Essweiler / Teschenmoschel RHEINPFALZ Plus Artikel Heimatgeschichte: US-Kampfflugzeug stößt vor 30 Jahren mit Segelflieger zusammen

Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F 16 stieß vor 30 Jahren nahe Teschenmoschel mit einem Sportflugzeug zusammen.
Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F 16 stieß vor 30 Jahren nahe Teschenmoschel mit einem Sportflugzeug zusammen.

Nahe Teschenmoschel (Donnersbergkreis) kam es am 5. Juni 1990 zu einer verhängnisvollen Begegnung zwischen einem Segelflugzeug und einem US-amerikanischen Kampfjet. Dabei kam ein Sportflieger des Luftsportvereins (LSV) Eßweiler zu Tode. Fünf Kollisionen zwischen zivilen und militärischen Flugzeugen eigneten sich in der Bundesrepublik seit 1945.

Es war der Dienstag nach Pfingsten. Wie oft an Feiertagen fand am Flugplatz Eßweiler ein Fluglager statt. Neben Schulungen und Förderung des Nachwuchses ging es dabei um die Praxis des Streckenfluges. Was am Nachmittag dieses 5. Juni 1990 in der Luft passierte, fasst ein Untersuchungsbericht zusammen, mit dem Colonel Royce G. W. Wooddell vom Alliierten Taktischen Operationszentrum Sembach beauftragt war, der dabei von Mitarbeitern des Luftfahrtbundesamtes Braunschweig unterstützt wurde. Ein deutscher Untersuchungsbericht wurde nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung gerade an das Bundesarchiv abgegeben.

Nach dem 13-seitigen Air-Force-Bericht kam es in der Luft unweit Teschenmoschel zu einer Kollision zwischen einem Kampfflugzeug F16 der US Air Force und einem Segelflugzeug des Typs H 101 Salto. Der Segelflieger stürzte zu Boden, Pilot Theo Schappert aus Rutsweiler an der Lauter überlebte das Unglück nicht.

„War nicht erfolgreich“

Die F 16 war um 16.25 Uhr in Ramstein gestartet mit Ziel Airbase Hahn, wo der Jet stationiert war. Ungefähr dreieinhalb Minuten nach dem Start habe der Pilot des Kampfjets, Captain James C. Luithly, etwa 500 Feet (150 Meter) vor seinem Flugzeug einen Segelflieger auf Kollisionskurs gesehen, hält der Bericht fest. „Er versuchte, die Kollision zu vermeiden, war aber nicht erfolgreich.“ Circa 16.36 Uhr landete das Kampfflugzeug leicht beschädigt auf dem Hahn.

Über die Sichtverhältnisse zum Zeitpunkt des Unfalls ist in dem Report vermerkt: Die Sichtweite sei sehr gut gewesen, bei einigen Schatten, hervorgerufen durch Sonnenstrahlung durch Wolkenöffnungen.

Zeitzeuge erinnert sich

Schappert war dem Bericht zufolge einer von sechs Flugsportlern des LSV Eßweiler, die mit ihren Gleitflugzeugen zum Zeitpunkt der Kollision in der Luft waren. Der Pilot aus Rutsweiler habe erst im vierten Anlauf an diesem Tag genug Thermik gefunden, um in der Luft zu bleiben. Etwa eine Viertelstunde vor der Kollision habe er über Funk mit einem weiteren Segler aus Eßweiler verabredet, sich nahe des Donnersbergs zu treffen, heißt es.

Der 84-jährige Hartwig Zapp aus Wolfstein erinnert sich noch genau an die Geschehnisse an diesem 5. Juni 1990. Mit einem Segelflugzeug sei er selbst in der Luft gewesen, als über Funk die Anfrage gekommen sei, ob der Luftsportverein Eßweiler ein Flugzeug vermisse, schildert Hartwig Zapp im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nachdem er wieder auf dem Platz in Eßweiler gelandet war, habe er von dem Unfall erfahren. Mit dem Auto seien sie dann nach Teschenmoschel gefahren, aber der Unglücksort sei bei ihrer Ankunft schon abgesperrt gewesen, erzählt der Zeitzeuge.

Blutspuren im Feld

Näher dran an der Absturzstelle des Segelfliegers war Karl-Heinz Hoffmann aus Teschenmoschel. Auf der Heimfahrt von seiner Arbeitsstelle in Rockenhausen steuerte er die Gewanne „Über den Hecken“ an, erinnert sich der 73-jährige Hoffmann an den Unglückstag. Dort wollte er sich ein Bild machen, wie der Weizen auf seinem Versuchsfeld zwischen Teschenmoschel und Bisterschied steht. War doch für den 17. Juni ein sogenannter Feldtag angesetzt, an dem das Entwicklungsstadium der verschiedenen Weizensorten begutachtet werden sollte.

Als er auf dem Feldweg ankam, habe er Blutspuren und das Wrack des Seglers gesehen, Teile davon hätten in seinem Weizenfeld gelegen. Mit einem mulmigen Gefühl habe er die Polizei informiert. Auch darüber gibt die Untersuchung präzise Auskunft. Um 17.47 Uhr sei die Polizei in Rockenhausen von der Airbase Sembach über den Unfall informiert worden. Etwa 18.09 Uhr habe die Polizei Lauterecken die Kollegen in Rockenhausen informiert, dass ein Segelflugzeug vermisst werde. Kurz danach sei das Wrack von einem Landwirt entdeckt und gegen 18.30 Uhr die Absturzstelle der Polizei gemeldet worden. Zunächst hatten zwei Hubschrauber des Such- und Rettungsdienstes der Bundeswehr in der Region nach dem vermissten Segler gesucht, der bei Unkenbach vermutet worden war.

Ursache nie geklärt

Auch Harry Keidel, von 2005 bis 2010 Vorsitzender des LSV Eßweiler, erinnert sich noch an den Unglückstag. Zu Hause habe er am Schreibtisch an einer wissenschaftlichen Arbeit geschrieben, als er von dem Unglück erfuhr. Die Ursache für den Unfall sei nicht geklärt worden und somit auch die Schuldfrage offengeblieben, sagt Keidel im Rückblick.

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