Reipoltskirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Hofladen Kirchmer: Gute Adresse für vielerlei frische Köstlichkeiten

Eins geht noch: Helga Kirchmer bewirtet in der Vesperklause Rusticus eine fröhliche Herrenrunde.
Eins geht noch: Helga Kirchmer bewirtet in der Vesperklause Rusticus eine fröhliche Herrenrunde.

Der Name hat sich immer wieder mal geändert. Doch bereits in der sechsten Generation ist der Bauernhof im Besitz der Familie Kirchmer. Er war einer der ersten Höfe im Landkreis, in dem ein Hofladen eingerichtet wurde. Hauseigene Produkte können auch vor Ort in der von Helga Kirchmer betriebenen Vesperklause Rusticus verzehrt werden.

Vor rund 38 Jahren sei der Gedanke gekommen, einen Hofladen einzurichten. Als sich die damals 15-Jährige Tochter Bettina entschied, Landwirtin zu werden, sollte der Laden als weiteres Standbein für den Betrieb aufgebaut werden. „Wir waren Pioniere auf dem Gebiet“, erinnert sich Helga Kirchmer. Sie war eine der ersten im Kreis, die selbsterzeugte Produkte direkt an Kunden bringen konnte.

Zunächst wurden Kartoffeln verkauft, dann kamen Dosenwurst und Fleisch hinzu. Irgendwann hätten die Kunden – zu besten Zeiten rund 150 Stammkunden – angeregt, die Produkte auch vor Ort zum Verzehr anzubieten. Damit wuchs der nächste Zweig. Anstelle alter Garagen, die auch als Kelterraum dienten, entstand vor gut 29 Jahren die Vesperklause Rusticus. Auch der Verkauf entwickelte sich weiter – bis klar war, dass die Produktion nicht mehr ausgeweitet werden solle. Denn Helga Kirchmer und ihre Familie wollten weiterhin alles ohne Fremdpersonal stemmen und über Abläufe selbst entscheiden.

Pläne der Tochter setzen den Impuls

Nach der Ausbildung machte Tochter Bettina Abitur und absolvierte ein Studium zur Agraringenieurin. Die 51-Jährige arbeitet beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westpfalz und kümmert sich zudem um die Hof-Produktion. Rund 100 Rinder, 30 bis 40 Schafe und elf Schweine hat der rund 100 Hektar Land umfassende Betrieb. Die Weiterverarbeitung und Vermarktung fallen ins Ressort der Mutter.

Seit 1996 ist der Betrieb Teil der Erzeugergemeinschaft „Einkaufen auf dem Bauernhof“, dazu müssen mindestens 70 Prozent der Waren aus eigener Erzeugung stammen und gewissen Standards entsprechen. Geschlachtet wird nicht mehr. Den Zweig habe man an eine Metzgerei abgegeben, aber das sei kein Problem, den Kunden schmecke ihre Wurst noch immer, sagt die 69-Jährige. Kirchmer holt Fleisch und Wurst ab, verkauft wird alles grundsätzlich noch am Tag der Erzeugung, um möglichst frische Ware zu bieten. Kunden werden vorab telefonisch über die Schlachttermine informiert.

Laden selbst ist eher klein bemessen

Der Laden selbst ist mit rund zehn Quadratmetern sehr klein, aber ausreichend, denn die Fleisch- und Wurstwaren kommen direkt aus dem Kühlhaus. Beliebt seien Apfelsaft, saisonale Marmeladen oder auch Rapsöl. Angebaut wird der Raps vor Ort, das Pressen ist ausgelagert. Zu kaufen gibt es auch Naturdung und Heu. Handelsware sucht man vergeblich. Kirchmer ist der Auffassung, es sei „authentischer, wenn nur eigene Produkte vermarktet werden“.

Ihre Philosophie laute: „Wahrheit, Klarheit, Transparenz bei der Produktion“. Ein gewisser Wohlfühlfaktor gehöre ebenfalls dazu. Die Familie setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda und will bewusst alles überschaubar halten.

Moderate Preisgestaltung

Die Hofladen-Betreiberin legt nach eigenen Worten Wert auf eine moderate Preisgestaltung. „Jeder soll sich gute Qualität leisten können“, ist ihr Credo. Das schmälere zwar die mögliche Gewinnspanne, doch darauf komme es nicht so sehr an wie auf persönlichen Kontakt und gegenseitige Wertschätzung. Dass es der Rentnerin nicht um den Profit geht, wird im Gastrobereich deutlich. Zu große Aufträge nimmt sie erst gar nicht an. Am liebsten seien ihr Gesellschaften mit höchstens 20 Personen, die sie an ihrer Tafel unterbringen kann, sodass niemand an einem der Tische in den Nischen sitzen muss.

Lernort Bauernhof hat unter Pandemie gelitten

Das 1845 erbaute Anwesen dient auch als Lernort, wenngleich dieses Angebot im Zuge der Pandemie ein wenig zurückgegangen sei. Für Kindergeburtstage zum Beispiel gebe es ein Programm, bei dem Spiel und Spaß im Fokus stehen. Stallführung und Melken an der Lernkuh, Getreide mahlen und an die Tiere verfüttern oder gemeinsam backen – das komme bei jungen Besuchern gut an.

Ein Selbstbedienungsschrank könnte das Angebot erweitern, hegt die Hofherrin Pläne. Doch da überstürzt Helga Kirchmer nichts, sondern wartet in ihrer entspannten Art ab, was die Zeit bringt. Bis dahin gilt: „Geöffnet ist mittwochs – und immer dann, wenn ich da bin.“

Info

Geöffnet ist mittwochs von 14 bis 18 Uhr, ansonsten auf Anmeldung. Größere Gruppen sollten sich auch für den Besuch in der Vesperstube anmelden. Telefon: 06304 7851.

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