Wiesweiler
Gemeinde will Status als Wohnstandort stärken
Wer in Wiesweiler sein Haus saniert, kann zukünftig Steuervergünstigungen dafür erhalten. Das könnte ein Anreiz für Hauskäufer sein und spielt zusammen mit dem geplanten Nahwärmenetz, für das ein erster Plan der Heizungszentrale steht. Auch beim Zukunftscheck Dorf will die Gemeinde mitmachen, eine Art selbstorganisierte Dorferneuerung.
Was dort wohl weit oben auf der Agenda stehen wird, ist ein neuer Dorfplatz – einen solchen gibt es nämlich nicht. Nahe des Rastplatzes an der Draisinenstrecke, wo auf der Straßenseite gegenüber alte Gärten liegen, könnte ein solcher entstehen. Es soll etwas passieren in dem durch den Glan und die B420 zweigeteilten Ort, der jetzt als Gesamtheit offizielles Sanierungsgebiet ist.
Anreiz für Schulhaus-Kauf
Diese Bestimmung ist erforderlich, um die Steuer-Abschreibungen für ins Ortsbild passende Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten beantragen zu können. Das gilt für Privatleute wie die Gemeinde. Eine energetische Sanierung des Bürgerhauses wäre denkbar, sagt Ortsbürgermeister Ingfried Klahr.
Man hoffe auch, für Interessenten am alten Schulhaus könnten die möglichen Steuervergünstigungen ein Anreiz sein. Denn sie gelten besonders für Erhaltungsmaßnahmen an historischen Gebäuden. Es gebe einen erheblichen Sanierungsstau in dem Gebäude, das die Gemeinde seit Jahren verkaufen möchte, sagte er.
Neubauten sind 40 Jahre alt
Bei einer Untersuchung hat das Büro Kernplan aus Illingen einige wenige sanierungsbedürftige Bauten identifiziert, die das Ortsbild teils erheblich beeinflussten. Mittlerer Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf erstrecke sich über den Großteil des Untersuchungsgebietes. Besonders die älteren, aber auch ein Teil der neueren Gebäude sei energetisch nicht auf dem neuesten Stand. Es wird davon ausgegangen, dass viele Gebäude nicht barrierefrei sind.
Wenn in Wiesweiler von Neubauten gesprochen wird, sind damit die vor etwa 40 Jahren gebauten Häuser östlich des Glans gemeint. Die Straßen im Ort sind in einem guten Zustand, Anfang der 1990er Jahre seien alle sukzessive saniert worden. „Alles mit wiederkehrenden Beiträgen“, erläuterte Klahr bei einem Rundgang. Nur ein Teil der Bahnhofstraße ist noch nicht gemacht.
Heizungszentrale nahe des Friedhofs geplant
Ein guter Zustand der Straßen sei wichtig für die Attraktivität des Ortes mit rund 400 Einwohnern, der außer der Bäckerei keine Einkaufsmöglichkeiten bietet, wo der Altersdurchschnitt bei 47 Jahren liegt und weniger Senioren als im Durchschnitt der Verbandsgemeinde wohnen – jedoch auch weniger Unter-20-Jährige. Als Wohnstandort soll Wiesweiler gestärkt werden, als Gemeinde, die auf Gemeinsamkeit setzt. Möglicherweise bald mit einem Dorfplatz, zum Treffen und gemeinsamen Feiern. Bisher wird die Kerwe am Bürgerhaus aufgebaut.
Ein Dorf-Projekt ist auch die Nahwärme-Initiative, die mit den Stadtwerken Kusel vorangetrieben wird. Deren Bauvoranfrage für eine Heizungszentrale mit Hackschnitzel hat der Ortsgemeinderat zugestimmt. Diese soll nahe des Friedhofs, am Rande des Wohngebiets westlich des Glans entstehen, wo es auch Flächen für die in der Nähe auf 900 Quadratmeter zu errichtenden Kollektoren gibt. Die meisten Interessenten für das gemeinsame Wärmenetz, das auf Biomasse und Solarthermie setzen wird, kämen aus diesem Gebiet, erklärte Klahr.
Neubaugebiet nicht mehr im Blick
40 Jahre nach dem Hausbau stünden einige der Bürger dort vor der Heizungserneuerung. Noch ist die Mindestquote von 40 Mitmachenden nicht erreicht, doch ist der Ortsbürgermeister zuversichtlich, dass diese erreicht werden wird. Mit einem etwa 1800 Meter langen Leitungsnetz sollen von der Heizungszentrale aus bis zu 60 Gebäude versorgt werden können. Es bestehe die theoretische Möglichkeit, ein Neubaugebiet anzuschließen, das inzwischen aber kaum einer noch ernsthaft im Blick hat: Für 15 Bauplätzen gibt es zwar seit 17 Jahren einen Bebauungsplan. Die Gemeinde kann eine Erschließung jedoch nicht finanzieren. Von einem Investor, der dies seit Jahren nicht umsetzte, hatte man sich im vergangenen Jahr getrennt.