Steinbach am Glan
Historischer Glockenturm wird zum Museum: Römische Grablöwen heimgekehrt
Der Glockenturm ist ein Wahrzeichen von Steinbach am Glan. Er steht am Knotenpunkt mehrerer Straßen und ist von weitem gut sichtbar – obgleich er im Sommer etwas vom Laub der großen historischen Linde verdeckt wird, die ebenfalls ein Wahrzeichen des Ortes ist. Im Winter aber ist die Linde kahl und gibt den Blick frei auf den Steinbacher Glockenturm, der nun Heimat eines kleinen Museums ist. Dieses wird am Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr, mit einer Feierstunde eröffnet. Die Veranstaltung jedoch findet nebenan im Saal des Jüdischen Museums statt. Grund: Der Glockenturm bietet für eine größere Runde nicht genug Platz.
Ortsbürgermeister Jörg Fehrentz öffnet die seitlich in den Glockenturm eingelassene Holztür. In ihren Sturz ist die Jahreszahl 1788 eingraviert. Einige Steine wurden abgetragen, um die Tür etwas höher zu machen. „Bislang musste man sich nämlich beim Eintreten immer bücken“, betont Fehrentz. Der Raum dahinter ist lediglich neun Quadratmeter groß. Wer sich darin umsieht, wird auf zwei Steinfiguren aufmerksam. Es handelt sich um Steinlöwen, obgleich der linke nicht sofort als solcher zu erkennen ist. Der Kopf wurde ihm abgeschlagen – vermutlich weil das Rohmaterial 1820 beim Neubau der Straße zwischen Glan-Münchweiler und Haschbach-Steinbach benötigt wurde.
Einzigartig in der Pfalz
Die beiden „Skulpturen waren Bestandteil eines großen römischen Grabmals“, ist auf der Tafel an der Wand zu lesen. Und weiter: „Die Steinbacher Löwen sind die größten Grablöwen aus römischer Zeit in der Pfalz.“ Sie wurden 1901 im Kreis ausgegraben und nach Speyer ins Historische Museum gebracht. Als Dauerleihgabe des Museums sind sie nun in ihre alte Heimat zurückgekehrt, wie Fehrentz lächelnd sagt. Er betont, dass der Transport der rund 700 Kilogramm schweren Portalfiguren sei ein größeres Unterfangen gewesen sei. „Aber wir sind froh und stolz, sie wieder hier zu haben.“
Noch stehen die beiden Steinfiguren lediglich auf Holzleisten. Jeder, der sie näher betrachten will, muss sich bücken. „Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine Vorrichtung zu bauen, auf der wir sie höher lagern können“, sagt Fehrentz. Ein genauerer Blick lohnt: Der rechte Löwe ist in seiner ganzen Form tatsächlich als Raubtier auszumachen. Der übriggebliebene Torso der linken Großkatze wirkt indes eher wie ein menschliches Gesicht.
Rund neun Monate Bauzeit
Der kleine Raum im Erdgeschoss des Turms wirkt hell und freundlich. „Er diente die ganze Zeit als Lager“, erzählt der Ortsbürgermeister. Im Zuge der Dorferneuerung sei der Gemeinderat im Jahr 2019 auf die Idee gekommen, den Glockenturm aufzuwerten. Zuschüsse wurden beantragt – und bewilligt.
In rund neun Monaten sei das Projekt über die Bühne gegangen, erläutert Fehrentz. Zunächst wurde das Lager geräumt. Dann wurden der Sandsteinfußboden abgestrahlt, die Wände und Fenstergewänder frisch verputzt sowie neue Fenster installiert. Drei Strahler leuchten den Raum aus. Die schweren Holzbalken sind ebenfalls überarbeitet worden. Die restliche Decke ist komplett aus neuem Holz gefertigt. Eine Holztreppe führt hinauf ins Obergeschoss. Nur wenige Personen finden hier Platz. In der Mitte ist eine Schiebewand angebracht worden, die den Aufgang zum Glockenstuhl abschirmt. An der Schiebewand ist ein kleiner Schaukasten installiert, in dem verschiedene Fundstücke – unter anderem Armreifen, Spangen und Nadeln aus der Keltenzeit – zu sehen sind und beschrieben werden.
Hohe Förderquote
Hinter der Wand verbirgt sich eine enge Stiege. Oben befindet sich eine Art Plattform. In deren Mitte hängt die Glocke. Sie zählt zu den ältesten in der Pfalz. Wahrscheinlich wurde sie um 1400 gegossen. Zu hören ist sie täglich um 11 und um 17 Uhr sowie bei Sterbefällen. Durch ein neues Plexiglasfenster ist sie vom Obergeschoss aus zu sehen. Das Läutwerk wurde laut Fehrentz ebenfalls modernisiert. Der alte Klöppel wird einmal in die Wandnische – ein früheres, jetzt zugemauertes Fenster – am Treppenaufgang gestellt.
Fehrentz ist sich bewusst, dass der Glockenturm klein ist. Aber zusammen mit dem Jüdischen Museum bilde er durchaus eine weitere Attraktion für die Gemeinde. Er kann sich vorstellen, dass Schulklassen oder Wandergruppen den Weg hierher finden. Auf Flyern, der Internetseite der Gemeinde und auf Informationen zu den Wanderwegen der Region werde darauf hingewiesen. Normalerweise ist der Glockenturm geschlossen, wird aber bei Voranmeldung geöffnet. Hinweisschilder, auch mit der Telefonnummer des Ansprechpartners, werden noch installiert.
Die Kosten für die Modernisierung und Umgestaltung des denkmalgeschützten Glockenturms belaufen sich nach Worten des Bürgermeisters auf 84.400 Euro. 75 Prozent – gut 63.300 Euro – stammen aus dem Topf des europäischen Leader-Programms.