Kusel
Holzmangel: Forstamt kann eher weniger helfen
Preissteigerungen von zum Teil über 200 Prozent – falls man überhaupt etwas bekommt. Betriebe wie auch Privatleute betrachten den aktuellen Holzmangel regelrecht konsterniert. Vor allem Schnittholz aus Nadelbäumen ist seit Wochen Mangelware – und ein Ende des Mangels nicht in Sicht.
Dass es soweit hat kommen können, führt Kleinhempel auf zwei Faktoren zurück. Da ist zum einen die Pandemie: „Viele Leute haben jede Menge Geld auf der Bank, weil sie es anderweitig durch die Einschränkungen kaum ausgeben können. Zugleich haben sie viel Zeit. In der Konsequenz hat das dazu geführt, dass überall Heimwerker aktiv wurden und so die Nachfrage nach Holz deutlich stieg.“
Grund Nummer zwei ist längerfristig. Durch die Stürme und die Dürre in den vergangenen drei Jahren sowie dem folgenden Befall geschwächter Bäume durch Borkenkäfer habe es jede Menge Holz gegeben. Vor allem Fichten – wegen seiner Elastizität beliebt für die Verarbeitung abseits von Möbeln und robustem Bauholz – habe es massenhaft erwischt. Die Folge: Die Preise gingen in den Keller, das Angebot überstieg bei weitem die Nachfrage vor der Pandemie.
Konsequenz Nummer zwei: Die Produzenten suchten nach anderen Abnehmern, um zumindest halbwegs auf ihre Kosten zu kommen. Die fanden sie in den USA und China, wo wegen der Handelspolitik unter Ex-Präsident Trump der Holzhandel zwischen den Ländern weitgehend zum Erliegen gekommen war. Und wo die Wirtschaft nach der Pandemie deutlich früher wieder angezogen hat als hierzulande; vor allem in China. Also ging und geht massenhaft vor allem das zunächst preiswerte Schnittholz nach Fernost. Und die Reeder freuten sich, weil sie ihre Schiffe, die gerade Fertigprodukte nach Europa geliefert hatten, nicht leer zurückfahren mussten.
Kleinhempel sieht wenig Chancen dafür, dass der Holzmangel sich bald erledigt, unter dem vor allem die Betriebe leiden. Denn vielfach müssten Flächen zunächst einmal nachgepflanzt werden, die unter Stürmen, Dürre und Hitze gelitten hätten. Kleinhempel: „Im Westerwald beispielsweise gibt es Hektare ohne noch einen einzigen Baum.“
Hinzu kommt, dass die für Schnittholz zumeist besser geeigneten Nadelbäume vielerorts auf dem Rückzug seien. „Man will ja keine so großen Nadelbaum-Monokulturen mehr, sondern einen gesunden, durchmischten Wald.“ Folglich gebe es diese Schnittholzflächen, wie sie jetzt gebraucht würden, um den Mangel auszugleichen, in ganz Rheinland-Pfalz nicht.
Käme nun ein regionaler Holzbetrieb auf sie zu und bäte um Fichtenholz – Kusel könnte nicht wirklich helfen, sagt Kleinhempel. „Wir haben im Kreis Kusel sowieso nur drei Prozent Fichten und vielleicht fünf bis sechs Prozent Douglasien.“ Anfragen nach kleineren Mengen könnte man vielleicht über die regionalen Vermarktungsorganisationen der Forstwirtschaft erfüllen. Doch größere Mengen sicher nicht.
Und: Die Region hat nicht einmal sonderlich viel von dem massiven Preisanstieg. Den Gewinn machen andere. Vor der großen Krise mit dem vielen Totholz habe es für einen Kubikmeter Fichte einer bestimmten Güteklasse etwa 100 Euro gegeben. Durch „die Katastrophe“ (Kleinhempel) sei der Preis auf 20 Euro gefallen. Aktuell habe er einen Wert Mitte der 60er erreicht, also noch nicht einmal den Wert der Vor-Totholz-Zeit, obwohl das Holz im Handel teuer verkauft werde.
Gemeinden, die nun hoffen, aus ihrem Wald mehr Gewinn zu ziehen, werden also nicht minder enttäuscht sein als Holzbetriebe und Heimwerker, die nur teures oder gar kein Holz bekommen.
