Wiesweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Herbstlicher Arbeitseinsatz: 240 Stauden finden ihren Bestimmungsort

Gleich drei Generationen der Familie Böhres krempelten in der Hauptstraße die Ärmel hoch: Opa Heinrich Böhres, die Enkel Henri (
Gleich drei Generationen der Familie Böhres krempelten in der Hauptstraße die Ärmel hoch: Opa Heinrich Böhres, die Enkel Henri (4) und die achtjährige Hayley sowie deren Mama Denise gruben fleißig Pflanzlöcher, um für die künftige Blütenpracht zu sorgen.

„Natürlich bunt“ soll der Ort werden, daher krempelten am Samstag Freiwillige die Ärmel hoch und pflanzten rund 240 pflegeleichte Stauden auf drei sogenannten Eh-da-Flächen.

Was ist eigentlich der Zukunfts-Check Dorf? Es handelt sich dabei um eine Initiative in Rheinland-Pfalz, bei der die Bürgerinnen und Bürger selbst als Experten vor Ort gefragt sind. In Wiesweiler wurden viele Ideen gesammelt – darunter die, aus der das Projekt „Natürlich bunt“ entstanden ist, bei dem es darum geht, Stellen im Ort optisch aufzuwerten und zugleich die biologische Vielfalt durch insektenfreundliche Bepflanzung zu fördern.

Und so kommt es an diesem herbstlichen Samstag zu einem Arbeitseinsatz im Ort, bei dem 240 Stauden an ihren Bestimmungsort gepflanzt werden. „Macht die Löcher so tief, dass der Wurzelballen oben nicht rausguckt, sonst vertrocknet oder gefriert der Bereich“, sagt Gartenbauingenieurin Isolde Gilcher aus Eschenau, die die Pflanzen so zusammengestellt hat, dass möglichst das ganze Jahr über etwas blüht und der Pflegeaufwand auf gelegentliches Jäten beschränkt bleiben sollte. Mit viel Spaß machen sich die Helfer ans Werk und graben Loch um Loch. „Wir müssen den Wurzelballen etwas aufbrechen, damit die gut anwachsen“, erklärt Heinrich Böhres seinen Enkeln Henri (4) und Hayley (8). Das Mädchen kniet sich mit Mutter Denise direkt in die Arbeit. Das Dreigenerationen-Team lässt sich in der Hauptstraße weder von hartnäckigen Wurzeln noch von Steinen im Boden aufhalten. Das Pflanzenspektrum reicht von kleineren farbenprächtigen Bodendeckern bis zu Gräsern.

Steppensalbei, Storchenschnabel, Sonnenhut

Für Stauden wie den Steppensalbei ist im Herbst ein guter Pflanzzeitpunkt. Der Boden ist noch warm, Niederschläge nehmen zu, sodass bis zur nächsten Saison starke Wurzeln entstehen sollten. Dann blüht die Insektenweide auch bei längeren Hitze- und Trockenphasen ausdauernd. Die robusten, trockenresistenten Fetthennen verzücken jetzt noch mit kleinen rosafarbenen Blüten – anspruchslos und üppig blau bis violett blühend werden die Glockenblumen gedeihen.

Gar bis in den Winter kann eine Variante Storchenschnabel „Rozanne“ mit Blüten punkten, der im Eingangsbereich von – Offenbach-Hundheim kommend – so angeordnet wurde, dass er gemeinsam mit weiteren blauen Blüten wie Lavendel ein wenig den nahe gelegenen Glan nachbildet. Das gelbe Mädchenauge wiederum bildet dazu einen starken Gegensatz. Als Kontrast zum Polster-Phlox, der regelrechte Teppiche im Beet bilden kann, sowie der bodendeckenden Kissen-Aster dienen aufrecht und hochwachsende Gräser wie die Rutenhirsen. Etwas höher werden auch die verschiedenen Varianten Sonnenhut, die bis in den Herbst gelb und purpurn blühen werden.

Viele Vorbereitungen waren nötig

Am frühen Nachmittag ist’s getan: Die insgesamt rund 240 Pflanzen in drei Bereichen sind gesetzt und kräftig angegossen. Die Plastiktöpfchen sind nach Größe sortiert, da diese nicht im Müll landen, sondern in den Gärtnereien wiederverwendet werden sollen. Nach der Premiere muss das Grün nun anwachsen.

Für das Projekt war übrigens einiges an Vorarbeit nötig. Es wurden Flächen definiert, danach wurde die Planung angegangen, berichtet Böhres. Um die Vorbereitungen hat er sich gemeinsam mit Burghard Ehwein, Ingfried Klahr sowie Axel und Harry Schneider gekümmert. Zum jeweiligen Standort passende Blumen, die möglichst pflegeleicht sind, hat Isolde Gilcher geliefert.

Damit die Aktion aber überhaupt stattfinden konnte, hatte der frühere Ortsbürgermeister Klahr – neben Verpflegung am Aktionstag – auch für die Finanzierung der Pflanzen über das Leader-Programm gesorgt. „Um an Gelder zu kommen, muss man dicke Bretter bohren“, weiß er nach 30 Jahren an der Ortsspitze nur zu gut. Dennoch hatte er Erfolg – und „Natürlich bunt“ stand nichts mehr im Weg.

Pflanzen gedeihen auf Eh-da-Flächen

Die Pflanzen wachsen nun auf sogenannten Eh-da-Flächen. Diese wurden zuvor „mit dem Handbagger“ bearbeitet, wie Böhres lachend berichtet. Die Grasnarbe abzutragen und den Boden entsprechend vorzubereiten, sei eine schweißtreibende Arbeit gewesen. Eh-da-Flächen sind eben da, aber ohne direkten Nutzen und bieten daher Raum für optisch ansprechende Bepflanzung, die zugleich die Biodiversität unterstützen kann. Neben dem Bereich in der Hauptstraße und dem Ortseingang aus Richtung Offenbach-Hundheim, wo bereits ein gut besuchtes Insektenhotel steht, wurde auch eine Verkehrsinsel auf der anderen Seite des Dorfes – von Lauterecken kommend – bepflanzt.

Weitere Pflanzaktionen sind möglich, denn passende gemeindeeigene Flecken gibt es beispielsweise auch auf der Berschweilerer Glanseite.

Die Serie

In der Serie „Ärmel hoch“ dreht sich alles um Menschen, die ehrenamtlich für die Allgemeinheit anpacken. Ob beim Verschönern des Dorfplatzes, beim Anlegen eines Spielfeldes oder der Pflege von Grünanlagen. Hinweise auf Arbeitseinsätze bitte per E-Mail an die Adresse redkus@rheinpfalz.de.

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