Kreis Kusel Huldigung an Jimi Hendrix

Statt Palzgang gab’s Heinz Glass & Friends: Weil Palzgang-Schlagzeuger Guido Klein ins Krankenhaus musste, improvisierten Veranstalter Guido Becker und der Rest des in der Nordwestpfalz legendären Trios am Weihnachtsvorabend in Kusel. Zwei Drittel des dreistündigen Konzerts lieferte Glass in einem Quartett mit dem bewährten Saxofonisten Volker Kaufmann als zweitem Frontmann. Eine Stunde lang gab es Palzgang-Musik. Spaß gemacht hat′s trotz der Programmänderung.
Angekündigt ist die Wiederauflage des umjubelten Palzgang-Konzerts des vergangenen Jahres im „Köbes“. Doch aus der Gaststätte klingt eindeutig ein Saxofon über den Koch′schen Markt. Die Palzgang kann das nicht sein. „Stimmt“, sagt deren Bassist Marcel Gohl, der draußen grad mal eine raucht. Das „Blues vunn de Palz“-Kulttrio hat für die vorweihnachtliche Nostalgienacht keinen Schlagzeuger. Guido „Knoche“ Klein liegt im Krankenhaus – und mit einem Ersatzmann an den Fellen wollte Bassmann Gohl eigentlich auch nicht so recht raus auf die Bühne. So suchten und fanden Veranstalter Guido Becker und die Band einen Kompromiss: Drei Sets gibt es, zwei davon im Quartett von Gitarrist Heinz Glass mit seinem häufigen Konzertpartner Volker Kaufmann am Saxofon und den Nachwuchsmusikern Sebastian Schmitt (Schlagzeug) und Andreas Thaler am Bass. Den Mittelteil des Abends wollen Glass, Gohl und Schmitt im möglichst originalgetreuen Palzgang-Sound gestalten. „Das war ganz schön stressig diese Woche“, sagt Guido Becker später. „Wir hatten ja alle Karten im Vorverkauf vergeben. Wenn wir abgesagt hätten, wären die Leute umsonst hierher gekommen.“ So also spielen sie erst einmal zu viert, viel Blues und Rock und Rock′n′Roll, Twist und Rumba, auch ein bisschen Funk, mit vielen spielfreudigen Soli und Dialogen der beiden Frontleute. „Im Blues ist ja alles möglich“, findet Glass. Vorne tanzen ein paar Besucher, wer erzählen will, geht so weit nach hinten wie es irgend geht in der kleinen Gaststätte – die Lautstärke des Powerquartetts ist erwartungsgemäß gewaltig. Mit dem Palzgang-Repertoire haben die Titel der vier Männer nichts zu tun. Es sind Gassenhauer wie „Sweet Home Chicago“, „Roll Over Beethoven“ und „Lay down Sally“, Glass-Eigenkompositionen wie „Tell Me“, Harmlos-Abgedrehtes aus den 60ern wie „The Huckle Buckle“ und ganz zum Schluss, nach drei Stunden Musik plus Pausen, natürlich „The blues is alright“. Schnelligkeit ist angesagt, bewegliche Finger und ein guter Ansatz. Schon da erweist sich Sebastian Schmitt als echte Entdeckung im Reigen der jungen und jung gebliebenen Wilden. Dann, zumindest von den treuen Palzgang-Begleitern im Raum heiß ersehnt, ersteht Jimi Hendrix auf, mit all seinen Innovationen und Experimenten und einem Schuss Heinz Glass, der dem Idol ohne jede Peinlichkeit huldigt. Es geht quer durch die mitgeschnittenen Sessions und wenigen Studioalben, die der Gitarrengott zu Lebzeiten veröffentlichte: eine Stunde Palzgang von Red House bis Little Wing. Ein bisschen Chuck Berry und anderes Schnellfeuer von den Saiten ist auch dabei, über allem aber schwebt Jimi. Der druckvolle Bass von Gohl lässt Glass′ Gitarre strahlen und jubilieren, jammern und kreischen und klagen und auch einfach mal erzählen. Der 20-jährige Sebastian Schmitt spielt zwar mehr Schnörkel als „Knoche“ Klein das normalerweise tut. Das Wesen dieser Musik hat er aber doch gut verstanden – nicht schlecht für einen, der auf die Welt kam, als dieses Repertoire seiner mehr als dreimal so alten Mitmusiker schon Kultstatus hatte. So kommen am Ende auch die alten Palzgang-Fans auf ihre Kosten. Sie sind längst nicht nur aus der näheren Umgebung nach Kusel gefahren. Beispiel Pius Keßler: Der Martinshöher hat die Palzgang 1983 zum ersten Mal live erlebt. „Sie haben sich verändert“, sagt er. „Aber das tun wir ja alle.“