Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Händler und Kunden froh, dass Geschäfte wieder offen sind

Mit Mundschutz in ihrem Kuseler Studio für Bild und Rahmen: Gretel Martin. Nur jeweils ein Kunde darf das Geschäft betreten.
Mit Mundschutz in ihrem Kuseler Studio für Bild und Rahmen: Gretel Martin. Nur jeweils ein Kunde darf das Geschäft betreten.

Seit Montag dürfen sie wieder offen haben: Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmeter. Und nicht nur die Ladenbesitzer, auch die Kunden sind froh, dass sie wieder einkaufen gehen können. Trotzdem ist vieles ungewohnt: von der Händedesinfektion am Eingang bis zur Beschränkung der Kundenanzahl im Geschäft.

In der Kreisstadt bot sich – fast – das gewohnte Bild. Bei Mode Yello wurden die Kundinnen von Chefin Pia Häring freudig begrüßt: viele kennt sie beim Vornamen. Während der vierwöchigen Schließung hat sie Kontakt gehalten über Facebook, Instagram und Whatsapp. Bestellungen wurden entweder zugeschickt oder Tüten hingestellt und abgeholt – Bezahlung dann per Überweisung.

Dass das Ordnungsamt am Freitag da war, findet Pia Häring gut: „Da sind wir auf der sicheren Seite.“ Am Eingang steht Händedesinfektion, an der Kasse hat ihr Mann einen professionellen Spuckschutz angebracht. In ihren großen Laden könnte sie 15 Kunden lassen – die Gänge sind breit genug. Das Einzige, was sie bedauert: „Ich kann meinen Kundinnen jetzt keinen Kaffee anbieten. Da würden sich gleich wieder Grüppchen bilden.“

Gretel Martin vom Studio für Bild und Rahmen hingegen lässt nur einen Kunden auf einmal hinein – da müssen die anderen schon mal Schlange stehen. Sie trägt Mundschutz, hat ebenfalls einen Spuckschutz angebracht und Händedesinfektion an der Tür stehen. Vier Wochen ohne Einnahmen – das war hart. „Die Kosten laufen ja weiter.“ Für Ostern, Kommunion und Konfirmation hatte sie viel eingekauft – alles liegengeblieben. Jetzt ist sie froh, dass sie wieder öffnen darf: „Hauptsache, es geht vorwärts.“

Ostergeschäft ausgefallen

Noch verhalten war das Interesse bei Heike Vitzthums Geschäft für Haushaltswaren und Geschenke. Das ganze Ostergeschäft ist ihr flöten gegangen – sie hat die Sachen für das nächste Jahr weggepackt. Über das Wochenende hat sie mit ihrem Mann noch einen Spuckschutz für die Kasse gebastelt. Und ist richtig froh, dass sie wieder im Geschäft stehen darf: „Daheim ist mir schon die Decke auf den Kopf gefallen.“

Auch das Möbelhaus Schug in Thallichtenberg konnte wieder öffnen. Auf der Homepage werden die Kunden aufgefordert, vorab einen Termin zu vereinbaren, damit nicht zu viele im Geschäft sind. Das sei auch direkt angenommen worden, informiert Sven Dick auf Anfrage der RHEINPFALZ. Dass das Ordnungsamt vorher da gewesen sei, fand er sehr gut. Und nicht nur die Mitarbeiter nutzen Mund-Nasen-Schutz, auch die Kunden werden dazu aufgefordert. „Wir stellen auch welchen zur Verfügung“, so Dick.

Die Kunden strömen

Um 9 Uhr hat das Schuhhaus Fritz in Lauterecken geöffnet. Fünf Kunden waren am Vormittag bereits da. Kinder-, Damen- und Herrenschuhe – alles war gefragt, sagt die langjährige Mitarbeiterin Steffi Merscher. „Ich bin froh, wieder arbeiten zu dürfen. Natürlich ist alles noch sehr ungewohnt. Denn normalerweise helfen wir unserer Kundschaft beim Anprobieren der Schuhe. Das geht im Moment nicht. Aber man sieht deutlich, dass die Leute Lust haben und glücklich darüber sind, endlich wieder einkaufen gehen zu können.“

Unter ihnen ist Andrea Maue aus Lauterecken, die für ihre Tochter offene Schuhe sucht. Sie sei froh, kleinere Geschäfte vor Ort unterstützen zu können und nicht nur bei den großen Discountern oder im Internet einkaufen zu müssen. Der Inhaber des Schuhgeschäfts, Jürgen Fritz, spricht indes von „der schwersten Zeit seit 35 Jahren“. Sein Lager sei voll und der weggebrochene Umsatz spürbar. Auf die versprochenen und längst beantragten Zuschüsse warte er nach wie vor.

Nur Straßenverkauf im Café

Im Stadtcafé von Bernd Gauch dürfen seit Montag Speisen und Getränke im Straßenverkauf angeboten werden. Am Vormittag hatte er Besuch vom Ordnungsamt. „Bei so einem Wetter lässt man das Geschäft nicht gerne zu. Aber bevor ich wieder öffnen kann, muss ich erst Waren bestellen“, sagt Gauch. Geplant sei, die Tür durch die Kühltheke zu blockieren und darüber eine Plexiglas-Scheibe anzubringen. Dann könne der Verkauf am Mittwoch starten.

Im Blumengeschäft von Erika Sievers gibt es Straßenverkauf für Blumen, Pflanzen und Töpfe bereits seit über zwei Wochen. Durch die Lockerungen können nun auch wieder Kunden den Laden betreten – zumindest theoretisch. „Wir könnten einen Kunden ins Geschäft lassen. Aber weil wir kein Desinfektionsmittel haben, halten wir weiterhin am Straßenverkauf fest und haben etwa dieselbe Anzahl von Kunden wie die ganze Zeit schon. Wir haben ja schönes Wetter, deshalb ist unsere Tür auch die ganze Zeit geöffnet“, sagt Mitarbeiterin Alexandra Weppner.

Im Reisebüro Holiday Land wartet Geschäftsinhaber Helmut Schuff weiterhin auf Kundschaft. „Es lohnt sich nicht wirklich, das Büro zu öffnen. Aber ich will im Fall der Fälle den Leuten mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Stornierungen und Stornogebühren waren die ganze Zeit ein Thema. Bald wird der Herbsturlaub Thema.“

Frühjahr umsatzstärkste Zeit

Im Krottelbacher Modehaus Bischoff tummelten sich am frühen Morgen bereits die Kunden. Die fast fünfwöchige Pause war, wie Geschäftsinhaber Michael Bischoff resümiert, für ihn und seine zwölf Mitarbeiterinnen eine „extrem schwierige Zeit“. Für sein Haus sei es vom Jahresanfang bis zum 17. März bestens gelaufen. Neben dem Weihnachtsgeschäft gehöre auch das Frühjahr zu den umsatzstärksten Zeiten. Das Traditionshaus gehört weit über die Grenzen von Krottelbach hinaus zu den ersten Adressen in Sachen Kommunion- sowie Konfirmationskleidung. Auch diese Feierlichkeiten wurden verschoben, bedauert Bischoff: „Die neuen Termine stehen noch aus, dennoch können wir jederzeit unsere Kunden zufriedenstellen. Wir haben auch genügend Ware vorrätig.“ Er bittet die Menschen darum, gerade in dieser schwierigen Zeit die Einzelhändler in der Region zu unterstützen.

Gute Laune und Aufbruchstimmung herrschte im Waldmohrer Schuhhaus Germann. Die vergangenen vier Wochen waren für Geschäftsinhaber Sven Germann „echt bescheiden“. Eine noch längere Schließung wäre für ihn existenzbedrohend gewesen, fügte er nachdenklich an. Neben seinem Hauptsitz in Pirmasens und der Filiale in Waldmohr mit sieben Mitarbeiterinnen unterhält Schuh Germann weitere Filialen in ganz Rheinland-Pfalz mit insgesamt rund 90 Mitarbeitern.

Auch Sven Germann bedauert, dass das gesamte Ostergeschäft ausgefallen ist: „Für uns waren diese vier Wochen ein Albtraum.“ Dennoch dürfe der Handel sich nun keine Rabattschlacht liefern. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit sollten Händler ihre Ware zum jetzigen Zeitpunkt nicht unter Wert verkaufen, appelliert der Einzelhandelskaufmann.

Selbstredend, dass auch hier Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten werden. Für Kundin Ute Pirmann kein Problem. Die Waldmohrerin ist auf der Suche nach Joggingschuhen und zuversichtlich, den passenden Schuh auch zu finden: „Es ist einfach ein schönes Gefühl, Schuhe nicht nur auf Onlineportalen anzuschauen, sondern endlich wieder auch anprobieren zu können.“

Darf den Kunden nicht beim Anprobieren helfen: Steffi Merscher bei Schuh Fritz in Lauterecken.
Darf den Kunden nicht beim Anprobieren helfen: Steffi Merscher bei Schuh Fritz in Lauterecken.
Auch beim Modehaus Bischoff (hinten Inhaber Michael Bischoff) steht Händedesinfektion bereit.
Auch beim Modehaus Bischoff (hinten Inhaber Michael Bischoff) steht Händedesinfektion bereit.
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