Kusel
Herbstmesse 2024: Aussteller, Einsatzkräfte und Stadt ziehen Bilanz
Fast ganz am Ende der fünf Herbstmesse-Tage sitzen sie zur Abschlussbesprechung vor dem Zelt zusammen: Schausteller, Standbetreiber, Zeltwirtin, Stadt, Polizei und Hilfsorganisationen. Zeit, Resümee zu ziehen.
„Aus unserer Sicht ist die Veranstaltung richtig gut abgelaufen“, sagt Tim Urschel, stellvertretender Dienstgruppenleiter der Polizei. 15 Straftaten hat die Polizei registriert, weniger als in den Vorjahren. Neben Diebstählen seien auch Körperverletzungen darunter gewesen. Über die Herbstmesse habe man nur eine Person in Gewahrsam nehmen müssen. Urschel: „Wir haben in den vergangenen Tagen viel Präsenz gezeigt. Die Teams konnten vieles schon klären, bevor es strafrechtlich relevant würde.“ Dazu hätten auch die Zivilkräfte beigetragen, die zwischen den Messebesuchern unterwegs waren.
Dass das gemeinsame Sicherheitskonzept funktioniert hat, das lobt Stadtbürgermeister Martin Heß. „Unterm Strich war es eine sehr friedliche Messe, die Leute waren gut drauf.“ Dennoch werde man sich im Nachgang zusammensetzen und prüfen, was verbessert werden könne. Mit Blick auf das Attentat in Solingen sagt Heß: „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Allerdings haben wir im Sicherheitskonzept mehr gemacht, als wir müssten.“
Was die Besucherzahlen der Messe angeht, bekommt Heß Hilfe von der erfahrenen Festzeltwirtin Cornelia Reichelt: „Das dürften so um die 60.000 Menschen gewesen sein, die 80.000 haben wir in Kusel schon lange nicht mehr.“ Als Zeltbetreiberin habe es ihr in diesem Jahr die Hitze schwer gemacht: „31 Grad. Das ist ja keine Herbst-, das ist eine Sommermesse.“ Entsprechend sei im Zelt spürbar weniger losgewesen als sonst. Wie viel Bier in den vergangenen Tagen durch die Zapfhähne geflossen ist? Reichelt winkt lachend ab und sagt: „Das ist ein Geheimnis, das nehme ich mit ins Grab.“ Positiv verbucht sie, dass es „nicht eine einzige Schlägerei“ gegeben habe. Die zehn Security-Mitarbeiter hätten ruhige Dienste gehabt: „Das war aus unserer Sicht tiefenentspannt.“
Gut zu tun hatten dagegen nach eigenen Angaben die Betreiber der Fahrgeschäfte auf dem Messeplatz. Die Hitze ist aber auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen, wie Thomas Herzberger vom Autoscooter erklärt: „Wir haben gemerkt, dass die Leute später kommen, wenn es etwas abgekühlt hat. Dann waren die Temperaturen zu ertragen.“ Die Schausteller seien bemüht, die Preise „human“ zu halten: „Wir wollen ja nicht, dass die Leute nur vorm Fahrgeschäft stehen und gucken.“ „Gefühlt seit 100 Jahren“ ist Frank Spangenberger (Breakdancer) am ersten Septemberwochenende immer in der Westpfalz: „Die Kuseler sind Messegänger, das merken wir. Wer hier als Schausteller nicht zurechtkommt, der muss sein Konzept überdenken.“
Ein paar Hitzeerschöpfte, ein paar Alkoholleichen und ein paar Verletzte, zählen der Organisatorische Leiter des Katastrophenschutzes, Raphael Staudt, und Steffen Krieger vom Roten Kreuz auf, was die täglich 15 bis 18 ehrenamtlichen Kräfte bis Dienstagnachmittag beschäftigt hat. Krieger: „Von 46 Patienten haben wir 21 ins Krankenhaus gebracht.“ Erfreulich sei, dass diesmal keine betrunkenen Kinder versorgt werden mussten. Schwerpunkt der Arbeit der Sanitätskräfte sei wie in der Vergangenheit der Messeplatz gewesen.
Noch weniger zu tun hatte nur die Feuerwehr, wie Wehrführer Jürgen Oster erleichtert berichtet: „Messetechnisch hatten wir nichts. Lediglich zwei normale Einsätze in der Umgebung am Wochenende.“ Er freut sich, dass sich Jahr für Jahr schnell genügend Einsatzkräfte finden, die in der Feuerwache Bereitschaftsdienste übernehmen. Dabei sind auch Feuerwehren aus der Umgebung mit von der Partie. „Das tut der Kameradschaft gut“, sagt Oster. Insgesamt sind über die Messe 150 Feuerwehrleute im Dienst gewesen.
„Ich hab’s überlebt“, sagt ein sichtlich erleichterter Marktmeister Robert Selesi, „es ist alles gut gegangen, und für meine erste Messe bin ich zufrieden.“ Dass es weniger Besucher als in manch anderen Jahren auf der Messe waren, erklärt Selesi neben dem Wetter und möglichen Sicherheitsbedenken mit dem Termin: „Sonst ist die Herbstmesse am Monatsanfang, nicht am Ende. Dann sitzt bei vielen das Geld lockerer.“ Er habe ein paar schöne, aber anstrengende Tage hinter sich, gibt er zu: „Am Freitag war ich nur am Rotieren und ständig mit dem Fahrrad unterwegs. Samstagabend, nach dem Umzug, war ich platt. Das war heftig.“ Jetzt will er erstmal durchatmen – „und dann geht’s an die Nachbesprechung und Vorbereitung fürs kommende Jahr“. Es gebe schon einige Ideen, was anders laufen könnte.