Reipoltskirchen
Heimatgeschichte: Hans Asmus von Esebeck wichtigster Berater von Herzog Christian
Die Notwendigkeit für einen Prinzenerzieher ergab sich, als Herzog Christian III. bei seinem Tod im Jahr 1735 einen 13-jährigen Sohn hinterließ. Seine Witwe suchte einen Erzieher und entschied sich für Esebeck, der am Hof in Anhalt-Bernburg lebte. Der dortige Fürst war mit den Pfälzer Wittelsbachern verwandt und dürfte den jungen Adeligen für die Aufgabe empfohlen haben.
Sächsischer Uradel
Die Familie von Esebeck gehörte zum Uradel im sächsischen Herzogtum und ist vom 12. Jahrhundert an in Urkunden zu finden. Ihre ursprünglichen Besitzungen, darunter das Dorf Esbeck (heute ein Stadtteil von Schöningen), lagen in der Nähe von Helmstedt. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren die Esebecks auch in anderen Gebieten aktiv. Sie erwarben Besitzungen in Groß Salze (heute Stadtteil von Schönebeck an der Elbe), wo sie sich an der Salzgewinnung beteiligten, und schließlich im südlichen Anhalt.
Philipp Jordan von Esebeck (1676-1747) war Oberstallmeister bei den Fürsten von Anhalt-Bernburg. Sein einziger Sohn Hans Asmus studierte in Marburg und Halle Jura, um später in der Verwaltung eines Fürstentums zu arbeiten. Da erhielt der 24-Jährige die Einladung nach Zweibrücken und wurde zum Kammerjunker und zum Regierungsrat ernannt. Seine erste Aufgabe bestand darin, Christian und seinen Bruder Friedrich in die Niederlande zu begleiten und dort während des Studiums an der Universität Leiden zu betreuen. Mit einer einjährigen Reise durch Holland und Frankreich endete die Kavalierstour.
Ernennung zum Geheimrat
Mit 18 Jahren übernahm Christian die Regierung und ernannte Esebeck zum Geheimen Rat, was dem Rang eines Ministers entsprach. Ein Jahr später erhielt er den Titel eines Freiherrn und wurde erster Staatsminister. Damit war er der wichtigste Berater des Herzogs. Im Sinne einer aufgeklärten Politik gab er den Anstoß für mehrere Reformen in der Justiz und in der Verwaltung, die eine feste Dienstordnung bekam. Er unterstützte auch die merkantilistische Wirtschaftspolitik, mit der die Staatseinnahmen gesteigert werden sollten. Neben einer Verbesserung der Landwirtschaft entstanden im Herzogtum mehrere Manufakturen, in denen arbeitsteilig produziert wurde. Dazu gehörten eine Woll- und eine Musselinfabrik, Glashütten, ein Eisenwerk in Schönau und ein Stahlhammerwerk in Contwig. Im Bergbau sollte vor allem Quecksilber gefördert werden.
Esebeck war im Herzogtum Zweibrücken sehr geschätzt. Das zeigte sich, als er 1737 Johanna Friederike von Göllnitz (1718-88) heiratete, die Tochter eines hohen Beamten am Herzogshof. Die Hochzeit fand „in höchster Gegenwart des Herzogs und des gesamten Hofstaates statt“, berichtete ein Zeitgenosse. Auch bei der Geburt der neun Kinder übernahmen immer wieder Mitglieder der herzoglichen Familie eine Patenschaft.
In seinen letzten Lebensjahren war Esebeck öfter auch in diplomatischer Mission unterwegs. Denn inzwischen ließ sich absehen, dass der bayerische Kurfürst Max III. Joseph (1727-77) ohne Nachkommen sterben würde. Der nächste Anwärter war der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor (1724-99), der ebenfalls kinderlos war und sich mit dem Gedanken trug, sein bayerisches Erbe gegen ein anderes Fürstentum zu tauschen. Diese Pläne wurden vor allem von Österreich unterstützt, das sich eine Machterweiterung in Süddeutschland erhoffte. Bei den Beratungen über die Erbfolge war Esebeck mehrmals in München und pflegte gute Beziehungen zu allen Parteien, ohne sich jedoch festzulegen. Auch dem verlockenden Angebot der Habsburger, die seine Unterstützung mit dem Grafentitel belohnen wollten, konnte er widerstehen. Schließlich kam es 1766 zu einer „Erbbrüderungs-Erneuerung“, in der Bayern und die Pfalz zum untrennbaren Besitz der Wittelsbacher erklärt wurden.
Zwei Güter verliehen
Als Anerkennung für seine Dienste gab Herzog Christian 1760 seinem Staatsminister die beiden benachbarten Güter Ingweilerhof und Ausbacherhof als Erblehen. Der Ingweilerhof war in den nächsten Jahren der private Mittelpunkt der Familie in der Pfalz. Hier wohnte Esebeck auch während einer längeren Krankheit im Jahr 1770, an der er schließlich am 12. Juli starb. Er wurde in der kleinen Kapelle neben dem Eingang zum Hof beerdigt. Dort erinnert heute noch eine Grabplatte an ihn, deren Inschrift mit den Worten beginnt: „Raste, Wanderer, an diesem Grabhügel“ und die Ämter und Lebensdaten des Verstorbenen verzeichnet. Dort ist allerdings ein falscher Todestag (21. Mai) genannt. Auf dem Ausbacherhof gab es ebenfalls Zeichen für Esebeckschen Besitz. Er war durch mehrere Grenzsteine mit dem Wappen der Familie markiert. Aber nur einer der Grenzsteine hat überlebt, ist jedoch von Flechten so bedeckt, dass die drei Rosen des Wappens kaum noch zu erkennen sind.
Für den Kreis Kusel ist vor allem das Porträt des Ahnherrn Hans Asmus von Interesse, das heute in der Münchner Wohnung der Familie von Esebeck hängt. Das Ölgemälde entstand wahrscheinlich zu Lebzeiten des Staatsministers und zeigt ihn als einen etwa 40- bis 50-jährigen Mann mit einem vollen Gesicht. Er blickt ernst, aber nicht unfreundlich und trägt entsprechend der Mode seiner Zeit eine Perücke und ein Spitzenhalstuch („Jabot“). Das Zeichen seines Amtes ist eine prunkvolle Kette mit einem großen Orden. Die oberen Ecken des Bildes zeigen das Wappen der Familie und eine handschriftliche Eintragung, die wahrscheinlich später erfolgte.