Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Holzmangel und rasant steigende Preise: Firmen funken S.O.S.

Holz jedweder Art ist zur teuren Mangelware geworden – und das sogar inmitten des Waldes.
Holz jedweder Art ist zur teuren Mangelware geworden – und das sogar inmitten des Waldes.

Dachlatten kosten das Fünffache, Dämmstoffe sind kaum mehr zu bekommen – die Zimmereien aus dem Kreis Kusel funken wegen des Holzmarkts S.O.S. Sie fürchten Verluste, nicht fristgerecht zu beendende Bauprojekte, abgeschreckte Bauherren und Kurzarbeit trotz knackevoller Auftragsbücher. Und das schon in Kürze.

Der Zorn ist groß bei den Zimmereien im Kreis Kusel. Sie stehen angesichts des Holzmangels vor einer ungewissen Zukunft. Beispiel: „Im Januar kostete der Kubikmeter Dachlatten noch 41 Cent. Heute sind es zwei Euro“, schimpft Christian Reiß von Reiß und Schneider in Konken. Da sind allein bei einem Dach schnell mal 2000 Euro Mehrkosten für den Handwerksbetrieb drin.

Wenn er überhaupt Nachschub bekommt. Denn viele Großhändler sind schlichtweg leer. „Ich habe im Februar bestellt, damit ich vielleicht im Juli etwas bekomme“, sagt Thorsten Schmitt von Holzbau Tülp in Altenglan. Früher habe man heute bestellt und Ende der Woche geliefert bekommen.

„Nur noch Tagespreise“

Das Schlimmste an der Situation: Inzwischen weiß keiner mehr, wie viel er denn für den Rohstoff zahlen muss, wenn er ihn denn bekommt. Denn inzwischen gilt nicht mehr der Preis am Tag der Bestellung, sondern der am Tag der Lieferung – mit verheerenden Folgen für die Betriebe, betont Carsten Ecker von der Zimmerei Becker und Ecker in Konken. Weil längst nicht alle Bauherren bereit sind, den drastisch gestiegenen Beschaffungspreisen Rechnung zu tragen und den Handwerkern finanziell ein Stück weit entgegen zu kommen, wenn die Endpreise bereits fix gemacht worden waren. Und das sind die meisten, weil die Zimmereien im Landkreis vielfach schon im vergangenen Jahr ihre Auftragsbücher für 2011 gefüllt haben, da sie wegen der regen Nachfrage 2020 gar nicht alle Aufträge gleich haben annehmen können.

Welche Auswirkungen das hat, schildert Ralf Steinhauer von der Dachdeckerei Keller in Lauterecken: „Wir haben ein großes Projekt außerhalb des Kreises. Da legen wir jetzt bei einem Projektvolumen von 150.000 Euro rund 25.000 Euro drauf statt etwas zu verdienen.“

Sorge um den gesamten Bausektor

Allerdings denken die Zimmereien da nicht nur an sich, sondern auch an die Kunden. Wenn eine Familie ein Haus bauen lasse, sei die Finanzierung oft schon eng. Wenn dann noch das verbaute Holz und weitere Baustoffe teurer würden, werde es noch knapper. Und falls auch noch der Nachschub stockt, das Haus also nicht pünktlich fertig wird, müsse die Familie doppelt bezahlen – nämlich neben dem teureren Haus auch noch länger Miete in der Wohnung. „Wenn das so weiter geht, ist in zwei, drei Jahren der Baumarkt kaputt“, fürchtet Schmitt.

Schon jetzt wird es für diverse Zimmereien eng durch gestiegene Preise und ausbleibende Lieferungen, zumal vielfach auch noch Vorkasse erwartet wird. Noch zwei, drei Monate – maximal bis September, so lautet das einhellige Urteil, könne man durchhalten. Vermutlich stehe schon bald mangels Material Kurzarbeit an. Bislang habe man sich noch irgendwie durchlaviert mit dem Material, das man von Zeit zu Zeit geliefert bekomme und dem, was auf Lager ist. Doch die Läger sind inzwischen weitgehend leer.

Wachleute für das Holzlager

Das macht Holz, selbst Dachlatten, zum begehrten Gut. Steinhauer erzählt von einem Großauftrag in Kaiserslautern, für den er in Kürze 170 Kubikmeter Holz fest zugesagt bekommen hat: „Da muss ich einen Sicherheitsdienst einschalten, damit das nicht nachts nach und nach gestohlen wird. Wieder zusätzliche Kosten.“

Was die Holzbauer und Zimmerer gar nicht verstehen können: dass angesichts dieses Holzmangels so viel Holz in die USA und nach China exportiert wird. „Ich habe den Eindruck, während wir nirgendwo Holz bekommen, wird gleichzeitig so viel ins Ausland verkauft, wie im ganzen letzten Jahr insgesamt“, sagt Reiß.

Fahrt nach Mainz geplant

Und: Sie sind angefressen wegen ihrer Innung. „Die wollen nicht, dass wir das an die große Glocke hängen“, sagt Schmitt. Denn sie fürchteten, dass potenzielle Häuslebauer dann zum Massivbau wechseln. „Aber die bekommen doch auch kein Baumaterial. Und Holz braucht man sowieso immer.“

Schmitt und seine Kollegen wollen daher in nächster Zukunft vor den Landtag fahren, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen – selbst wenn sie wissen, dass dort das Problem nur schwerlich geändert werden kann. „Aber ich muss wenigstens irgendwas tun.“

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