln sei diesmal nicht von einem Marder gekommen, sondern von einem Menschen. Nach Meyers Darstellung muss der Räuber über einen Durchgang auf dem Dachboden von dem Hausteil ihrer Schwester in ihren eigenen gelangt sein. „Als er drüben fertig war, machte er wohl bei mir weiter.“

Es sei der „Schlussakt“ seines Beutezugs gewesen, als er gegen 2 Uhr – ein Tuch vor dem Gesicht – vor ihrem Bett stand und mit osteuropäischem Akzent „Geld, Geld“ gesagt habe: „Der Mann wollte abschließend noch das stehlen, was ich oben im Schlafzimmer aufbewahre, unten im Haus hatte er schon alles ausgeräumt.“ Hinterlassen habe er durchwühlte Schubladen und Schränke. Danach habe er sich schnell aus dem Staub gemacht. Gefasst ist er bis heute nicht, sagt Meyer. Das hat auch die Polizei auf Nachfrage der RHEINPFALZ bestätigt: „Es wurden unter anderem umfangreiche Nachbarschaftsbefragungen durchgeführt und es konnten auch verschiedene Hinweise gewonnen werden, eine Identifizierung der Täter war jedoch bislang leider nicht möglich“, informiert Christiane Lautenschläger von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Westpfalz.

„Der Mann war offenbar überrascht“

Die Erdesbacherin ist sich ziemlich sicher, dass der Mann nicht mit ihrer Anwesenheit gerechnet hat. Sie hat das Geschehen zusammen mit der Kriminalpolizei rekonstruiert, erzählt sie: „Ich denke, er war einfach überrascht, dass ich da im Bett lag. Als ich ihn sah, nahm ich direkt meine Beine in die Hand.“ Sie sei zu ihren Nachbarn gelaufen. Aufgehalten habe der Mann sie nicht.

Drüben angekommen, hätten die Nachbarn sofort die Polizei verständigt. Diese sei gute zwei Stunden vor Ort gewesen, gegen 5 Uhr sei schließlich ein Freund von ihr vorbeigekommen, der ihr zur Seite stand, damit sie nicht alleine bleiben musste. „Meine Nachbarin hat auch noch in dieser Nacht meine Schwester informiert, ich wollte sie eigentlich erst bei Tag anrufen.“ Die Schwester habe sich zusammen mit Meyers Schwager schnellstmöglich auf den weiten Weg von Berlin in die Westpfalz gemacht – und sei am Nachmittag angekommen.

Lobende Worte für die Polizei

Was Meyer lobt, ist die Professionalität der Polizei: „Das ist mir wichtig zu erwähnen: Die Polizisten haben ihre Arbeit wirklich gut gemacht, sowohl in der Nacht selbst als auch danach.“ Vom psychologischen Dienst der Polizei, den sie nach eigenen Angaben am nächsten Morgen angerufen hatte, hätte sie sich allerdings etwas mehr Gehör für die Geschehnisse und ihre persönliche Situation gewünscht, merkt sie an: „Natürlich wurde ich gefragt, wie es mir geht, aber es ging dann recht schnell auch um eine Beratung, wie ich mein Haus sicherer machen könne. Das stand zu dieser Zeit für mich jedoch nicht im Vordergrund.“ Alles in allem möchte Meyer aber „nicht jammern“, verdeutlicht sie: „Es geht mir vor allem auch darum, mit dem Geschehenen abzuschließen.“

Der Täter habe in besagter Nacht Schmuck im Wert von mehr als 30.000 Euro erbeutet, darunter unter anderem eine Uhrkette ihres Großvaters. Außerdem wurden etwa 1000 Euro Bargeld gestohlen. „Für manche dieser Schmuckstücke bekommt man womöglich nicht mal was – für mich sind sie aber mit besonderen Erinnerungen verbunden“, sagt Elisabeth Meyer. Da sei es vor allem der ideelle Wert, der zähle. Sollte das Unwahrscheinliche geschehen und das eine oder andere Stück anonym zurückgegeben werden, würde sie sich riesig freuen, sagt sie. Eine leise Hoffnung auf eine freudige Überraschung nach der Schreckensnacht im vergangenen November.

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